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Andreas Krummenacher

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Online-Leserbrief

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pfarrblatt Nr 35/36, Dossier Katechese (Interview Andreas Krummenacher / Judith Furrer Villa)

Frau Judith Furrer ist verantwortlich für die Einführung und Umsetzung des neuen Lehrplanes für den konfessionellen Religionsunterricht und die Katechese der katholischen Kirche in der Deutschschweiz, also für etwa 2/3 unseres Landes. Das hat Bedeutung. Ich musste den Artikel zweimal lesen, habe aber weder Evangelium noch der Name Jesus einmal gefunden. Die Umstellung des Unterrichts betrifft die Kompetenzen anstelle von Wissen. Leider habe ich wiederum den Unterschied nicht begriffen, es soll der Weg sein, wie man sich etwas verinnerlicht. Früher wurde gebüffelt, heute wird erlebt. Vieles soll aber auch delegiert werden, an die Pfarreien im Gottesdienst und andere „Gefässe“. Als Beispiel wird der 15. August angeführt, mit Kräutersegnung zum Fest Maria Himmelfahrt, da hat man einen Bezug zu Bioprodukten, Selbstversorgung, Feinstoffliches, Kräutermedizin. Solche Zugänge zu eröffnen sei die Kernaufgabe der Katechese. Da bleibt mir die Spucke weg.

Ohne Zweifel ist die Katechese eine anspruchsvolle Aufgabe – die Kinder können zu Beginn oft kaum das Kreuzzeichen, haben selten etwas vom Vaterunser gehört, beten ist ein Fremdwort, Andacht sowieso, wenn überhaupt je eine Messe besucht wurde. Geht es bei der Katechese, wo denn sonst, nicht vielmehr um die Grundlagen des christlichen Glaubens und um das Erfahren der katholischen Spiritualität. Die Bibel, das alte und neue Testament, die wichtigsten Evangelien und Gleichnisse, das Leben und die Botschaft von Jesus, die Dreifaltigkeit, die Sakramente, welches jeweils 3 Bedingungen erfüllen muss: von Christus eingesetzt, äusseres Zeichen und innere Wirkung (das weiss ich noch vom „Unti“ ohne Kompetenzgerangel). Das Evangelium ist die zentrale Botschaft unserer Kirche und deren Vermittlung an die Kinder doch die Kernaufgabe der Katechese. Die originalen Inhalte muss man kennen und auf dieser Basis entwickeln sich dann zeitgemässe Lebenserfahrungen und Verhaltensweisen, so dass das ganze Leben, dank der Katechese, dem Glauben an Jesus Christus, besser gelingt – mit Versöhnung, Nächstenliebe, Gemeinschaft und spiritueller Ausdrucksfähigkeit, wie das Frau Furrer erhofft. Das Evangelium ist nicht eine Geschichte, die mit mir nichts zu tun hat – wie im Interview suggeriert wird.

Ich vergleiche die Katechese auch mit einem Samenkorn, das gebildet wird und dann im Laufe des Lebens gute Früchte bringt (nicht Unkraut) oder etwas pragmatischer mit einem Werkzeugkasten eines Handwerkers, der damit seine Werke schafft, den Überblick behält und im richtigen Moment auch reparieren kann oder etwas moderner, mit einem Betriebssystem eines Computers, auf welchem dann die fürs Leben nützlichen Programme und Apps aufgesetzt werden, nicht Schund und Schmutz.

Mit der Katechese beginnt bei den meisten Kindern der Glaube – und da habe ich nach der Lektüre dieses Artikels schon meine Bedenken, ob das mit Kompetenzen, dem neuen Lehrplan, dem „heil zu werden“ gelingt. Gott sei ein Tätigkeitswort und kein Hauptwort, meint Frau Furrer. Wohin führt das? Das ist erstens nicht wahr und zweitens sehr verwirrend für Kinder – für die Zukunft unserer Kirche ist diese Art des Religionsunterrichts kaum eine tragfähige Basis.

Robert Droux  

 

 

pfarrblatt Nr 35/36

Als eifriger und interessierter pfarrblatt-Leser, obwohl ich in Zürich wohne, sind mir in der neusten Ausgabe zweimal zwei Sätze sauer aufgestossen, was gelinde gesagt ist. Zum einen im Leserbrief S. 34 «Der Bedeutungsverlust …». Obwohl ich weiss, dass die Redaktion für Leserbriefe nicht verantwortlich zeichnet, bin ich der Meinung solchen Unsinn darf man auch unter dem Vorwand der Ausgeglichenheit der Meinungen nicht publizieren: «1968 begann die 68er-Revolution mit der Zerstörung vieler Werte. Die Liebe wurde mit der Lust vertauscht, damit begann die Zerstörung der Familien.» Die beiden anderen Sätze finden sich im Blog des Redaktors Andreas Krummenacher S. 36: «Die effektiven Opferzahlen dürften höher liegen. Angesichts der Sexualverbrecher seines obersten Personals könnte Papst Franziskus ja auf die Idee kommen, dass die Strukturen der römisch-katholischen Kirche zu hierarchisch sind, dass die extreme Fixierung auf ein mythisch aufgeladenes Priestertum mit ein Grund für diese Verbrechen sind.» Ich gebe zu, ich musste diese beiden letzten Sätze mehrere Male lesen und habe nicht nur einmal leer ‘geschlucht’. Was zum Teufel sind «effektive Opferzahlen»? und worauf bergründet der Redaktor seine Behauptung: «Sexualverbrecher seines (gemeint ist von Papst Franziskus!) obersten Personals»? Nur schon in dieser schlimmen Geschichte für unsere Kirche von «Opferzahlen» zu reden finde ich schlicht weg inakzeptabel. Papst Franziskus spricht in seinen Briefen immer auf eine Weise von «Opfern», dass sein Seelschmerz gerade zu greifbar wird. Und dann diese unsinnige Aussage: «Zu hierarchische Strukturen …» und «extreme Fixierung auf ein mythisch aufgeladenes Priestertum …» sollen Sexualverbrechen erklären? Mit Verlaub in was für einer Kirche sind Sie als Pfarrblatt-Redaktor gross geworden um ein solch unsägliches Pauschalurteil in die Welt zu setzen? Ich muss gestehen, diese Äusserungen im Pfarrblatt direkt neben dem Nachruf für meinen Priesterfreund Franz Rosenberg zu lesen, finde ich absolut pietätslos! Über vierzig Jahre hat Franz als einer der besten Priester in der Kirche Bern segensreich gewirkt; davor noch fünf Jahre in Tansania und als Vikar in Basel. Wäre er schon im Grab, er hätte sich mit Sicherheit mehrere Male umgedreht: «extreme Fixierung auf ein mythisch aufgeladenes Priestertum …!?!» Papst Franziskus hat es nicht nötig gegen solchen Unsinn verteidigt zu werden. Nur ein Zitat aus seiner letzten Begegnung im Flugzeug mit den Journalisten: «Ich möchte, dass eure professionelle Reife diese Arbeit macht: Lest aufmerksam den Bericht und bildet euch euer Urteil; ihr werdet sehen; es ist eine Frage des Vertrauens.» Nun zu den beiden eingangs erwähnten Sätzen. Ich darf vorausschicken, dass ich ein bekennender 68er bin, und das mit Stolz und Genugtuung. Gerade in diesen Tagen habe ich mich intensiv mit der Erinnerungsarbeit zu 1968 befasst. Alle jene, die diese Tage nicht erlebt haben, haben kaum eine Ahnung, was damals wirklich geschehen ist. Es war das Jahr von Medellin! Gustavo Gutierrez, der Vater der Befreiungstheologie hat zum ersten Mal von «Befreiungstheologie» in einem ökumenischen Seminar in Genf gesprochen. Die Nachricht von der Zerschlagung des Prager Frühlings habe ich mit einem Mitbruder auf den Strassen Kalabriens gehört. Wir waren auf der Rückreise von Sizilien, wo wir den Erdbebenopfern im Val Belice helfen wollten. Das sind nur einige Streiflichter. Und jetzt kommt irgend so ein frommer Mann aus Lauterbrunnen und spricht von: «Zerstörung vieler Werte» und «Zerstörung der Familien». Mit Verlaub, darf ich fragen, wie viele Ehen sind im Lauterbrunnental in all diesen Jahren in die Brüche gegangen? und hatte auch nur eines dieser menschlichen Dramen etwas mit 1968 zu tun? In meiner Familie und auch in meinem Freundeskreis wurden in diesen Jahren mehrere Ehen geschlossen, und die haben fünfzig und mehr Jahre gehalten. Was die «prophetischen Sicht der Enzyklika «Humanae Vitae»… und Papst Paul VI.» betrifft, verweise ich auf meinen Brief an Bischof Vitus Huonder. Und wen schon vom «Aushöhlen dieses Lehrschreibens» geredet wird, nur eine wichtige Beobachtung, die Hans Küng bereits 1980 gemacht hat: «Nur zweimal wird in dieser Enzyklika auf das Evangelium verwiesen, auf die Bibel als Ganzes sogar nur 16 mal. Dagegen ist 40 mal! von ‘päpstlichen Verlautbarun-gen’ und über 20 vom ‘Lehramt der Kirche’ die Rede, und dazu 20 mal vom ‘Gesetz’ und ‘dessen Bewahrung durch die Kirche’. Dass es im 21. Jahrhundert weder mit ‘Gesetz’ noch mit ‘dessen Bewahrung durch die Kirche’ eine vernünftige Ehe- und Familienpasto-ral geben kann, hat nicht nur die letzte Bischofssynode gezeigt, sondern vor allem die grossartige apostolische Exhortatio «Amoris Latitiae» von Papst Franziskus. Ich kann mich nicht erinnern, dass mir in meiner über 50jährigen Tätigkeit in der Familienpastoral, eine junge Mutter von drei erwachsenen Kindern und selber berufstätig gesagt hat: «Viktor, dieses Dokument ist so inspirierend etwa für die Erziehung und die Katechese, ich habe es immer auf meinem Nachttisch!»

