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Befreiungstheologie, die –

«Stimme der Armen» – so definiert sich die Befreiungstheologie selber.

In den nachkolonialen Staaten Südamerikas wurden grosse Teile der Bevölkerung unterdrückt, ausgebeutet und mit Waffengewalt geknechtet. Kapitalistische Staaten, allen voran die USA, unterstützten rechtsfaschistische Regimes, bedienten sich an den Ressourcen der Ärmsten und hielten die Länder gleichzeitig abhängig von ihren Exporten – nach der sogenannten neoliberalen Dependenztheorie.

Das wollten zahlreiche Kirchenvertreter nicht mehr tolerieren. Der peruanische Dominikaner Gustavo Gutierrez war einer der ersten, der die kapitalistische Ausbeutung Lateinamerikas anprangerte. Ihm folgten zahlreiche andere Bischöfe und Theologen, darunter Oscar Romero oder Helder Camara. Letzterer brachte die politische Dimension der Befreiungstheologie schliesslich auf den Punkt: «Wenn ich den Armen Essen gebe, nennen sie mich einen Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen Kommunisten.»

Der Schwerpunkt der Befreiungstheologie liegt in der Verwirklichung des Heils – nicht erst im Jenseits, sondern schon hier und heute. Die Heilsversprechungen der Bibel richteten sich an die Verfolgten, Armen und Unterdrückten, und Christus selbst stellte sich konsequent auf die Seite der Benachteiligten.

Nachfolge Christi bedeute also, für die Armen einzustehen und Gerechtigkeit zu fordern – und das Heil Gottes als realpolitische, soziale und ökonomische Veränderung zu verwirklichen. Dabei stützten sich die Befreiungstheologen stark auf die Bibel. Die Exodusgeschichte als Engagement Gottes für die Unterdrückten: Sie wurde von den schwarzen Sklaven in Nordamerika intuitiv verstanden, so die Befreiungstheologie. Und muss uns als Handlungsanleitung dienen.

Der Katholizismus darf nicht politisch sein? Theologie sollte nicht gesellschaftliche Veränderung zum Ziel haben? Schauen Sie sich doch an, an wen sich die Bibel richtet. Und für wen Gott in ihren Geschichten da ist. Dann wird klar, woran sich eine Theologie, die relevant sein will, messen muss.

Sebastian Schafer


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7. Februar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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