Bild: Markus Amrein als Bruder Klaus im Musiktheater «Der Ranft-Ruf». Foto: Pia Neuenschwander

Kardinal Kurt Koch an der offiziellen Gedenkveranstaltung des Evangelischen Kirchenbundes zu 500 Jahren Reformation auf dem Münsterplatz in Bern. Foto: kr

Bruder Klaus verbindet die Konfessionen

Am 24. September stehen Kardinal Kurt Koch und Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, einem ökumenischen Gottesdienst zum Gedenken an Niklaus von Flüe vor. Warum Bruder Klaus auch für Reformierte und Konfessionslose von Bedeutung ist, erläutert Kardinal Kurt Koch, ehemaliger Bischof des Bistums Basel.

«pfarrblatt»: Inwiefern ist Niklaus von Flüe eine ökumenische Figur?

Kurt Koch: Niklaus von Flüe hat vor der Reformation und Kirchenspaltung gelebt. Er wird in Geschichte und Gegenwart auch von reformierten Christen geschätzt. Er ist Schutzpatron der ganzen Schweiz. Sein Leben und seine Botschaft führen in die Mitte des christlichen Glaubens hinein. Das gemeinsame Gedenken des Beginns der Reformation vor 500 Jahren und des 600. Geburtstags von Niklaus von Flüe in einem ökumenischen Gottesdienst in Zug hat gezeigt, dass Bruder Klaus nicht zwischen den Konfessionen steht, sondern sie verbindet.

Wurde Niklaus von Flüe durch die Heiligsprechung nicht ein Stück weit von den Katholiken vereinnahmt?

In der Zeit der Heiligsprechung hat es den Eindruck gegeben, mit ihr werde Bruder Klaus den Reformierten genommen und man verfolge eine Rekatholisierung der Schweiz. Heute wird in ökumenischem Geist anerkannt, dass die Heiligenverehrung die katholische Weise des Gedenkens an Bruder Klaus ist, und dass die Reformierten es auf ihre Weise vollziehen. Der ökumenische Gottesdienst, den ich zusammen mit Ratspräsident Gottfried Locher in Sachseln feiern darf, bezeugt, dass diese verschiedenen Weisen einander bereichern und nicht widersprechen.

Wie würden Sie einer reformierten Person erklären, worin die «Heiligkeit» des Niklaus von Flüe besteht?

Der Reformator Huldrych Zwingli hat in seinen Predigten Bruder Klaus oft erwähnt und ihn als guten Christen und sogar als wahren Heiligen bezeichnet, freilich im evangelischen Verständnis, in dem alle Getauften Heilige genannt werden. Bruder Klaus zeichnet sich vor allem dadurch als Heiliger aus, dass er in seinem ganzen Leben die Heiligkeit Gottes verehrt hat. Der reformierte Theologe Walter Nigg hat mit Recht geurteilt: «Der wahre Heilige ist der gesamten Christenheit und nicht nur einer Konfession verständlich.» Viele Menschen sind heute konfessionslos.

Was hat Niklaus von Flüe zu sagen?

Die Gründe, warum Menschen heute konfessionslos leben, sind so vielfältig, dass keine generelle Aussage möglich ist. Ich denke, dass Bruder Klaus in der heutigen Zeit, in der viele Menschen nach der Devise leben, als würde es Gott nicht geben, den umgekehrten Rat anbieten würde: «Versucht, euer Leben einmal so zu gestalten, als würde es Gott geben, und versucht, in mein Lieblingsgebet ‹Mein Herr und mein Gott› einzustimmen – und ihr werdet neue Wege finden!»

Was bedeutet Ihnen Bruder Klaus persönlich?

Niklaus von Flüe ist ein wahrer Gottesfreund gewesen, der sich in Gebet und Meditation in das Geheimnis Gottes vertieft hat. Dies hat ihn aber nicht der Welt entfremdet. Als er sich in die Abgeschiedenheit in der Melchaaschlucht zurück zog, hat er die Welt in seinem Herzen mitgenommen, und er ist als wahrer Gottesfreund auch ein glaubwürdiger Menschenfreund geblieben. Mich überzeugt vor allem diese symphonische Einheit, in der er Gottesliebe und Menschenliebe miteinander zu verbinden wusste.

Interview: Sylvia Stam

 

Hinweise

Samstag, 9. September, Kirche Bruder Klaus, Spiez, 18.30: Dieter Ockenfels inszeniert mit «Der Eremit – eine Begegnung mit Niklaus von Flüe» von Paul Steinmann ein einmaliges Theaterstück. Es verbindet die Lebensthematik des Eremiten mit persönlichen und aktuellen sozialpolitischen Themen.

Sonntag, 24. September, Pfarrkirche Sachseln, 10.00: Ökumenischer Gottesdienst 600 Jahre Bruder Klaus. Mit Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, sowie Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes. Spielszenen mit Hanspeter Müller-Drossaart und Stine Durrer. Musik: Cornelia Nepple Kost. Der Gottesdienst wird auf SRF übertragen.

Freitag, 20. Oktober, Pfarrei St. Josef, Köniz, 19.30: Das Musiktheater «Der Ranft-Ruf» lässt die Visionen des Mystikers in Sprache, Musik und Gesang aufleben und der heutigen Zeit begegnen. Musik: Simon Jenny. Schauspiel: Dorothée Reize, Markus Amrein, Sylvia Garatti, Luc Müller. Vocalensemble.

6. September 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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