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Anne-Sophie Hirsbrunner von der Fachstelle Soziales der röm.-kath. Kirche Biel. Foto: Niklaus Baschung

WICHTIGES SOZIALES NETZ

Anne-Sophie Hirsbrunner arbeitet seine einem halbem Jahr auf der Fachstelle Soziales der röm.-kath. Kirche Biel. Hier schätzt sie den offenenen Umgang mit den Klienten und Klientinnen.

Frau Hirsbrunner, was hat Sie motiviert, auf einer Sozialstelle, die von der Kirche betrieben wird, zu arbeiten?

Anne-Sophie Hirsbrunner: Ich schätze den grösseren Frei- und Gestaltungsraum, die Nähe zu meinem Grundauftrag als Sozialarbeiterin. Dadurch kann ich sehr offen mit den Klienten und Klientinnen umgehen und den Auftrag vielgestaltig ausführen. Die Menschen fühlen sich vielleicht durch ihre schwierige Situation gezwungen, zu dieser Anlaufstelle zu kommen. Grundsätzlich ist es aber ein freiwilliges Angebot. Es gibt auch Regeln, damit eine gute Zusammenarbeit möglich ist. Jedoch keinen Zwangskontext und engen Rahmen wie etwa bei einem öffentlichen Sozialdienst.

Weshalb braucht es einen kirchlichen Sozialdienst?

Der Sozialdienst vertritt christliche Werte, die zudem auch allgemein als humanitäre, moralische Massstäbe gelten – wie gegenseitiger Respekt, die Wertschätzung jedes einzelnen Menschen und der Einsatz gegen Diskriminierung. Und der kirchliche Sozialdienst bietet den Rahmen und die Chance ein Angebot zu schaffen für Menschen, die von anderen sozialen Netzen nicht aufgefangen werden oder die den Zugang zu entsprechenden Angeboten noch nicht gefunden haben und die durch uns an diese Angebote weitervermittelt werden können.

Welche Dienstleistungen bietet die Sozialstelle an?

Ein Schwerpunkt ist die Beratung und Einzelfallhilfe – zugänglich für alle, die in Biel und Umgebung wohnen. Wir unterstützen zudem Organisationen, die soziale Angebote schaffen, wie zum Beispiel die Bieler Gassenarbeit, die Passantenhilfe und den Zvieri-Treff für Sans-Papiers und abgewiesene Asylsuchende – alle drei, essentielle Anlaufstellen im Raum Biel. Die Fachstelle ist ausserdem aktiv in Arbeitsgruppen, welche die verschiedenen sozialen Angebote im Raum Biel vernetzen und Synergien nutzen. Ich hoffe daher, dass unsere Ressourcen trotz Corona-Pandemie erhalten bleiben, um unsere Kernaufgaben erfüllen zu können.

Wie kann die Einzelfallhilfe konkret aussehen?

Wir beraten zum Beispiel einen alleinerziehenden Vater von vier Kindern. Er lebt als anerkannter Flüchtling in Biel. Kurz nach der Einreise in die Schweiz ist seine Frau an einer Krebserkrankung gestorben. Mittlerweile arbeitet er zu 100 Prozent als Pflegehelfer. Wir unterstützen bei der Finanzierung der medizinisch notwendigen Zahnkorrektur eines Kindes.

Benötigen wegen der Corona-Pandemie unterschiedliche Leute Ihre Unterstützung?

Wir haben zwischenzeitlich unser Angebot angepasst und uns während rund 2 Monaten zu einer Ökumenischen Notfallberatung zusammengeschlossen (zusammen mit der Heilsarmee und der reformierten Kirche). In diesem Rahmen haben wir mehr Nothilfe geleistet, um die elementaren Grundbedürfnisse von armutsbetroffenen Menschen zu befriedigen. Dazu gehörte die Essensabgabe, welche oft von Menschen in Anspruch genommen wurde, die dieses Angebot vorher nicht nutzten. Wir haben auch immer wieder erlebt, dass Leute keine Sozialhilfe beantragen wollen, diese Unterstützung jedoch dringend benötigen würden.

Wann empfinden Sie persönlich eine Genugtuung über den Verlauf eines Beratungsgesprächs?

Wenn ich erfahre, dass sich durch meine Unterstützung eine Lebenssituation nachhaltig verbessert hat, dann erfüllt mich dies mit Freude. Sie bestärkt mich weiterzumachen.

Interview: Niklaus Baschung

26. Juni 2020
erstellt von angelus