Viktor Hofstetter Dominikaner 8032 Zürich

 

 

«pfarrblatt» online, Missbrauchsskandal

Einverstanden, lieber Redaktor: Handeln ist nötig, jetzt. Ich ergänze: fortwährend. Im Zusammenhang der Handlungsfelder bloss den Papst anzusprechen, kann ich nicht befürworten, aus drei Gründen:
a) Ein einzelner Mensch schafft es nicht, gegen alles Mangelhafte in einer Kirche von 1,3 Milliarden Gliedern und über 400 Tausend Priestern das Notwendige zu verantworten, sei es im Bereich der Hierarchie, des Priesterbildes, der Sexualität oder der Rolle der Frauen.
b) Den Papst als Garanten für alles anzustrebende Gute in unserer Kirche zu bestätigen, begründet genau die steile Hierarchie, die Sie als Kolumnist zu Recht in Frage stellen.
c) Schreibende wie Leserinnen und Leser sind gefirmt. Die Firmung erklärt uns zu selbstständigen "kirchlichen Inhaberinnen und Inhabern", beauftragt uns zu mitverantwortlichen Kirchengliedern.
Sämtliche Gläubigen haben die Aufgabe, mit der Hierarchie anders als unterwürfig umzugehen. Franziskus fordert uns als Volk Gottes in einem Brief vom 20. August 2018 auf, aktiv gegen eine "anomale Verständnisweise von Autorität in der Kirche", gegen den Klerikalismus einzutreten. Wir alle sind eindringlich ermutigt, ein sinnvolleres Priesterbild als das des überhöhten "gottgeweihten Mannes ohne sexuelle Bedürfnisse" zu entwerfen, über geschlechtliche Formen und Haltungen offener zu reden und dabei die Ehelosigkeit versprechenden Frauen und Männer nicht draussen zu lassen, Frauen als für das Priesteramt genauso Berufene einzuschliessen.
Ein Kernpunkt sexuellen Missbrauchs sei etwas konkreter betrachtet: Der oder die (potentielle) zölibatäre Straftäter/in hat ein ungestilltes Bedürfnis - welchen Ursprungs dieses auch immer ist: Der (weitere) Opfer verhindernde Umgang mit diesem Bedürfnis kann nur am Lebensort der Betreffenden bewältigt werden. Das braucht ein aufmerksames und beherztes Beziehungsumfeld: präventiv vor einer möglichen Tat, nach einer vollzogenen Tat, auch nach der Anzeige und nach der Bestrafung. Dies ist anforderungsreich - und beansprucht Viele, Verantwortliche wie Nahestehende, Fachleute wie Private.

Toni Häfliger, Ostermundigen

 

 

«pfarrblatt» online, Missbrauchsskandal

Doppelmoral – Was ist zu tun? Die in unfassbarem Ausmass aufgedeckten abscheulichen Kindsmissbrauchs- fälle lassen sich von den höchsten kirchlichen Würdenträgern nicht mehr ver- tuschen, verharmlosen oder totschweigen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Missbräuche nun verschwunden sind, da sich die neurotisierenden Strukturen nicht wirklich verändert haben. Es gilt somit, die Täter schonungslos anzuzeigen und durch die staatlichen Justizbehörden zu verurteilen. – Es ist beschämend, mit welcher Doppelmoral, ausgehend von einem negativen Menschenbild, die Amtskirche seit Jahren eine Sexualmoral und Ethik predigt, die weitgehend jeglichem gesundem Menschenverstand widersprechen. Naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Medizin und Psychologie, verantwortungsvolle Elternschaft sowie eine weltweit humane, nachhaltige Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik sind ihr egal. Für die unbarmherzige, undifferenzierte Haltung u.a. in Fragen von Scheidung, Wiederverheiratung, Geburtenkontrolle, Homosexualität, Sterbehilfe und Abtreibung gibt es zahlreiche Beispiele. Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche den Betroffenen helfen, werden bestraft. – Was ist zu tun? Es reicht nicht, die Kinderschänder zu disziplinieren. Das System muss grundlegend reformiert werden. Der klerikal-zölibatäre Stand zieht offenbar überdurchschnittlich viele Männer an, die mit ihrer Sexualität nicht zurechtkommen. Eine der wichtigsten Massnahmen besteht in der Abschaffung des unbiblischen Pflichtzölibats, welches prinzipiell der menschlichen Natur widerspricht. Das würde die Amtsträger auf den Boden der familiären Wirklichkeit bringen. Unter Einbezug von Gremien, welche unsere Gesellschaft repräsentieren, sind zügig auf gleicher Augenhöhe viele weitere Massnahmen zu treffen (siehe oben). Nicht autoritäre Macht über Leib und Seele, nicht Angst um die Stabilität des weitgehend mittelalterlichen theologischen Theoriegebäudes müssen Triebfedern amtskirchlichen Handelns sein. Empathie und praktikable Hilfe für sinnsuchende, denkende, aufgeklärte Menschen sind gefragt.

Fritz Scheibler, Schliern

 

 

«pfarrblatt» Nr. 33-34: Der Bedeutungsverlust

1968 begann die 68er-Revolution mit der Zerstörung vieler Werte. Die Liebe wurde mit der Lust vertauscht, damit begann die Zerstörung der Familien. In dieser Zeit wurde die Antibaby-Pille entdeckt und man meinte, das sei das Ei des Kolumbus, mit dem wir die geschlechtliche Lust ohne Verzicht und Verantwortung – wann, wo und mit wem – geniessen könnten. Wir nannten es Liebe aber es war Egoismus. Einzig Papst Paul VI. hat in prophetischer Sicht mit der Enzyklika «Humanae Vitae» Gegensteuer gegeben. Einigen von unseren und einer kleinen Mehrheit der deutschen Bischöfe fehlte der Mut, diese Enzyklika zu verteidigen, sie haben sie so stark relativiert, bis nicht mehr viel davon übrig blieb. Mit dem Aushöhlen dieses Lehrschreibens ernteten die Bischöfe in den Medien sehr viel Lob, aber die Kirche Europas erlitt einen riesigen Schaden. Um dem geforderten Verzicht und Opfer zu entgehen und dem daraus folgenden Gewissenskonflikt trotzdem zu entfliehen, war es am einfachsten, den Papst und mit ihm die Amtskirche, als veraltet und nicht mehr zeitgemäss darzustellen. Die Ablehnung dieser Lehre führte zu einer Auflösung der Sitten und damit zu einer Ausbreitung der AIDS-Krankheit. Wehe allerdings jenen, die zu sagen wagten, dass die Krankheit die Folge dieses ungezügelten Lebens sei. Ihnen wurde Lieblosigkeit vorgeworfen, denn viele Träger dieser Krankheit seien nicht schuldig. Dem ist so, aber desto grösser ist die Schuld der Gesellschaft, die dieses Treiben nicht nur duldet, sondern noch fördert. Wenn unser Bundesamt für Gesundheit nichts Gescheiteres weiss, als immer nur für Kondom und ausserehelichen Geschlechtsverkehr Reklame zu machen und unsere Regierung dabei zuschaut, tragen sie eine grosse Mitschuld an diesen leidigen Zuständen. Heute sehen wir, dass mit der Ablehnung dieser Morallehre 50 % der Ehen scheitern und unser Volk weniger Kinder hat, als es braucht, um langfristig zu überleben. Das viele Leid, das durch diese gescheiterten Ehen entsteht, wird verschwiegen. Auch die sozialen Kosten, die durch die alleinerziehenden Mütter oder Väter entstehen, nimmt man – nur damit wir nicht umkehren müssen – stillschweigend in Kauf.

Beat Bossard, Lauterbrunnen

 

 

«pfarrblatt» Nr. 33-34: katholisch kompakt

Ich finde es gut, dass in im Pfarrblatt Nr. 33/34 auf der letzten Seite unter der Rubrik «katholisch kompakt» zum Thema Sünde die «Moralkeule» in der kirchlichen Verkündigung kritisiert wird und Sünde neu gesehen und als «Abweichung von…Liebe» verstanden wird. Aber leider wird dann ein antijüdisches Cliché verwendet: «Im Neuen Testament findet mit Jesus eine Verschiebung statt: weg von der Gesetzesreligion des Alten Testamentes hin zum menschlichem Abwägen - und Vergeben.»

Das Cliché von der «Gesetzesreligion des Alten Testamentes» ist falsch und gefährlich, denn  

1. Der Ausdruck «Altes Testament» kann missverständlich sein, weil er den Eindruck erweckt, das AT werde durch das Neue Testament abgelöst, wie das im Artikel in Verbindung mit dem Cliché «Gesetzesreligion» geschieht. Die Bezeichnung Erstes Testament macht besser deutlich, dass es um die Grundlage des Neuen Testamentes, oder entsprechend des Zweiten Testaments geht. Das Erste Testament war für Jesus, wie für alle Juden die Tora, die oft missverständlich mit «Gesetz» übersetzt wurde und wird. Sie ist für das Judentum «Weisung zum Leben», wie Martin Buber übersetzt. Jesus war ja Jude und bezog sich immer wieder auf die Tora, auf die «Weisung zum Leben» und aktualisierte sie wie viel Rabbiner zu seiner Zeit.

