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Zum zweiten Advent 2010 (Nicole Arz)

Jesus kam zu uns auf die Welt - so steht es geschrieben und so singen wir es in vielen Weihnachtsliedern. Und alle fragen, wer ist denn dieser Jesus, der als kleines Kind im Stall von Bethlehem geboren wurde? Stellen wir uns vor, jemand fragte nicht nach dem Kind, sondern nach der Welt, in die hinein es geboren wird und in die hinein wir alle geboren wurden.

Was erzählen wir ihm?

Wir erzählen ihm, dass es in dieser Welt tiefgrüne Wälder gibt, Blumenwiesen, hohe Gebirge, glasklare Seen und das weite, blaue Meer. Er wird denken, die Welt sei schön.

Wir erzählen ihm, dass es in dieser Welt zerstörte Natur und vergiftete Flüsse gibt, Städte, in denen die Luft so schlecht ist, dass man nicht mehr atmen kann, Industriegebiete, aus denen es dampft und raucht, so dass die Sonne kaum mehr sichtbar ist. Er wird denken, die Welt sei hässlich.

Wir erzählen von Menschen, in deren Leben Dinge gelingen, die Arbeit haben, Freunde, einen anderen Menschen, den sie lieben, die Familie haben und gesund sind. Er wird denken, die Welt sei ein guter Ort.

Wir erzählen von Menschen, die krank sind und von Sorgen niedergedrückt werden, die gequält werden und einsam sind, die Schmerzen haben und für die jeder Tag eine Last ist. Er wird denken, die Welt sei ein schlechter Ort.

Wir erzählen von Festen, auf denen gelacht und gefeiert wird, wo die Menschen miteinander singen und tanzen. Er wird denken, die Welt sei ein fröhlicher Ort.

Wir erzählen vom Sterben und vom Abschiednehmen, von Eltern, die ihre Kinder begraben müssen und Liebenden, die der Tod auseinanderreisst. Er wird denken, die Welt sei ein trauriger Ort.

Alles ist wahr. Die Welt ist schön und hässlich, gut und schlecht, fröhlich und traurig. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Durch sein Leben und seine Werke hat Jesus uns gezeigt, dass überall dort, wo das Licht mehr wird, die Schatten weniger werden. Und er hat uns auch gesagt, dass es an jedem selbst liege, für mehr Licht zu sorgen, damit das Gute in der Welt überwiegen kann. Licht - das kann heissen, Trost zu spenden, sich zu kümmern um den anderen, um die Natur, um Anliegen, die menschenfreundlich sind. Es kann heissen, sich einzusetzen für diejenigen, die es brauchen und dasjenige, was der Welt guttut.

So ein für mehr Licht sorgen, ist nicht einfach und oft gelingt es auch nicht. Lasst es uns dennoch immer wieder aufs Neue versuchen! Lasst uns Licht werden!

Nicole Arz

4. Dezember 2010