Peter Deutsch, bis Ende 2018 AKiB-Präsident. Foto: Pia Neuenschwander

Alle unter einem Dach

Die AKiB ist ein ökumenischer Verein, der sich aus verschiedenen regionalen christlichen Gemeinschaften zusammensetzt. Ein Gespräch mit Peter Deutsch, der Ende 2018 als Präsident der AKiB zurückgetreten ist.

Interview: Anouk Hiedl

Im Raum Bern sind die kirchliche Passantenhilfe und die Heilsarmee ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass beide zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Region Bern (AKiB) gehören – die Heilsarmee als Mitglied und die Passantenhilfe als unterstütztes Projekt. Peter Deutsch hat die AKiB 27 Jahre lang mitgeprägt. Ende 2018 ist er als Präsident zurückgetreten: ein Rück- und Ausblick.


«pfarrblatt»: Wie sind Sie zur AKiB gekommen?

Peter Deutsch: Die AKiB ist sehr austariert. Nebst der römisch- und der christkatholischen, der evangelisch-reformierten, der anglikanischen, der russisch- und der serbisch- orthodoxen Kirche gehören unter anderem auch die Mennoniten und die Baptisten dazu. Das Sekretariat wird stets von reformierter, das Rechnungswesen von katholischer und das Präsidium von freikirchlicher Seite besetzt. Ich bin Baptist. Als unser Pastor 1991 aus dem Vorstand zurücktrat, fragte er mich an, und ich sagte zu. Im Jahr 2000 habe ich Markus Nafzger von der Heilsarmee als Präsidenten abgelöst.

Was hat Sie all die Jahre geleitet?

Es ist der AKiB immer wieder gelungen, ökumenische Projekte ohne grössere Probleme zu betreiben. Das ist einzigartig in der Schweiz, das hat mich fasziniert. Der Verein versteht sich als diakonisches Hilfswerk. Jedes Mitglied unterstützt jährlich eines der neun Projekte mit mindestens Fr. 500.–.
Die AKiB wird vor allem von den Landeskirchen getragen und macht pro Jahr zwei Millionen Umsatz. Auch das ist einzigartig. Es war mir wichtig, den austarierten Aufbau und die breite Palette der christlichen Perspektiven, Meinungen und Gewichtungen der Mitglieder zu achten.

Sie haben immer wieder das Gleichgewicht zwischen Macht, Finanzkraft und inhaltlicher Stärkung der Diakonie in der Ökumene eingefordert. Woran denken Sie heute zurück?

Als 2008 die Kooperation der Kirchgemeinden der Agglomeration Bern (KOPRA) aufgelöst wurde, stiessen 20 neue reformierte Mitglieder zur AKiB. Gleichzeitig eröffneten sich neue finanzielle Möglichkeiten, weil die Gelder neu nicht mehr nur projektbezogen verteilt wurden. Aus den freien Mitteln konnte die AKiB Projekte unterstützen, die unterfinanziert waren.

Liegt Ihnen ein Projekt besonders am Herzen?

Das HipHop Center. Dieses neuste diakonische Projekt der AKiB ist für junge Leute, das wird immer wichtiger. Sie finden dort Coachings und Raum für Glaubens- und Lebensfragen. An die HipHop-Gottesdienste kommen bis zu 400 Jugendliche! Die Projektlöhne sind nicht gleich hoch wie jene der Stadt, dafür ist die Freiheit bei der Arbeit und Gestaltung sehr gross. Die AKiB finanziert das Center seit 2016, nun kann sich der Projektleiter voll um die Inhalte kümmern, statt Geld zu suchen. Bis es so weit war, stand das HipHop Center aber immer wieder unter Beschuss, denn das Projekt war nicht allen AKiB-Mitglie dern gleich nah. Neue Projekte führen immer zu Reibungen, doch schlussendlich zu einem besseren Verständnis der unterschiedlichen christlichen Prägungen im Raum Bern. Ein neues Projekt, die Trägerschaft der Spitalseelsorge in der Region Bern, ist nun in der Pipeline.

Sie haben sich für die Aufnahme von Mitgliedern eingesetzt, die nicht zum kirchlichen Mainstream gehören.

Ja, die AKiB ist vielfältiger geworden. Seit ein paar Jahren gehören die Freikirchen Vineyard, BewegungPlus und die Mennoniten dazu. Ende 2018 haben wir die römisch-katholische Kirchgemeinde Konolfingen aufgenommen, die diakonisch tätig sein will, weitere haben ihr Interesse bekundet. Wichtig ist, dass sich die Mitglieder für die Zusammenarbeit von Christ*innen im Raum Bern einsetzen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Die AKiB-Projekte beruhen auf sehr viel Freiwilligenarbeit. Dazu muss man Sorge tragen, bei Problemen miteinander reden und Verständnis für diverse christliche Haltungen aufbringen. Eine einfachere Struktur wäre gut. Eine unabhängige Geschäftsführung zum Beispiel könnte sich besser abgrenzen und wäre näher an den Projekten.
Ich bin nun im AHV-Alter und werde mich Ende Jahr vom Büro lösen. 2020 werden meine Frau und ich mit dem Camper durch Amerika reisen. Last, but not least, sollen auch meine Grossvaterfreuden nicht zu kurz kommen.


Die AKiB in Kürze
Aktuell umfasst die AKiB 33 christliche Mehr- und Minderheitsgemeinschaften. Sie unterstützt seit 1982 Projekte und Institutionen, die einen kirchlichen Auftrag wahrnehmen, und trägt zehn Projekte in der Region Bern. Dazu gehören das «Zentrum5», ein Integrationszentrum für Migrant*innen, «Albatros», betreutes Wohnen für Drogenkonsumierende, die Nacht der Religionen, der Aufenthaltsraum Postgasse, die Telebibel und Seelsorge im Regionalgefängnis.
Infos: www.akib.ch

9. Januar 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 2
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