2. Im Zentrum der Tora steht Dtn 6,5: «Höre Israel….du sollst deinen Gott lieben mit ganzem Herzen…», ein Vers, der von Juden und Jüdinnen bis heute täglich gebetet wird, als wichtigste Weisung zum Leben. Auch das «Gebot» der Nächstenliebe steht im Ersten Testament. Sich an die Weisungen zum Leben, an die «Gebote» zu halten, die in der Tora formuliert sind, ist Ausdruck der Erinnerung an die befreiende Liebe Gottes, wie sie sich in der Befreiung des Volkes Israel aus der Versklavung in Ägypten gezeigt hat. Das wird z.B. in der Begründung der Nächstenliebe in der Tora sichtbar: «Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen.» (Lev 19,34).

3. Die Abwertung der Tora war leider immer wieder ein Nährboden für den Antisemitismus und darum ist auf christlicher Seite ein Umdenken und ein Vermeiden von antisemitischen Clichés gefordert. Auch für den interreligiösen Dialog ist es zentral, die Weisung der Tora nicht als Negativfolie für das Christentum zu nennen, sondern vielmehr davon auszugehen, dass der Jude Jesus das Herzstück der Tora, die Gottes- und Nächstenliebe, ins Zentrum stellte.

Karl Graf

 

 

«pfarrblatt» Nr. 29-30: Pfarreiteil Utzensdorf

 

Ich habe mich über die ersten Zeilen des Textes «Besinnliches» von Anne Keuser herrlich amüsiert. Da heisst es: «Lange haben wir uns auf die Ferien gewartet. / Nun machen wir auf den Weg.» Der Druckfehler hat sicher nicht nur bei mir Heiterkeit ausgelöst. Nichts für ungut!

Gertrudis Bumm-Schneider, Hinterkappelen

 

 

«pfarrblatt» Nr. 29-30: Sommerserie in Lommiswil

 

Merci für den «Geist, der in die Weite weht» – als Solothurner kannte ich die Kirche Lommiswil nicht und weiss nun, wohin mein nächster Ausflug führt. Leider hat mich der Folgeartikel einigermassen gestört. Er atmet den Geist der Gegenüberstellung von Erstem Testament zum Neuen. Da wird munter entmythologisiert, und Er ist da fett gedruckt – was, wenn schon, an die ehemalige Einheitsübersetzung mit der Wiedergabe des Tetragramms erinnert. Warum nicht diesen Sommer einmal in luftiger Höhe geheimnisvolle Gottesnähe spüren. Sollte das entmythologisiert, verchristlicht werden müssen?

Thomas Markus Meier, via Facebook

 

 

«pfarrblatt» Nr. 27-28: Sommerserie in Le Landeron

 

Zur Sommerserie mit der historischen Kirche von Le Landeron habe ich etwas Gegenteiliges erlebt. Kürzlich war ich mit einer Wandergruppe in Oschwand auf dem Amiet-Hesse- Weg mit Start in Riedtwil. Auf dem Weg glaubte ich einen Kirchturm zu sehen, aber Oschwand hat gar keine Kirche. Der Turm, der einem Kirchturm ähnlich aussieht, steht auf dem Schulhaus, wo übrigens seit 2012 keine Schule mehr geführt wird. Besten Dank für das stets aktuelle Pfarrblatt mit dem vielseitigen Inhalt.

Otto Kellenberger, Bolligen

 

 

«pfarrblatt» 29-30/2018, Gastkommentar zu Sintflut – was soll das? (André Flury) und In die Wüste geschickt (Manfred Ruch)

Wie ist das zu verstehen?

Gleich zwei Artikel im «pfarrblatt» (nr.29-30/2018) münden in die Frage nach dem Verstehen dessen, was einerseits im theologischen Beitrag zur Sintflut bibelkritisch erläutert und anderseits über den Papstbesuch in Genf aus der Sicht von teilnehmenden Kirchenleuten berichtet wird. Von kirchlichen Verlautbarungen und Mitteilungen ist man sich doch eher abschliessender Urteile als offener Fragen gewohnt: So ist es – zu glauben und für wahr zu halten bzw. stillschweigend hinzunehmen. Punktum!

Dass biblische Erzählungen, wie jene von der Sintflut (Gen. 6-9), nicht Tatsachenberichte über historische Ereignisse sind, sondern Aussagen über menschliche Gottesvorstellungen und deren Wandel im Laufe der Zeit, gehört(e) eigentlich zum biblischen Allgemeinwissen. Im vorliegenden Beitrag bringt André Flury die Sintflut in Verbindung mit älteren orientalischen Fluterzählungen, bei denen die biblische Version von der Arche Noah nachweisbar Anleihen macht. Der Autor scheut nicht, auf Widersprüchlichkeiten hinzuweisen. So in der Argumentation des Schöpfers zwischen dem über die Schöpfung verhängten Verdikt der Sintflut und der beim Friedenschluss erteilten göttlichen Zusage künftigen Gewaltverzichts. Wie ist das zu verstehen? Diese Frage darf, ja muss sich eine an der biblischen Botschaft interessierte Leserschaft stellen. Die aufklärende Rubrik www.glaubenssache-online.ch regt dazu an und lädt ein, die aufgeworfenen Fragen weiter zu verfolgen, Wissen zu vertiefen, fraglos überkommene Vorstellungen zu revidieren und so Rätselhaftes aufzuschlüsseln.

Andersgeartet die implizite Frage in der Schlussbemerkung des von Manfred Ruch in journalistisch pointierter Absicht gehaltenen Berichts über seine ernüchternde Erfahrung als Teilnehmer und Repräsentant kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Papstmesse in Genf. Pastoralassistent*innen und Gemeindeleitende waren, angeblich aus organisatorischen Gründen, vom engeren Kreis der Bischöfe, Priester und Diakone ausgeschlossen. Dass der engagierte und aus innerer Überzeugung seiner Berufung als Seelsorger verpflichtete Gemeindeleiter sich und seine Berufskolleginnen und –kollegen an der Papst-Messe als „in die Wüste geschickt“ vorkamen, kann man nachempfinden und bedauern. Selbst als vom Grossanlass nicht direkt Betroffener mag man dem Schlusssatz des Berichterstatters voll und ganz zustimmen: „Aber verstehen kann ich es wohl nie.“ – Ich selber gebe dieser meiner mit-geteilten Enttäuschung hiermit solidarisch Ausdruck.

Peter Füglister, Münchenbuchsee

PS: Das den Bericht illustrierende Gruppenbild der Theolog*innen an der Papstmesse in Genf zeigt u.a. Manfred Ruch und André Flury. Die halb verdeckte Aufschrift auf dem Schild in ihren Händen lese ich als - (WE‘)RE HERE! – WIR SIND DA! –. Diese wachsame Präsenz nehmen wir gerne zur Kenntnis und quittieren die Anwesenheitsmeldung nachträglich mit einem THANK-YOU!

«Der Bund», 11. Juni: «Was machen die Berner?» Beitrag über Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK)

Diskriminierend und unwissend
Im Beitrag von Dölf Barben im Bund über die Wahl des SEK-Präsidenten sagt Synodalratspräsident Andreas Zeller, dass ein Bischof für die Reformierten nicht infrage komme, weil sich diese gewohnt seien, selber zu denken. Mit dieser Aussage diskriminiert Zeller einen grossen Teil der katholischen Gläubigen, denen selber Denken durchaus nicht fremd ist. Er diskriminiert aber auch einen Teil der römisch-katholischen Bischöfe, die stark auf mitdenkende Gläubige setzen. Und er zeigt sich auch unwissend: Wer je einmal Einblick zum Beispiel in die Lutherische Kirche hatte, der oder die weiss, dass deren Bischöfinnen und Bischöfe selber Denken nicht verhindern, sondern auf beispielhafte Art und Weise eine mitdenkende Volkskirche garantieren.

Hermann Battaglia, Spiez

«pfarrblatt» Nr. 23-24: Gespräch mit Antonio Perissinotto und «Kommentar: Herz statt Prinzip», von Jürg Meienberg

Wiederholt kritisiert Antonio Perissinotto im Pfarrblatt gewisse Erneuerungen der neuen Kirchenverfassung. So löblich sein kämpferisches Engagement für seine Mission auch sein mag, verkennt er jedoch gewisse rechtliche und faktische Realitäten. Rechtlich ist jedes Missionsmitglied auch einer Kirchgemeinde zugeteilt. Reservierte Sitze für die Missionen würden also dazu führen, dass Missionsmitglieder sowohl in der Mission als auch in ihrer Kirchgemeinde wählen könnten. Dies ist gemäß Bundesgericht inakzeptabel, da es gegen das Prinzip «one man one vote» verstößt. Unabhängige nicht-territoriale Kirchgemeinden lässt wiederum das kantonale Recht (leider) nicht zu.

Faktisch sind Synodale nicht gerade im Überfluss vorhanden. Die Hürde - auch ohne Dauerpräsenz in derselben - über die Kirchgemeinde gewählt zu werden, ist schaffbar. Schon heute beschränkt sich die Anzahl Anderssprachige in der Synode nicht auf die Missionsvertreter. Weiter ist die geplante Kommission ein wesentlich schlagkräftigeres Instrument als vier vereinzelte Missionsvertreter. Die Kommission genießt alle parlamentarischen Rechte und vertritt alle Anderssprachigen, nicht nur die Missionen. Sie kann sich daher mit einer gewissen Autorität im Namen aller Anderssprachigen zu allen Themen äußern. Dies zusätzlich zu den regulär gewählten anderssprachigen Parlamentariern.

