Die Sicht auf den Altar und den Papst war gegeben. Foto: Joanna Lindén-Montes/WCC

«Einmal Papstmesse und zurück, bitte!»

von Anna di Paolo*

Dass ich zur Papstmesse fahren würde, war eine ganz persönliche Entscheidung.

Schon früh, nachdem offiziell bekannt wurde, dass der Papst den Weltkirchenrat in Genf besuchen würde, meldete sich die Uniseelsorge Fribourg mit einer Umfrage, wer Interesse hätte, wenn der Papst sich bereit erklären würde, auch die heilige Messe zu zelebrieren.

Ich zögerte nicht und meldete mich sofort. Ich bin Ü50 und er ist Ü80, in tausend Jahren ist es erst der sechste Papstbesuch in der Schweiz. Das alles sind gute, pragmatische Gründe an der Messe teilnehmen zu wollen. Soweit die Fakten.

Für mich begann aber der Weg zu dieser Messe schon früher.

Während einer der letzten Kursabende im ersten meiner zwei Theologiekurse fand die Papstwahl statt. Der Dozent fuhr in seinem Programm fort aber die ersten Smartphones lagen auf den Tischen bereit, um die Anwesenden zu informieren, wenn der weisse Rauch aufsteigen würde. Und es geschah tatsächlich noch während des Unterrichts. Als bekannt wurde, wer der neue Papst ist, war es unser damalige Dozent, der uns sofort auf die aussergewöhnliche Namenswahl aufmerksam machte. Von nun an verfolgte ich dieses Pontifikat interessierter als je zuvor. Das lag nicht nur an der Person Papst Franziskus’. Es lag auch an dem Weg, den ich vor nun gut sechs Jahren eingeschlagen hatte, beginnend mit den Theologiekursen und nun im Studium der Theologie in Fribourg. In den vergangenen zwei Jahren wurde mir mein Ziel klarer und ich bereite mich nun darauf vor, dereinst im Dienst der röm.-kath. Kirche Seelsorgerin zu sein. Die Wegstrecke die hinter mir liegt ist spannend. Sie ist gepflastert mit schönen, schwierigen aber immer stärkenden, positiven Erlebnissen und Begegnungen.

Am Donnerstag machte ich mich also auf zur Heiligen Messe. Wie sonst praktisch jeden Sonntag. Werkstags schaffe ich es meist wegen meiner Arbeit in zwei Pfarrämtern nicht. Ich freue mich auf jede Messfeier, weil ich so Teil habe an dem von Gott geschenkten Geschehen. Mit meiner Teilnahme antworte ich Gott auf dieses Geschenk. Diesmal besuchte ich die Messe in Genf gemeinsam mit 39'999 weiteren Teilnehmenden. Es war ein spezielles Erlebnis. Unser Grüppchen von der Uni Fribourg kam am späteren Nachmittag an. Alles klappte reibungslos und bald suchten wir nach freien Plätzen. In den hinteren Regionen gab es Festbänke und wir suchten uns zu viert einen aus. Die Sicht zum Altar war gegeben, durch die Distanz jedoch klein. Es gab mehrere Bildschirme, die das Geschehen vorne nach hinten projizierten. Die Ankunft des Papstes konnte ich mit meinen Ohren wahrnehmen. Die Leute brachen in Jubel aus und dieser Jubel bewegte sich mit dem Papamobil durch die Halle. Sehen konnte ich ihn über den Bildschirm. Der eigentliche Beginn der Messe kam etwas verzögert bei den Teilnehmern weiter hinten an. Nicht zuletzt deshalb, weil die Regie der Kameraübertragung in diesem Moment lieber das Volk zeigte, als den Altar.

Leider kam es öfters vor, dass die Bildschirme nicht die wichtigen Momente übertrugen. Wir hatten den Eindruck, dass die Regie Mühe hatte, dem Ablauf einer Eucharistiefeier zu folgen. Anders konnte man sich diese Schnitte nicht erklären.

Auf die Fürbitten hatte ich mich persönlich intensiv vorbereitet. Ich hatte mir im Vorfeld Gedanken gemacht, für wen ich denn bitten möchte. So war ich gut vorbereitet als die Fürbitten gehalten wurden und konnte mich gut in das Gebet vertiefen. Die Kommunion war ein ganz intensiver Moment der mich noch lange Zeit begleiten wird.

Meine Entscheidung an der Papstmesse teilzunehmen war für mich richtig. Auch wenn ich in den Eucharistiefeiern in unserem Pastoralraum eine tiefere Konzentration auf deren Zentrum erreichen kann, werde ich diese besondere Stärkung auf meinem Weg mitnehmen und wertschätzen.

Denn das ist es, was die Entscheidung des Papstes, auf seinem Nachhauseweg noch einmal Halt zu machen, um mit uns die Heilige Messe zu feiern, vor allem und in erster Linie für mich bedeutet: seine Wertschätzung gegenüber den Gläubigen.

 

Hinweis: Alle Texte und Reden des Papstes während seines Besuches in Genf gibt es hier 


*Anna Di Paolo arbeitet als Pfarreisekretärin im Oberaargau. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Töchter. Neben der Familie studiert sie seit September 2015 Theologie an der Universität Fribourg.


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«In die Wüste geschickt.» Ein Erfahrungsbericht von Manfred Ruch, Pfarreileiter in St. Marien Bern.

 

 

 

25. Juni 2018
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