Weihnachtskrippe in der Kirche Vorbourg. Foto: Niklaus Baschung

ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE

EIN BESUCH DES WALLFAHRTORTES VORBOURG GERADE IN DER WEIHNACHTSZEIT LOHNT SICH.

Während Jahren schaute ich auf der Reise von Basel nach Biel in der Klus vor Delémont fasziniert auf das burgenähnliche Gebäude hoch über der Birsschlucht. Das Bild erschien mir wie aus einer anderen Welt.

Dann wollte ich dieses Gebäude kennenlernen und bog eines Tages von der Hauptstrasse ab und stiess schon bald auf die braunen Touristik-Wegweiser mit der Aufschrift Vorbourg. Durch gepflegte Villenviertel führte der Weg hoch zu meinem Ziel. Was ich fand war keine Burg, sondern eine wunderschöne mittelalterliche Kirche. Und der Eindruck, in einer andern Welt zu sein, vertiefte sich.

Ursprünglich gehörte diese Kirche tatsächlich zur gleichnamigen Burg, die vom Grafen Hugues von Egisheim erbaut wurde. Die Lage der Burg, die heute nur noch als Ruine zu erkennen ist, weist auf die damalige militärische Bedeutung hin. Die Kirche war eine Dependance der Burg. Ihre Weihe durch Papst Leo IX, ob nun wirklich oder in der Legende, ist eine schöne Geschichte. Tatsache ist, dass Papst Leo ein Sohn des Erbauers der Burg war. Beim Erdbeben von Basel 1356 wurde die Burg, nicht aber die Kirche zerstört. Eine andere wunderbare Geschichte. Die Kirche entwickelte sich in der Folge zum berühmtesten Pilgerort der Region.

Die Vorbourg ist und hat etwas Besonderes. Sie ist ein Ort zwischen Himmel und Erde, wie das Paul Hugger in seinem Buch Wallfahrtsorte der Schweiz beschreibt. Ganz eindrücklich war für mich die Rosenkranzandacht, welche die Benediktinermönche, die die Kirche betreuen, in der Weihnachtszeit vor der wunderschönen Krippe zusammen mit den Besuchern feierten. Da war ich definitiv in einer andern Welt.

Auf der Vorbourg ist aber nicht nur für das seelische, sondern auch für das leibliche Wohl gesorgt. Im Gasthof auf dem Bauernbetrieb, nur wenige hundert Meter von der Kirche entfernt, wird man herzlich empfangen und kann sehr gut essen.

Man kann in der herrlichen Juralandschaft schöne Wanderungen machen. Die einfachste und sinnigste ist wohl der Aufstieg von Soyhières zum Restaurant und der Kirche. Soyhières ist von Basel und von Delémont aus mit der S Bahn erreichbar. Wenn man nicht so gut zu Fuss ist, kann man mit dem Auto bis zur Kirche und zur Wirtschaft gelangen.

Eugen Häni

Informationen: Anreise mit Zug und zu Fuss: S-Bahn von Basel oder Delémont nach Soyhières, von dort eine halbe Stunde zu Fuss nach Vorbourg. Rosenkranzgebet in der Kapelle jeweils am Sonntag 15.30 Uhr Dieser Artikel ist Bestandteil eines autobiografischen Buches „Reisen überallhin“. ISBN 978 3033 05660 2. Erhältlich beim Verlag Eugen Häni, haenimeyer@bluewin.ch

10. Dezember 2018
erstellt von angelus