In diesem Sinne sei auch dem Kommentar von Jürg Meienberg widersprochen. Es ist nicht sinnvoll Herz und Recht gegeneinander auszuspielen, gehören sie doch zusammen. Herz und Recht ist aber nur dort möglich, wo Recht mit Herz umgesetzt wird - nicht wo das Recht mit Berufung auf das Herz abgeschafft wird. Herz ohne das Recht als Grundlage ist letztendlich Willkür und Chaos. Herrn Perissinottos Änderungswünsche würden zu einer Kirchenverfassung führen, welche ganz klar – übergeordnetes und zwingendes – kantonales und nationales Recht verletzt. Dies kann nicht im Sinne der Synode und der Landeskirche sein.

Max Ammann via Online-Formular

«pfarrblatt» Nr. 15-16: «Den Islam zugänglich machen»

Der Artikel muss kritisiert werden. Der Autor verbirgt sich hinter dem Kürzel «sch» und wirft Leuten, denen bestimmte Aspekte einer Islamisierung des Westens Angst machen, vor, über «mangelndes Wissen» zu verfügen und ein «toxisches Gemisch von diffusen Vorurteilen» zu schüren. Er bezeichnet sie als «gefährliche braune Suppe» und apostrophiert sie als «rechte Demagogen». Eine differenziertere, vorsichtigere Wortwahl wäre angesichts der komplexen und wichtigen Thematik angezeigt. Die schludrige Sprache des Autors ist Ausdruck davon, wie er in naiver Weise die echten Herausforderungen verkennt, denen sich Europa stellen muss. Probleme können nur gelöst werden, wenn kluge, weitsichtige Menschen in gegenseitig respektvoller Art zusammensitzen und nach Lösungen suchen – statt von vorneherein den Diskussionsgegner in überheblicher Weise und mit diffamierender Wortwahl zu verunglimpfen.

Gerhard Fischer, Thun

«pfarrblatt» Nr. 17-18: «Scham und Gewalt»

Gerne danke ich dem Pfarrblatt, dass es das Thema der Häuslichen Gewalt in der letzten Nummer wieder aufgenommen hat. Als Präsident der Fachstelle Gewalt Bern will ich ergänzen, dass es ergänzend zum Lernprogramm weitere Angebote gibt. Die Fachstelle Gewalt Bern betreut im Auftrag des Kantons das sogenannte Dunkelfeld, das heisst jene Täterinnen und Täter, die noch keinen Kontakt zu einer Behörde gehabt haben und sich selbst melden. Das niederschwellige Angebott der Fachstelle Gewalt Bern ermöglicht es betroffenen Menschen, sich trotz grosser Scham Hilfe zu holen und das gewalttätige Verhalten zu ändern. Die Landeskirchen hatten vor 15 Jahren die Pionierarbeit von betroffenen Männern zusammen mit anderen Fachstellen und Organisationen unterstützt und StoppMännerGewalt gegründet. Die letzten Jahre haben die Landeskirchen zusammen mit dem Kanton einen Leistungsvertrag finanziert und so eine Basis für die Arbeit des Fachstelle Gewalt Bern, ehemals StoppMännerGewalt, gelegt. Es wird aufgrund wissenschaftlicher Studien davon ausgegangen, dass sich nur etwa 10 % der betroffenen Menschen Hilfe holt. Gott sei Dank gibt es die verschiedenen Fachstellen im Kanton Bern, die Betroffenen bei Häuslicher Gewalt zu Seite stehen. Doch es müsste noch viel mehr getan werden. Die Sparprogramme des Kantons zeigen allerdings, dass der politische Wille dazu fehlt. Wir engagieren uns trotzdem und danken den Landeskirchen, den vielen Menschen und Institutionen, die diese wertvolle Arbeit unterstützen.

Peter Sladkovic-Büchel, Präsident Fachstelle Gewalt Bern 

«pfarrblatt» Nr. 11-12, Reaktion auf den Leserbrief von Arnold Eichmann

Beim Durchblättern der «pfarrblatt»-Nummer 11–12 stosse ich mit Schrecken in einem Leserbrief auf den hervorgehobenen Satz: «Unter Jesus genossen die Frauen eine besondere Hochschätzung, was in radikalem Gegensatz zur damals jüdischen Praxis stand.» Der Satz ist falsch, und wir arbeiten nun seit den 1980er Jahren daran, dieses Gegenüber von Jesus als Frauenbefreier, dem hellen Christentum auf dunkler patriarchaler jüdischer Hintergrundfolie, aus der Welt zu schaffen (Bücher von Bernadette Brooten, Elisabeth Schüssler Fiorenza). Es gab im antiken Judentum um die Zeitenwende nicht «die» jüdische Praxis, sondern eine Vielfalt von verschiedenen Positionen und Praxis zur Frauenfrage wie auch anderen Themen. Und dasselbe gilt auch für die antike «heidnische» Welt, und auch die frühen christlichen Gemeinden waren sich da durchaus nicht einig.

Silvia Schroer, via Email

«pfarrblatt» Nr. 09-10

Nach der Lektüre des neusten "pfarrblatt" stelle ich einmal mehr erfreut fest: "Time well spent". Ich bin der Meinung, dass das "pfarrblatt" eine wichtige Stimme innerhalb der katholischen Kirche - aber auch weit darüber hinaus - ist. Dass eure Stimme nach wie vor sehr wichtig ist zeigen die Aeusserungen des Ex-Weihbischofs von Salzburg zur Segnung homosexueller Paare. Zum Glück hat Marx, nicht Karl, gut reagiert. Ganz toll finde ich, dass auf der Front ein Zitat aus den Osnabrücker Thesen publiziert ist. Zusätzlich zu den redaktionellen Beiträgen habe ich auch Josef Lang ausserordentlich gut gefunden.

Hermann Battaglia, Spiez

«pfarrblatt» Nr. 09-10, Frauen und Amt

Für die Zulassung der Frauen zum Priestertum:Was gibt es da noch herumzudiskutieren? Römer 2,11: Vor Gott sind wir alle gleich. Denn bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch (o katholische Kirche), wer du auch seist. Denn worin du den andern richtest, verübst ja dasselbe. Priestermangel: Welche Schande und Misswirtschaft!!! Papst Franziskus, tu endlich etwas Tapferes!!!

Paul Buob, Worb

«pfarrblatt» Nr. 09-10, Frauen und Amt

Danke Jo Lang für seinen ausgezeichneten Artikel. Ja, das Thema Frauen in den christlichen Kirchen ist ein 2000 Jahre altes Trauerspiel. In einer kürzlich ausgestrahlten Sendung Sternstunde Religion wurde die junge katholische Theologin Jacqueline Straub porträtiert, welche überzeugt ist, von Gott zur Priesterin berufen zu sein. Sie blitzt natürlich bei allen kirchlichen Instanzen ab. Und ein Bischof bringt es ihr gegenüber auf den Punkt: Der Priester repräsentiert Christus, der ein Mann sei, deshalb kann eine Frau in der katholischen Kirche niemals Priesterin werden. Ist das wirklich in Stein gemeisselt? Und gibt es dafür Belege im Neuen Testament?

Heute sind sich fortschrittliche Theologen einig, dass Jesus weder eine Kirche gegründet, noch Priester und Bischöfe geweiht hat. Er hat Jünger um sich geschart, untern denen sich etliche Frauen befunden haben, darunter die hervorragendste, Maria aus Magdala, genannt Maria Magdalena, welche kürzlich sogar vom Papst zur Apostolin erhoben wurde. Unter Jesus genossen die Frauen eine besondere Hochschätzung, was in radikalem Gegensatz zur damals jüdischen Praxis stand. Und aus den Evangelien geht eindeutig hervor, dass die Zusammenkünfte der Gläubigen nach dem Tod Jesu in Privathäusern stattfanden und hauptsächlich von Frauen geleitet wurden, auch in paulinischen Gemeinden.

Frauen nahmen also – nach heutiger Sprachregelung – priesterliche Funktionen wahr. Verhängnisvoll für das weitere Schicksal der Frauen im Christentum waren einige Sätze aus den Paulusbriefen: 1 Tim 2,12: "Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, (...) sondern sie sei still." 1 Kor 14,33-34: "Wie in allen Gemeinden der Heiligen sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt." Es gäbe noch weitere Stellen in den Paulusbriefen. Um den Beitrag nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen, verweise ich auf die entsprechenden Bibelstellen; 1. Kor 11,9; 1. Kor 14,35; 1. Kor 11,3; 1. Tim 2,11-12; 1. Kor. 11,8; 1. Tim 2,14. Verhängnisvoll ausgewirkt hat sich auch die Fehlinterpretation der Sündenfallgeschichte im Alten Testament selbst, - bei Jesus Sirach, 25,24: «Von einer Frau nahm die Sünde ihren Anfang, ihretwegen müssen wir alle sterben.»

Jesus Sirach ist zwar ein Buch, welches nur in der griechischen Übersetzung (Septuaginta) enthalten ist , nicht in der jüdischen hebräischen Bibel. Diese Bibelsätze verstärkten natürlich die patriarchale Weltsicht der Griechen und Römer und fanden so Eingang in die christliche, hellenistisch gefärbte Theologie. Diese Theologie wurde dann im Verlaufe des Mittelters zu einer auf philosophischer Begrifflichkeit aufgebauten Wissenschaft, was Argumente wie jene des oben genannten Bischofs ermöglichten.

Man kann es nun drehen und wenden wie man will, gemäss dem ersten Schöpfungsbericht sind Mann und Frau gemeinsam erschaffen worden («als Mann und Frau erschuf er sie» Gen 1,27) und nur gemeinsam bilden sie Abbild Gottes. Biblisch gesehen ist die Frau dem Manne gleichgestellt. So gesehen ist bereits die jüdische patriarchale Tradition biblisch nicht zu rechtfertigen, ebenso wenig die spätere christliche. Und das Argument des Bischofs ist schlicht und einfach Makulatur.

