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Bilderverbot, das –

«Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde!» Diese Weisung Gottes gehört, für uns Katholik*innen zumindest, zum ersten Gebot.

Bedeutet das, sämtliche Fotografien, Bilder, Gemälde und Zeichnungen sind pure Häresie? Und die zahlreichen Heiligenbilder, Kruzifixe und Passionsdarstellungen ganz besonders?
Nein, so ist die Weisung sicher nicht gemeint. Es braucht schon etwas mehr als nur ein Selfie auf Instagram, um den Herrn aus der Fassung zu bringen.

Wenn die Vulgata (die lateinische Bibelübersetzung) oder der hebräische Text angeschaut wird, wird klar, was eigentlich gemeint ist: Das «Bildnis» müsste ganz korrekt nämlich übersetzt werden mit «Geschnitzte oder gemeisselte Götterstatue». Und im Gegensatz zum einfachen Bild bedingt eine Götterstatue von irgendetwas natürlich deren Anbetung – wie das Goldene Kalb der Israeliten.

Im 5. Buch Mose erinnert jener sein Volk noch einmal: Sie hätten keinerlei Gestalt in dem Feuer gesehen, damals, als Gott mit ihm gesprochen habe – sie sollten es also nicht wagen, auf eigene Faust eine Darstellung oder einen Beschrieb Gottes zu machen. Ob wir Christen uns konsequent an diese Forderung gehalten haben, darüber lässt sich streiten.

In einigen Kirchen findet man das Bildnis des Alten mit Rauschebart, manchmal das sogenannte Auge der Vorsehung. Ins kollektive Gedächtnis, nota bene dank der patriarchalischen katholischen Kirche, hat sich die Vorstellung Gottes als alter Mann fast unauslöschlich eingebrannt.

Wieso? Das Gebot Gottes sagt, wir sollten absolut keine weltlichen Dinge nehmen und sie als «Gott» oder göttlich definieren. Dahinter stehen zwei Erkenntnisse: Götzen, denen wir physisch huldigen, ersetzen wirkliche, auf den Nächsten und unser Innerstes gerichtete Spiritualität. Und alles, was wir als Attribut Gott zuordnen, wird auch in der Welt vergöttlicht. Der patriarchalische Klerikalismus, der uns seine grauenhaften Folgen kürzlich wieder gezeigt hat, lässt grüssen.

Sebastian Schafer


Katholisch kompakt im Überblick

5. September 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 37-38
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