Hans Weber. Foto: Christina Burghagen

Dialog tut Not. Foto: fotolia/kamasigns

Den Islam zugänglich machen

Was glauben Sie: Wie gross ist der Anteil der muslimischen Bevölkerung in der Schweiz? 1 Prozent? 10 Prozent? 20 Prozent? Einer Umfrage aus dem Jahr 2017 zufolge tippten die Befragten durchschnittlich auf einen Anteil von 17 Prozent. Und ein Grossteil der Umfrageteilnehmer würde es nicht begrüssen, würde der Anteil an Muslimen in der Bevölkerung weiter zunehmen.


Gründe für diese veritable Abneigung gegenüber dem Islam gibt es zahlreiche. Praktisch keine davon ist wirklich fundiert. Ein toxisches Gemisch von diffusen Vorurteilen, rechter Demagogie und mangelndem Wissen führt zu einer bedrohlichen Grundstimmung. Eine nationalistische «christliche Volksidentität» wird erfunden und hochstilisiert, «Rasse», Religion und Kultur werden vermischt und zu einer gefährlichen braunen Suppe angerührt.
Und wirklich zielführende und friedliche Lösungen im Angesicht der Migrationsrealität werden von vorneherein verunmöglicht.

Die katholische Pfarrei St. Marien in Thun stellt sich dem islamfeindlichen Trend entgegen. Im Laufe des Jahres 2018 soll das interreligiöse Projekt Forum-Utopia starten. Über den interreligiösen Dialog will die Pfarrei christliche Kirchen verbinden sowie Christentum und Islam einander zugänglich machen – unter Mitwirkung aller Pfarreimitglieder.

Erste interchristliche Gespräche fanden Ende März statt. Hans H. Weber, Theologe und Mitinitiant des Projekts, zeigt sich begeistert: Es sei gelungen, sieben verschiedene Kirchen an einen Tisch zu bringen. Vertrauen sei geschaffen worden, die Gespräche seien ergiebig, respektvoll und dynamisch gewesen.
Gemeinsam mit dem Islamischen Kulturzentrum Thun IKRE soll nun auch ein Kontakt zwischen Pfarreimitgliedern und gläubigen Muslimen hergestellt werden. Weber betont, dass über direkte Gespräche zwischen Gläubigen eine Diskussion über die Lebensrealitäten und den Islam hierzulande stattfinden soll – im Hinblick auf das alltägliche Nebeneinander der Religionen.

Keine Podiumsdiskussionen unter Fachleuten, Theologen und Imamen, sondern ein Austausch unter Gläubigen – auf Augenhöhe. Denn Weber stellt fest: Die Vorurteile gegenüber Muslimen sind in der katholischen Gemeinde stark.
Fragen Sie sich doch mal selbstkritisch: Was weiss ich denn wirklich über den Islam, und was sind einfach Vorurteile? Wie gestaltet sich die Rolle der Frau im Islam? Was wird in der Moschee eigentlich gebetet? Und wie häufig wird der Koran von Muslimen wirklich gelesen?
Deshalb liege es ihm am Herzen, so Weber, zuerst Wissen zu vermitteln – über den praktizierenden Islam, seine Lehre und die Lebenshintergründe von Muslimen.

Dann soll über den direkten Kontakt zwischen ansässigen Muslimen und interessierten Christen Verbindendes gesucht werden: «Was kümmert unsere Christen und Moslems an der Basis, in der Wirklichkeit der Strasse? Wie lebt der fremde Mensch unter den einheimischen Menschen?»

Übrigens: Der Anteil an Muslimen
an der Bevölkerung der Schweiz beträgt 5,1 Prozent. Diese 5,1 Prozent verteilen sich zur Religionsausübung auf 17 Moscheen mit vier Minaretten – der zukünftige Bau letzterer wurde vorsorglich verboten. Um der Islamisierung Einhalt zu gebieten, die «ein realer Vorgang» sei, wie es SVP-Einpeitscher Roger Köppel formuliert, geplant von den Linken und den Eliten, die die Muslime als Instrument zur «Überfremdung» und Zerstörung unserer Kultur einschleusen. Dialog tut definitiv not.

Sebastian Schafer


Pfarrei St. Marien Thun

4. April 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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