Arnold Eichmann, Münchenbuchsee

«pfarrblatt» Nr. 09-10, Frauen und Amt

 

Lieber Herr Josef Lang

Ganz herzlichen Dank für Ihren aufrüttelnden Artikel zu Gertrud Heinzelmann im Pfarrblatt (9-10, 2018) und Danke dem Pfarrblatt für den Mut, ihn zu publizieren! Eine unglaubliche Geschichte! Vor allem deshalb, weil wir heute, 56 Jahre später, kaum weiter sind in Sachen Gleichstellung der Katholikinnen.

Wie viele wunderbare Theologinnen durch diese Diskriminierung der katholischen Kirche verloren gingen? Wie viele andere Gläubige ausgetreten sind (oder austreten) aufgrund dieser schreienden Ungerechtigkeit? Wie viele andere Frauen (wie meine Mutter im letzten Herbst) die letzte Ölung des Priesters ablehnen genau aus dem gleichen Grund wie Frau Heinzelmann: Weil die Frauen über Jahrhunderte unterdrückt und als minderwertig und schuldig hingestellt wurden von der Kirche!

Welcher andere Arbeitgeber in der Schweiz könnte es sich erlauben, Frauen per se aus der Bewerberliste zu streichen? - Weshalb hat noch nie jemand der kath. Kirche einen zivilrechtlichen Prozess gemacht für diese Diskriminierung der Frauen? Wann wird die kath. Kirche sich endlich bewegen in dieser Frage? - Hoffentlich nicht erst, wenn es zu spät sein wird!

Mit herzlichem Dank und freundlichen Grüssen

Martin Bischof («Bischof» leider nur im Namen!)

«pfarrblatt» Nr. 5–6, Ausserhalb der Kirche

Die meines Erachtens in Leserbriefen zu Recht kritisierte Aussage von Bischof Felix Gmür zum Frauenpriestertum passt in erschreckender Weise zur Darstellung des Dogmas «Extra ecclesiam nulla salus» – «Ausserhalb der Kirche kein Heil» von «pfarrblatt»-Redaktionsmitarbeiter Sebastian Schafer. Schiebt der Bischof den Ausschluss der Frauen dem Heiligen Geist «in die Schuhe», spricht er den Pfarrerinnen der Schwesterkirchen wie aller anderen Religionen den Beistand des göttlichen Geistes ab. Noch immer hoffe ich, Felix Gmür habe einen Spass oder eine unüberlegte Aussage gemacht. Dann könnte er Papst Franziskus zum Vorbild nehmen, der sich, anders als in der katholischen Hierarchie üblich, wo Unrecht um des Heiles des Ganzen willen meist unter den Tisch gewischt wird, für seine Aussage in Peru zu sexuellen Übergriffen entschuldigt hat. Genau solche «Weisheiten», wie jene zum Frauenpriestertum, veranlassen Menschen zum Auszug aus der allein seligmachenden Kirche. Wäre da nicht die Basis unserer Volkskirche, der es in erster Linie um Mitmenschen und Mitwelt geht, würden der Hierarchie noch viel mehr Menschen den Rücken kehren.

Guido Lauper, Spiez

«pfarrblatt» Nr. 3/4 und 5/6 2018: Heiligkreuz Bern

Der in einem Leserbrief kritisierte Begriff Entwidmung stammt aus dem Dekret des Bischofs von Basel vom 20. September 2017. Darin teilt der Bischof seine Zustimmung zur Veräusserung der Kirche mit, was mit der Entwidmung für den röm.-kath. Kultus verbunden ist. Das heisst: Es finden keine katholischen Gottesdienste mehr in dieser Kirche statt. Sie wird aber weder entweiht noch entheiligt, sondern weiterhin religiös genutzt durch eine andere christliche Kirche. Papst Johannes Paul II. hat die Formulierung geprägt, Europa müsse mit den zwei Lungenflügeln westliches und östliches Christentum atmen. Die örtliche pastorale Leitung und die röm.-kath. Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung haben im Juni 2017 den Bischof über ihre Absicht, das Kirchenzentrum Heiligkreuz der rumänisch-orthodoxen Pfarrei St. Georgen zu verkaufen, orientiert und um seine Zustimmung gebeten. Der Priesterrat als Beratungsorgan des Bischofs hat am 21. Juni ein zustimmendes Votum zu dieser Absicht abgegeben. Danach hat der Bischof das Dekret erlassen.

Christian Furrer, Kirchgemeinde Heiligkreuz Bern/Bremgarten

«pfarrblatt» Nr. 3/4 und 5/6 2018: «Entwidmung» der Kirche Heiligkreuz

In Zusammenhang mit dem Verkauf der Heiligkreuzkirche in Bern war im «pfarrblatt» verschiedentlich die Rede von «Entwidmung». Ich habe Mühe, mir darunter etwas Sinnvolles vorzustellen. Kann man eine Kirchweihe zurücknehmen? Können 50 Jahre Liturgie ungeschehen gemacht werden? Kann die 30-jährige Erfahrung der Kroaten ausgelöscht werden? Wird die Kirche entheiligt, wenn künftig die rumänische-orthodoxe Kirche darin Gottesdienst feiert? Wie verträgt sich das mit der eben gefeierten Gebetswoche für die Einheit der Christen?

Josef Grüter, Zug

«pfarrblatt» Nr. 3/4: «Neubeginn in Bremgarten und in Bethlehem»

Gemäss Artikel nehmen Sonntag für Sonntag 300 bis 500 Gläubige an den Gottesdiensten teil. Das Durchschnittsalter ist weit unter jenem der Besucher sonstiger Gottesdienste in und um Bern, wo es auch schon vorkommt, dass die Teilnehmenden grad mal in zwei Kirchenbänken Platz hätten. Die Heiligkreuzkirche wurde zu einem Spottpreis verkauft. Hätte man nicht ausbedingen können, dass die kroatischen Gottesdienstbesucher bei der rumänisch-orthodoxen Kirche «Gastrecht» bekämen? Tabernakel? Der wäre schon drin gewesen …
Dreifaltigkeits- und Bruderklausenkirche seien dicht belegt, das war wohl mal. Wie steht es um andere Kirchen, die nahegelegene Marienkirche, Ostermundigen usw. Oder platzen auch die aus allen Nähten? «St. Antonius in Bümpliz konnte aus verschiedenen Gründen nicht zusagen …» Bleiben die Pforten der Heiligkreuzkirche künftig tagein tagaus verschlossen, ist man weggesperrt? Sind etwa Gläubige, die am Gottesdienst teilnehmen, gar nicht erwünscht?
Verursacht bloss Aufwand, und die Kirche ist ja in der formidablen Lage, dass das Geld auch ohne Leistung fliesst. Wieso noch den Finger krumm machen? Besser im Dornröschenschlaf verharren, das Kerngeschäft aufgeben, dafür ein bisschen Reisli, Klamauk usw. veranstalten, obschon man auf diesen Gebieten neben professionelleren Organisationen bestenfalls drittklassig sein kann. PID, Abtreibung, Euthanasie etc., hier hört man kaum etwas in der Ortskirche, und wenn, dann auf eine Art, die bloss befremdet. So konnte unlängst eine Theologin sagen, eine Abtreibung sei nicht unbedingt unethisch. Eine andere meinte, wenn aus überflüssigen Kirchen Moscheen entstünden, dann sei dies doch eine gute Sache. Aber gläubigen Katholiken die Kirche wegzunehmen, obschon sie, weit und breit ein Unikum, Full House haben, da hat man keine Skrupel.
«Wir sind Kirche», «Anders, als Sie glauben», mit solchen Slogans wird man wohl kaum mehr Leute ansprechen, Letzterer ist an Peinlichkeit kaum mehr zu übertreffen, oder etwa doch nicht? Ach, vielleicht doch anders, als sie glauben, leider …

Toni Zenklusen, Bern

«pfarrblatt» Nr. 1/2 2018: «Mit Leib und Seele»

«Und dann glauben wir ja, dass der Heilige Geist in der Geschichte wirkt. Bisher beobachten wir, dass der Heilige Geist scheinbar noch keine Frauen berufen hat. Aber muss das immer so weiter gehen? Da braucht es synodale Denk- und Glaubensprozesse, um den Willen des Herrn zu erkennen, gemeinsam, breit abgestützt.» Der Bischof scheint sich in seiner Vorstellung vom Heiligen Geist für ein nicht sonderlich gradliniges Wesen entschieden zu haben: Während 2000 Jahren soll dieser Heilige Geist von Frauen in kirchlichen Weiheämtern abgesehen haben, um jetzt möglicherweise in Betracht zu ziehen, künftig auch Frauen die Hände auflegen zu lassen. Meine Idee: Vielleicht schafft der Heilige Geist im Gegenzug zur Weihe von Frauen die Inanspruchnahme von Männern für die obere kirchliche Hierarchie ab ...

