Kleinkinderschule auf der Kirchenfeldbrücke, Albert Anker, 1900. Kunstmuseum Bern. Quelle: Wikimedi Commons

Albert Anker: Kleinkinderschule auf der Kirchenfeldbrücke

Er wäre eigentlich gerne nochmals nach Hause gegangen. Mir erzählt er aus seinem bewegten Leben. Menschen, Beziehungen und Kunst bedeuten ihm viel. Seine Gedanken und Empfindungen sind glasklar. Auch wenn wir übers Sterben und über den Tod sprechen. Er hätte noch so viele Pläne gehabt. Aber da ist der kranke Körper, der einfach nicht mehr weiter mag. Wie lange wird es gehen, bis ich nicht mehr da bin? Wie viele Zigaretten aus dem mitgebrachten Päckli meines Freundes werde ich vor meinem Tod noch rauchen können? Er bewegt sich gedanklich in einer Art Zwischenwelt. Das Leben ist so gut wie vorbei, aber der Tod ist noch nicht da. Auch unser Gespräch gehört dieser Zwischenwelt an und kreist ums Thema Vertrauen. Dann erzählt er von einem Anker-Bild, das ihm jetzt, kurz vor dem Tod, in den Sinn kommt: Viele Kinder auf der Kirchenfeldbrücke, mit Blumen in den Händen. Im Internet finde ich das Bild. Es heisst «Kleinkinderschule auf der Kirchenfeldbrücke», entstanden um 1900. Die Blumen fehlen allerdings. Nur ein Junge hält ein beblättertes Zweiglein in die Luft.

Aha, denke ich, Blumen tragen diese Kinder offenbar erst in der Zwischenwelt. 

Nadja Zereik, Seelsorgerin Inselspital

Gedanken aus der Spitalseelsorge im Überblick

28. November 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr 49-50
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles