Die zwei schönsten Jahre. Der ehemalige Schweizergardist Fabian Stocker. Foto: Pia Neuenschwander

Fabian Stocker im aktiven Einsatz als Schweizergardist. Foto: zVg

In der schmucken Uniform der Schweizergarde auf dem Petersplatz in Rom. Fabian Stocker. Foto: zVg

Ein Schwur, der hält

Am 20. August tritt in Solothurn die Schweizergarde auf. Die der Ehemaligen. Die uniformierte Ehrenwache, auch Verstellmannschaft genannt, marschiert ab 09.30 vom Bieltor in die St. Ursen-Kathedrale. Fabian Stocker, frisch gebackener Kirchgemeinderat der Pfarrei Bruder Klaus in Spiez, marschiert nicht mit. Aber er kennt die Garde. Er ist ein ehemaliger Gardist.

Aufgewachsen ist Fabian Stocker in Baar. Seine Mutter habe ihm schon in der 5. Klasse den Floh ins Ohr gesteckt, Gardist zu werden. Immer um den Vereidigungstermin am 6. Mai sei der Wunsch wieder aufgeflammt, selber einmal in der schmucken Uniform im Vatikan zu stehen. Nach der Lehre als Zahntechniker setzte er seinen Wunsch um. Der Entscheid fiel in Paris. 1997 am katholischen Weltjugendtag. Die Bedingungen erfüllte er problemlos, sagt Fabian Stocker und zählt sie auf: «1 Meter 74 gross, guter Leumund, Rekrutenschule absolviert und abgeschlossene Berufslehre. Ich trat in die Garde ein und dachte, ich bleibe 25 Jahre.» Dachte? «Über einen Gardistenkollegen lernte ich im ersten Jahr eine Frau kennen. Es funkte. Nach zwei Jahren zog es mich deshalb wieder heim. Wir heirateten. Für zwei Jahre muss man sich für die Garde verpflichten.»

Alle zwei Jahre findet die Zentraltagung ehemaliger päpstlicher Schweizergardisten statt. Heuer am 19. und 20. August in der Barockstadt Solothurn. An der Zentraltagung treffen alle Sektionen der Schweiz zusammen. Mit einem Festgottesdienst, den der Bischof des Bistums Basel, Felix Gmür, persönlich in seiner Bistumskathedrale St. Ursen zelebriert. Begleitet von den Singknaben der Kathedrale. Am Samstag um 11.30, gibt das Spiel der ehemaligen Schweizergardisten ein Platzkonzert. Ein Stand informiert auf dem Kronenplatz von 09.00–13.00 über die Garde. Beste Gelegenheit, sich über die Schweizergarde niederschwellig kundig zu machen.

1998 wurde Stocker als Gardist vereidigt. Aber nicht am 6. Mai. Geschichtsbewusste erinnern sich: Ein Gardist erschoss angeblich den damaligen Kommandanten und seine Frau und sich selbst. Darauf angesprochen, will Fabian Stocker nicht auf das Ereignis eingehen. Jeder Gardist schwört, sein Leben für den Papst zu geben. Dieser Schwur ist ihm heute noch wichtig. Immerhin soviel: Es sei damals kein einfacher Start gewesen. Trotzdem, die zwei Jahre in Rom seien für ihn die schönsten Jahre in seinem Leben gewesen, schwärmt der mittlerweile 45-Jährige: «Das einzig mühsame war, dass man ab Mai ziemlich schwitzt.» Er lacht. Die beliebten Wachen waren an den Toren, die unbeliebteren in den Palästen. Stundenlang allein in geschichtsträchtigen Räumen zu stehen, sei nicht jedermanns Sache. Er aber habe diese Wachen genossen: «Ich habe mich mit der Geschichte der Päpste auseinandergesetzt oder spirituelle Literatur studiert.» Glauben war für ihn immer ein Teil seines Lebens: «Für Nicht-Katholiken oder eher Kirchenferne bin ich streng katholisch, für die streng Katholischen wahrscheinlich zu liberal», schmunzelt er. Wer sich für die Garde aus Glaubensgründen entscheide, habe oft Mühe mit dem militärischen Drill, wer in die Garde eintrete, weil er später Polizist werden wolle, habe mit den kirchlichen Traditionen etwas Mühe.Bruder Klaus, der heuer Jubiläum feiert, war ihm lebenslang eine wichtige Leitfigur, erklärt Stocker. Der Eremit verbinde alles – Spiritualität, Militär und Politik.

Dass er diesen Mai als Kirchgemeinderat der Pfarrei Bruder Klaus in Spiez gewählt worden ist, freut ihn deshalb besonders. Vor einem Jahr ergriff Stocker die Gelegenheit, in Thun ein Zahntechniker-Geschäft zu übernehmen und selbstständig zu werden. Er zog mit seiner jetzigen Frau von Oensingen nach Einigen und meldete sich in der Pfarrei. Das ökumenischen Taizé-Team brauchte einen katholischen Vertreter. Er engagierte sich. Da die Pfarrei seit einiger Zeit im Umbruch ist und bald eine neue definitive Pfarreileitung bekommt, verspricht seine neue Aufgabe spannend zu werden: «Die Pfarrei lebt seit Jahrzehnten vom Einsatz vieler Freiwilliger. Ich fand in Spiez eine lebendige Glaubensgemeinschaft. Ich fühlte mich sofort wohl.» Nun aber freut er sich auf das Treffen in Solothurn. Seine Faszination für die Schweizergarde ist ungebrochen. Sie wird es lebenslang bleiben.

Jürg Meienberg

Hinweis: Zentraltagung ehemaliger Schweizergardisten, 19. und 20. August in Solothurn. Am Samstag informiert ein Stand auf dem Kronenplatz von 09.00–13.00 über die Garde. Um 11.30 gibt das Spiel der ehemaligen Schweizergardisten ein Platzkonzert. Am Sonntag ab 09.30 marschieren die Ex-Gardisten in Uniform und mit Fahnen vom Bieltor durch die Altstadt zur St. Ursen-Kathedrale. 10.00 Festgottesdienst mit Bischof Felix Gmür. Alle Angaben unter www.solothurn2017.ch

9. August 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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