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Befreiung für wen?

Die unerträglichen sexuellen Verbrechen innerhalb unserer Kirche, ihre Vertuschung und der lasche Umgang mit den Tätern werden aufgearbeitet, präventive Massnahmen ergriffen, die Opfer gehört. Immerhin.

Der Druck von aussen verschafft die dazu nötige Transparenz. Dass nun aber eine beispielslose Schlammschlacht und gegenseitige Diffamierung unter höchsten kirchlichen Würdenträgern tobt und gar der Rücktritt des Papstes selbst gefordert wird, zeigt: die römisch-katholische Kirche steht sich selbst im Weg.

Da tut es gut, sich mit Josef Lang an eine Zeit zu erinnern, in der die Theologie Macht durch Menschensorge ersetzte und einen befreienden Weg suchte. Am 6. September 1968 beschloss die II. Lateinamerikanische Bischofskonferenz in Medellin die «vorrangige Option für die Armen » und entwickelte die Theologie der Befreiung (zum Artikel).

In der Erklärung von Medellin heisst es: Die «Unzulänglichkeit der Strukturen» habe zur Folge, dass «fundamentale Rechte verletzt» würden. Hausgemachte, unzulängliche Strukturen lähmen heute die Kirche und verletzen die Würde von Menschen. Befreiung tut not. Damals wie heute.

Jürg Meienberg

5. September 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 37-38
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