Toni Häfliger, via E-Mail

«pfarrblatt» Nr. 1/2 2018: «Mit Leib und Seele»

Die nächste Bischofssynode findet im Oktober 2018 in Rom statt zum Thema: «Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufsentscheidung». Zur Vorbereitung des Anlasses wünscht Papst Franziskus die Meinung der Jugendlichen und von Verantwortlichen und Engagierten in der katholischen Jugendpastoral aus allen Kontinenten. Alle Jugendlichen, unabhängig von ihrer Konfessionszugehörigkeit, im Alter zwischen 16 und 29 Jahren sind aufgerufen, an der Onlinebefragung des Vatikans teilzunehmen. Papst Franziskus wendet sich mit einem Schreiben an die Jugendlichen der Welt: «Ich will, dass ihr im Zentrum des Interesses steht, da ich Euch im Herzen trage.» Die Umfrage ist anonym und konnte bis zum 30. November 2017 gestartet werden. Im vorerwähnten «Schreiben des Heiligen Vaters an die Jugendlichen zur Vorstellung des Vorbereitungsdokumentes der XV. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode» drückt Papst Franziskus den Wunsch aus, dass viel Jugendlichen sich an der Umfrage beteiligen. Zudem gibt er den Jugendlichen einen Kompass mit, der sie auf dem richtigen Weg zum Ziele führe. Und eindringlich sagt er: «Auf diese Weise wollen wir, meine Mitbrüder im Bischofsamt und ich, auch durch diesen synodalen Weg noch mehr Mitarbeiter der Freude werden. Ich vertraue Euch Maria von Nazareth an, eine Jugendliche wie Ihr, auf die Gott seinen liebevollen Blick gerichtet hat. Er nehme Euch an der Hand und geleite Euch zu einem vollen und grosszügigen ‹Ich bin bereit›».

Gregor Anton Roos, via E-Mail

Interviews und Porträts mit Gemeindeleiterinnen, Nummern 45 und 38

Wenn ich mich richtig entsinne, lautete einer der ersten Aussprüche von Jorge Bergoglio nach dessen Wahl zum Papst unter dem Namen Franziskus: «Betet für mich – ich bin ein sündiger Mensch.» Diese demütige Bitte eines Menschen, der mit anderen Menschen unterwegs sein will, hat mich damals tief beeindruckt; Sie hat meine Seele berührt. Im Hochgebet der Kirche erinnern wir uns während der Eucharistiefeier unser aller Bedürftigkeit. Wurde in vorkonziliärer Zeit im sogenannten Kanon für die «heilige katholische Kirche» und namentlich für «Papst N. und den Bischof N.» gebetet, fand man es richtig und offenbar für ihren Dienst unerlässlich, heute auch «alle Priester und Diakone» zu erwähnen, während alle anderen Amtsträger und Gläubigen mitgemeint sind. Einer meiner besten Freunde wandte sich daher an seinen Bischof mit der Bitte, er möge bei der Bischofskonferenz anregen, dass insbesondere die in der heutigen Zeit des Priestermangels unverzichtbaren Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter in ihrer Funktion ins gemeinsame Gebet eingeschlossen werden. Diesem Wunsch möchte ich an dieser Stelle beipflichten. Offenbar erachtete es der erwähnte Oberhirte nicht für nötig, dem Briefschreiber auch nur den Empfang zu bestätigen. Vielleicht ist es gerade dieser Umstand, welcher die öffentliche Aufwertung der Gemeindeleiterinnen und -leiter im Hochgebet geradezu erfordert. Das wirft nämlich die Frage auf, wer den suchenden, mit sich ringenden, den eigenen Glauben hinterfragenden Menschen näher steht – die Macht ausübende Hierarchie oder die priesterlich wirkenden Frauen und Männer, die sich den Fragenden stellen, mit diesen gemeinsam nach Antworten suchen und darüber hinaus oft noch mit der Einfühlungsgabe des verheirateten Vaters oder der Mutter die Seele erreichen. Kirche lebt meiner Meinung nach nicht auf dem Boden des ex-cathedra-Geistes, sondern erneuert sich über ehrlich Suchende.

Maxdavid Frei, Kehrsatz

«pfarrblatt» Nr. 45: «Ungebrochen»

«Könnte sein, dass diese Aktion dem Papst selbst etwas peinlich ist.» Da bin ich ganz sicher, dass Papst Franziskus diese Unterstützung keinen Augenblick als «etwas Peinliches» erscheint. Als Beweis können alle die Bilder und seine Ansprachen bei den bereits drei Begegnungen mit den sog. Volksbewegungen stehen. Ob er da auf den Präsidenten der «Cartonistas» (Kartonsammler) aus Buenos Aires oder den Staatspräsidenten von Bolivien, Evo Morales als einfacher Teilnehmer zugeht; man kann es an seinem strahlenden Gesicht ablesen: Unter diesen Menschen fühlt sich Franziskus zu Hause; das ist seine Kirche. Peinlich finde ich allerdings, wie man eine Initiative von bereits über 40 000 UnterzeichnerInnen als eine von «liberalen Professoren» bezeichnen kann. Wer die beiden Initianten kennt, weiss wie sehr der Pastoraltheologe Paul M. Zulehner und der Theologe und Philosoph Thomas Halik seit Jahren eine volksverbundene Kirche vertreten. Aber noch peinlicher finde ich, wie der sog. «Protestbrief konservativer Würdenträger» einfach so als eine Gruppe von besorgten Katholiken vorgestellt wird. Kein Journalist hat bis heute kritisch bemerkt, dass einer der erwähnten Unterzeichner der schismatische Ecône-Bischof Felley ist, der sich überall rühmt, die Dokumente des II. Vatikanischen Konzil als häretisch abzulehnen; und der soll uns jetzt über die Rechtgläubigkeit von Papst Franziskus aufklären? Da wäre doch das Zitat der Antwort von Papst Franziskus besser am Platz, als er auf die Frage von sensationshungrigen Journalisten, was er denn auf die Anklage, er vertrete nicht mehr das offizielle Glaubensbekenntnis, antworten würde? Mit einem Lächeln sagte er: «Die sollen doch zu mir kommen; ich kann ihnen das Apostolische Glaubensbekenntnis in mindestens vier Sprachen frei rezitieren!»

Viktor Hofstetter, Dominikaner, Zürich

Leserbrief zu Bericht aus Nr. 44 Beilage «zVisite»: Editorial

Diese «zVisite»-Ausgabe und das Editorial sind mir ein willkommener Anlass, um auf die politische Philosophin Judith N. Shklar hinzuweisen, die zu Recht wiederentdeckt und neu aufgelegt wird. Sie ist eine zwanzig Jahre jüngere Schicksalsgefährtin von Hannah Arendt, Jüdin auch sie, später als Arendt erst bei unmittelbarem Kriegsausbruch aus Lettland geflohen. Ihre politische Philosophie ist durch und durch geprägt davon, wie grausam kollektive Staatsgewalt und Gewalt einzelner Menschen ist. Ihre ganze Ethik beruht darauf, Grausamkeit zu vermeiden – den Menschen die Furcht vor Grausamkeit zu nehmen. Sie nennt ihre politische Philosophie «Liberalismus der Furcht» (als kleines Taschenbuch bei Matthes & Seitz erhältlich). Was auf den ersten Blick wie eine bloss negative Philosophie anmutet, weitet sich aber aus in Postulaten auch nach ökonomisch gerechter Verteilung, die Furcht vor Grausamkeit durch Ausbeutung und Armut ist bei ihr mitbedacht – hier geht sie weiter als Hannah Arendt. Weitere Lektüre-Empfehlung: «Ganz gewöhnliche Laster» (auch bei Matthes & Seitz), wo sich Judith N. Shklar immer wieder auf die grossen französischen Moralisten Montaigne und Montesquieu beruft. Ich danke sehr für die thematische Ausrichtung der diesjährigen «zVisite»-Ausgabe.

Sandro Fischli, Bern

Zum zVisite-Editorial "Facetten menschlicher Gewalt"

Diese zVisite-Ausgabe und das Editorial sind mir ein willkommener Anlass, um auf die politische Philosophin Judith N. Shklar hinzuweisen, die zu Recht wieder entdeckt und neu aufgelegt wird. Sie ist eine zwanzig Jahre jüngere Schicksalsgefährtin von Hannah Arendt, Jüdin auch sie, später als Arendt erst bei unmittelbarem Kriegsausbruch aus Lettland geflohen. Ihre politische Philosophie ist durch und durch geprägt davon, wie grausam kollektive Staatsgewalt und Gewalt einzelner Menschen ist. Ihre ganze Ethik beruht darauf, Grausamkeit zu vermeiden - den Menschen die Furcht vor Grausamkeit zu nehmen. Sie nennt ihre politische Philosophie "Liberalismus der Furcht" (als kleines Taschenbuch bei Matthes & Seitz erhältlich). Was auf den ersten Blick wie eine bloss negative Philosophie anmutet, weitet sich aber aus in Postulaten auch nach ökonomisch gerechter Verteilung, die Furcht vor Grausamkeit durch Ausbeutung und Armut ist bei ihr mitbedacht - hier geht sie weiter als Hannah Arendt. Weitere Lektüre-Empfehlung: "Ganz gewöhnliche Laster" (auch bei Matthes & Seitz), wo sich Judith N. Shklar immer wieder auf die grossen französischen Moralisten Montaigne und Montesquieu beruft. Ich danke sehr für die thematische Ausrichtung der diesjährigen zVisite-Ausgabe.

Sandro Fischli, Viktoriastrasse 47, 3013 Bern

«pfarrblatt» Nr. 39-40: Der Heilige Nikolaus von Flüe – «a man for all seasons»

Pirmin Meiers Hinweis auf «häusliche Gewalt bei Landammännern» finde ich wenig hilfreich. Nur schon der Ausdruck «häusliche Gewalt» ist für das 15. Jahrhundert mehr als fraglich. Am überzeugendsten finde ich dazu die Aussagen des grossen Mittelalterkenners Michael Bangert: «Die Idee einer idyllischen Liebesheirat kannte das 15. Jahrhundert nicht. Nicht zuletzt, weil Dorothea Wyss durch ihr Witwengut wirtschaftlich gut abgesichert ist, muss die feministische wie familientheologische Dramatisierung dieses Ereignisses als ein modernes, näherhin romantisches Konstrukt verstanden werden. Diese tendenziell kleinbürgerliche Interpretamente gehen an der sozialen Realität in Helvetien um 1470 vorbei. Da Niklaus zur Zeit seines Aufbruchs als Pilger bereits 50 Jahre alt ist, bleibt ihm für seine geistliche Wallfahrt nicht mehr viel Zeit» (aufbruch Nr. 228, 2017, S. 7). Mit anderen Worten: Auch Pirmin Meier ist gegen solche Interpretamente nicht gefeit und sucht seine eigenen Ansichten zu vermarkten; dazu gehören für mich auch so schöne Ausdrücke wie «heilige Anorexie» usw.

