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Bild: cc, Onnola, flickr.com

Zum Dreikönigstag (Nicole Arz)

Im Matthäusevangelium  wird erzählt, dass Sterndeuter aus dem Osten von einem Stern geleitet bis nach Bethlehem gelangt sind, wo sie dem Jesuskind, das sie für den neuen König von Judäa hielten, huldigen konnten. Sie brachten ihm Geschenke und machten sich wieder auf den Heimweg. 

Die Überlieferung hat aus den Sterndeutern drei Könige gemacht. Als Kind mochte ich diese Geschichte. Die Könige kamen auf reich geschmückten Kamelen, die in ihrer Heimat, so dachte ich, von ehrerbietigen Dienern respektvoll bepackt worden sind. Unter Jubel sind die Könige verabschiedet worden. Heute will mir eher das Bild gefallen von etwas verschrobenen Menschen, die ihre Augen mehr gen Himmel denn auf die Erde gerichtet hatten. Deren Aufbruch vielleicht belächelt worden ist, weil man sie für Narren hielt, die im Begriff waren, wegen eines Sternes alles hinter sich zu lassen.
Die Geschichte endet gut. Der Stern hat nicht zuviel versprochen und führt die Reisenden zu einem neugeborenen Kind, das dereinst die Welt verändern würde.

Möchte uns diese Geschichte vielleicht sagen, dass es sich lohnt, einem Stern zu folgen? Einen Aufbruch zu wagen? Natürlich sieht man sofort das Bild von einem ganz grossen Traum vor sich: die Welt umsegeln, mit dem Fahrrad durch Afrika fahren, ans Nordkap wandern. Und man merkt gleich: solche Dinge sind nur sehr wenigen, sehr privilegierten Menschen vorenthalten. Wir, die wir im Alltag eingebunden sind, Verpflichtungen haben, Verantwortung tragen, eine Arbeit, eine Familie haben, Menschen, die sich auf uns verlassen, können nicht einfach alles hinter uns lassen. Wo ist unser Stern, dem wir folgen können? Ich glaube, jeder muss seinen Stern selbst bestimmen. Sich überlegen, was für ihn Stern sein könnte. Auch wenn es ein kleiner, bescheidener Stern ist - vielleicht lohnt es sich ja trotzdem, ihm zu folgen...
Möge er Ihnen leuchten!

Nicole Arz

6. Januar 2011