Viktor Hofstetter, Dominikaner, Zürich

«pfarrblatt» Nr. 37: Zitat Bruder Klaus

Sie zitieren einen den Lesern völlig unbekannten Ausspruch des Klaus von Flüe von 1460, wonach ihm „die liebe Frau und die Gesellschaft der Kinder lästig ward“- Also eine echte Ehekrise zwischen dem alternden Mann (43) und der jungen (28) heiligmässigen Frau; bekanntlich schlief er ja damals nachts oft auf der Kachelofenbank. Wohl auch die lieben Kinder fühlten sich vernachlässigt und auf dem Hof überfordert und rebellierten. So legte er 1464 seine vielen Ämter nieder. Dann hielten sie es zusammen noch drei Jahre aus; dann übernahmen die Ältesten den Hof und liessen ihn auswärts büssen. Sollte man diese Sache nicht ohne Rücksicht auf die Heiligsprechung ganz unvoreingenommen von einem gänzlich neutralen Fachmann ganz neu abklären lassen?

Dr. Bruno Portmann, Zollikofen

Anmerkung: Das vollständige Zitat lautet: «Gott sandte mir eine schwere Versuchung, sodass er mir weder Tag noch Nacht Ruhe liess, sondern das Herz war mir furchtbar schwer, so dass mir selbst die liebe Frau und die Gesellschaft der Kinder lästig ward» (um 1460). Zitiert nach Fritz Blanke: Bruder Klaus von Flüe. Seine innere Geschichte. Zwingli-Verlag, Zwingli-Bücherei 55, Zürich 1948, S. 39. Dieses Buch ist vergriffen. Der Spruch wird auch zitiert in Marie-Louise von Franz: Die Visionen des Niklaus von Flüe. Daimon-Verlag, Einsiedeln 2015.
Andreas Krummenacher

Sinnsprüche - verschiedene Ausgaben

Es ist mir ein Bedürfnis, der Redaktion endlich einmal zu danken für die wunderschönen Worte, die regelmässig die Titelseite unten links und manchmal die Rückseite unten rechts zieren. Diese kreative und zutreffende Auswahl mit grosser Bandbreite, letzthin von Avantgardekunst (Warhol) bis zu asiatischen Haikus (Basho), holt mich immer voll ab. Mein Blick geht regelmässig zuerst an diese zwei Stellen. Ich freu mich auf alles Weitere!

Sandro Fischli, Bern

Jahresserie «Zahl 7» - verschiedene Ausgaben

Liebe Pfarrblattredaktion
Schon lange wollte ich Ihnen gratulieren zur Serie "Die Zahl Sieben" Da passt doch kein besseres Datum als das Heutige: am 7. 7. 2017 (Der Siebte vom Siebten, zweitausend und siebenzehn)
Die Texte sind interessant, lehrreich und bringen manch Unbekanntes ins Wissen. Die Idee, alle Siebenzahl-Symbole mit derselben Personen-Gruppe darzustellen, finde ich ausgezeichnet und gekonnt. Bitte leiten Sie die Komplimente weiter an Herrn Synes Ernst und Frau Pia Neuenschwander.

Und falls eventuell Jemand die Serie kritisieren sollte, so verzeihen Sie ihm doch, wie die Bibel es uns lehrt: "Verzeihe nicht siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal!"

Mit freundlichen Grüssen und besten Ferienwünschen: Martin Altenburger-Millien, Ostermundigen

«pfarrblatt» Nr. 26: «Haus der Religionen.Präsidium bleibt in katholischer Hand»

Sozusagen als Wandlung vom Saulus zum Paulus wird hier Regula Maders «Outing einer einst linken Feministin als Katholikin» dargestellt; wie wenn dies zwangläufig ein Widerspruch in sich sein müsse.
Lebte Jesus Christus heute unter uns, er würde mit Postulaten wie: «Wer zwei Hemden hat, der gebe eines dem, der keines hat», «was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, habt ihr mir getan», «eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich» usw. zweifellos auch als Linker bezeichnet, namentlich von Politikern, welche zwar ein «C» für christlich im Parteinamen führen, sich sozialem Fortschritt aber leider fast durchwegs verweigern.
Frau Mader wird auch in der neuen Funktion ihre linke Gesinnung nicht ablegen, und das ist gut so!

Werner Walter, Münsingen

«pfarrblatt» Nr. 22: Frontbild Pfingsten

Ich finde das «pfarrblatt» ausgezeichnet und lese es jeden Sonntag. Aber bitte schön: Muss man auf dem Titelblatt vom 3. Juni von einem überdimensionalen «Gring» frontal angestarrt werden? Schauerlich! Ansonsten schätze ich das «pfarrblatt» seit Jahren sehr hoch.

Margret Renner, via Email

«pfarrblatt» Nr. 22: Lesermeinung Kienle zu Gottfried Locher

Herr Manfred Kienle wünscht, dass in Zukunft wirklich alle, Katholiken und Reformierte, an der Kommunion teilnehmen können. Dies ist aber nicht möglich. Für die Reformierten handelt es sich nur um Brot und Wein, bei den gläubigen Katholiken handelt es sich aber um den echten Leib und das echte Blut Jesu Christi. Wegen diesen Differenzen verzichtete Herr Locher auf die Kommunion.
Der Evangelist Markus schreibt in Kapitel 14,22: «Und indem sie assen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.» Und im 1. Korinther, Verse 11,23–25 heisst es: «(... ) Und nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für viele vergossen wird.»

Josef Good, Niederbipp

Zu Gottfried Locher, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Diverse «pfarrbatt»-Nummern

Am Ostersonntag habe ich in der Basilika Dreifaltigkeit in Bern am Ostergottesdienst teilgenommen. Wie jedes Jahr war es ein wunderbares Erlebnis. Besonders war die Ansprache des Gastes, Gottfried Locher. Der einzige beschämende Negativpunkt war, dass Herr Locher nicht an der Kommunion teilnehmen konnte. Wenn in der Ökumene ein wirklicher Fortschritt erzielt werden soll, dann muss die katholische Kirche, gerade beim Abendmahl, einen mutigen Schritt zur Öffnung tun. Laut der Bibel hat Jesus doch gesagt «Nehmet und esset alle davon ...» und «Tut dies zu meinem Gedächtnis».Mit «alle» hat Jesus sicher nicht nur die Katholiken gemeint, sondern alle Menschen – im Mindesten alle Christen. Wäre es nun nicht endlich an der Zeit, dass die katholische Kirche der reformierten einen grossen Schritt entgegenkommt? Am Schluss des Gottesdienstes hat Herr Locher noch erklärt, dass er auf die Kommunion verzichtet habe, damit für die Verantwortlichen der Pfarrei keine Probleme entstehen. Ist das nicht irgendwie beschämend, dass ein Gast so behandelt wird? Damit ein gemeinsames Feiern in der katholischen Kirche möglich wird müssen wirklich alle, Katholiken und Reformierte, an der Kommunion teilnehmen können. Ich hoffe, dass zukünftig, im Sinn von Jesus, «Esset alle davon», ein reformierter Gast bei der Kommunion nicht mehr abseits stehen muss.

Manfred Kienle, Moosseedorf

«pfarrblatt» Nr. 22, Leserbrief zu G. Locher

Zu den schönen Mahnworten Manred Kienzles noch Folgendes: Beim Abendmahle sahen die Apostel Jesus mit Leib und Blut vor sich, konnten also unmöglich annehmen, ihn wahrhaft , wirklich und wesentlich zu verspeisen. Ihnen fehlte also «der rechte Glaube», und dazu noch die Taufe (Apg 1,5). Trotzdem gab ihnen Jesus die Kommunion.

Dr. Bruno Portmann, Zollikofen

«pfarrblatt» Nr. 18: «Bessere Predigten»

«Predigten zum Davonlaufen» lautet einer meiner Slogans. «Predigten seien ein Kunstwerk» schrieb einmal jemand in einer Zeitung. Es ist eine Notwendigkeit, auch das religiöse Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Mithilfe von Büchern von hochentwickelten Menschen. Als Beispiel: die vom begnadeten Mönch Anselm Grün. Es ist ein geistiger Reichtum in diesen Büchern enthalten.

Anne-Marie Moser, Steffisburg

«pfarrblatt» Nr. 15 («Leiterlispiel zur Passionsgeschichte») und Nr. 17 (Rafik Schami)

Doch, der Versuch, spielerisch und unter dem Einsatz verschiedener Mittel die Passionsgeschichte an Familien und Freundeszirkel heranzutragen und sie ins Gespräch zu bringen, war es wert. Gewiss ist der Einwand der Verkindlichung aus der Sicht eines tiefernsten Christen wie Sandro Fischli verständlich. Nur: Gerade Kindern, jedoch auch Erwachsenen kann der konkrete Bezug zum eigenen Alltag und die Einbettung ins persönliche Leben vermutlich eher mit einem Spiel gelingen, das Handlungsmöglichkeiten und eigene Betroffenheit nicht bloss gedanklich nahelegt, sondern gleich üben und erfahren lässt. Das begrenzte «menschliche Fassungsvermögen» wird durch die Auseinandersetzung im Spiel genährt und nähert sich wahrscheinlich leichter einer Haltung des gelebten Mitgefühls und des Tuns, wie sie Rafik Schami im jüngsten «pfarrblatt» aus dem Blickwinkel eines Gottesverständnisses darlegt, das bereits in der materiellen Betrachtung all dessen, was ist, das «Unfassbare» findet.

Toni Häfliger, Ostermundigen

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Das Spiel ist an sich wertvoll. Die Lesungen der Passionsgeschichte aus den Evangelien hilfreich und zweckdienlich. Die primitiven, lieblosen Zeichnungen sind allerdings zutiefst respektlos und entwürdigend. So wird das friedliebende Christentum lächerlich gemacht. Schade.

Christine Bär, Hünibach

«pfarrblatt» Nr. 15: Leiterlispiel

Die Absicht war gut und was damit erreicht wird, ist, dass die Passionsgeschichte gelesen wird. Das ist gut genug. Sonst befremdet mich das aber sehr. Was ist eine kleine Spende ans Fastenopfer im Vergleich zu den Gefühlen eines Judas, als er sein Geld in den Fingern hielt? Was ist eine Verzeihung per WhatsApp oder SMS? Was eine kleine Fitnessübung, in Gedanken an Gethsemane?
Für mich ist dieses Spiel mit all seiner gute Absicht eine unstatthafte Infantilisierung einer Geschichte, die unser menschliches Fassungsvermögen für immer übersteigt. Wenn in Kindergottesdiensten am schockierenden Karfreitag Geschichten erzählt werden von sich verpuppenden (sterbenden) Raupen, die dann als Schmetterlinge schlüpfen, oder das Lied gesungen wird vom Korn, das in die Erde sinkt und aus dem dann ein Halm entspringt, dann wird das Unfassbare für die Kinder genau richtig vermittelt. Ich bin aber nun 66-jährig und habe mich dem Unfassbaren, das hier in eine Woche zusammengedrängt ist, bis heute noch nicht genug genähert. Da hilft mir auch kein Leiterlispiel als Exerzitium extralight weiter. Nichts für ungut.

Sandro Fischli, Bern

Verschiedene «pfarrblatt»–Nr. Infos zu Pastoralräumen

Bis jetzt habe ich geglaubt, die Kirche (von griechisch: ekklesia =dt. Gemeinschaft, Versammlung) sei für alle da, auch für die sonst von den Politikern verachtete Landbevölkerung. Was aber jetzt durch die Zentralisierung mit der Priestermangel–Ausrede geschieht, widerspricht ganzheitlich dem eigentlichen kirchlichen Auftrag. Als ob es nicht andere Möglichkeiten gäbe, als zum Beispiel im Oberaargau hochverdienten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Laienstand ihre mit Herzblut erbrachten Leistungen zu vergällen und ihnen vorzeitig den Ruhestand gnadenlos aufzuzwingen, weil sie nicht mehr ins neue sakrosankte Pastoralraum–Konzept passen! Da muss man nicht erstaunt sein, wenn immer mehr Leute, vor allem junge, der Kirche fernbleiben! Denn die heutige Arbeitswelt ist hektisch und kräfteraubend genug. Wollen wir Katholikinnen und Katholiken das wirklich hinnehmen?

Walter F. Steinböck, Goldiwil

«pfarrblatt» Nr. 9 / 2017, Populismus gegen Vertrauen

Dass Frau Refaeil die Vertrauenskrise in die politischen Institutionen als Thema aufgegriffen hat, fand ich interessant und Wert diskutiert zu werden. Die von ihr aufgenommene Argumentationsrichtung erscheint mir aber überhaupt nicht nachvollziehbar, teilweise falsch und vernebelnd. Richtig wahrgenommen und bemerkenswert ist der grosse Vertrauensverlust in die Politik und die politischen und wirtschaftlichen Eliten. Aber anstatt zu fragen wie dieser Vertrauensverlust entstanden ist, fordert Frau Refaeil auf, die Protestbewegungen (ich finde die Bezeichnung «Populismus» irreführend, weil damit alle kritischen Bewegungen abgewertet werden) zu besiegen. Dies soll geschehen durch Männer und Frauen, die unsere Werte (welche Werte meint Frau Refaeil?) verteidigen. Dabei führt uns Frau Refaeil auf eine falsche Fährte, denn der Vertrauensverlust kommt ja nicht von ungefähr und es würde es sich lohnen, ja es liegt geradezu auf der Hand, genauer hinzusehen, wie die Eliten dieses Vertrauen verspielt haben und welche moralischen Werte (die Frau Refaeil Ihnen ohne zu hinterfragen zuschreibt) diese Eliten eigentlich vertreten. Wenn ich die politischen Entwicklungen betrachte: Entwicklung zum Überwachungsstaat (durch Internetüberwachung etc. , Snowden!), Kriege, die immer mehr Chaos und Flüchtlingsdramen verursachen (Irak, Libyen, Syrien etc.), unnütze Aufrüstungen, Abbau des Sozialstaates, Privatisierungen, die nur mehr Kosten verursachen, immer mehr Privilegien und Macht für Grosskonzerne (z.B. die Geheimverhandlungen zu CETA, TTIP), Terrorangst-Berichterstattung in den Medien etc. dann erscheint mir der Vertrauensverlust vollkommen nachvollziehbar und dann muss ich die ethischen Werte und Motive der politischen Eliten und der hinter Ihnen stehenden Wirtschafts- und Finanz-Lobby-Gruppen hinterfragen. Von ethischen Werten kann keine Rede sein, vielmehr geht es hier um stark egoistische und gesellschafts- und friedenszerstörende Handlungen der Eliten. Was wir brauchen, sind echte Partizipation, Transparenz und wirkliche Demokratie und nicht den Aufruf zu mehr Vertrauen. Die Geschichte zeigt uns, dass gegenüber mächtigen Personen und Institutionen immer Misstrauen angesagt ist. Institutionen, die nicht von der Öffentlichkeit und durch demokratische Prozesse kontrolliert werden, neigen immer dazu ihren eigenen Vorteil und nicht den Vorteil des gesamten Volkes zu suchen. Wir brauchen nicht starke Institutionen (wie Frau Refaeil schreibt), sondern solche, die die Bürger beteiligen, und von den Bürgern wirklich kontrolliert werden. Frau Refaeil betreibt eine Verkehrung der Ursachen und Verschleierung der wirklichen Probleme. Es würde unserer Gesellschaft guttun, wenn wir als Staatsbürger viel mehr hinterfragen und überprüfen würden.

Dr. Clemens Lang, Bern

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Frau Nora Refaeil bringt unter dem Titel «Populismus» gegen Vertrauen ein paar Erklärungen, warum in der USA Trump und in Grossbritannien der Brexit gewählt worden ist. Auch in der Schweiz gibt es einen mittlerweilen grossen Vertrauensverlust in die Politik. Das Nein zur USR III zeigt dies deutlich.
Frau Refaeil gibt einen Lösungsansatz: 1.) «Das bedeutet, dass wir unser Gegenüber nicht kleinreden, nicht beleidigen, nicht bevormunden, nicht verachten, sondern es ernst nehmen ...» Sie schreibt wir und zeigt damit, dass sie davon ausgeht, dass die «pfarrblatt»-Leser alle so denken wie sie und nicht wie das Gegenüber. 2.) «Um den Populismus auch im Sinne einer politischen Massenbewegung zu besiegen ...» Sie will den Populismus besiegen (d.h.Kampf, nicht Frieden) und zeigt damit, dass sie Punkt 1 nicht ernst meint. Ich möchte Hans Schneeberger, Chefredaktor des Migros Magazins, zitieren: «Immer mehr Menschen haben sich in einem selbst gewählten Cocon von Wertvorstellungen eingerichtet, der keine anderen Meinungen mehr zulässt. Im Cocon bestätigen sich alle gegenseitig der eigenen, der richtigen Meinung, Gegenteiliges wird als Populismus, Nationalismus oder Rassismus gebrandmarkt oder negiert. Wenn wir nicht alle bereit sind, Angst vor überbordender Immigration, der Globalisierung, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder gesellschaftlicher Identität ernst zu nehmen, wird sich die Teilung der Gesellschaft weiter verschärfen.»
Ja, ich gehöre zu den Anderen. Ich brauchte Mut, diesen Brief zu schreiben, weil ich in der Schweiz meine Meinung nicht sagen darf, weil sie sogleich als falsch, rassistisch usw. abgetan wird. Ich gehöre zu jenen, welche sich je länger desto mehr unterdrückt und ignoriert fühlen. Das einzige, was ich aber will, ist Frieden; doch das Verhalten der politisch Linken und ihren Freunden führt uns langsam in den Krieg. Bitte wacht auf!

Evelyne Schweri, Rüfenacht

 

 

«pfarrblatt» Nr. 5 / 2017: Nuntius kritisiert Caritas (Herausgegriffen)/Beilage Caritas Bern

Schon oft habe ich Spendenaufrufe für rein katholische Institutionen hinterfragt (womöglich noch mit dem Hinweis auf Assad als Garant für religiöse Minderheiten). Die Aussagen des Nuntius über die Caritas haben bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht. Deshalb rufe ich alle Katholiken, die sich dem Gleichnis des Samariters verpflichtet fühlen, zu Spenden an Caritas auf! Besten Dank an das «pfarrblatt» für den Einzahlungsschein.

Maria Furrer, Herrenschwanden

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Aber, aber Herr Nuntius, haben Sie noch nicht erkannt, dass alle Menschen dieser Welt Kinder Gottes sind, egal zu welcher Glaubensgemeinschaft sie gehören?! In Ihren Schuhen möchte ich nicht stecken.

Anne-Marie Moser, Steffisburg