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Einspruch aus «missionarischer» Sicht

Aus juristischen Gründen sollen die anderssprachigen Missionen der Region Bern ihre direkte Vertretung im Parlament verlieren. Der Synodale Antonio Perissinotto von der italienschen Mission MCI nimmt Stellung.

«pfarrblatt»: Ihre Stellungnahme zur Vernehmlassung zum neuen Kirchengesetz beginnt mit einer Frage «Wir sind dabei, gehören aber nicht mehr dazu?» Was meinen Sie damit?

Antonio Perissinotto: Die Synode besteht aus 78 Abgeordneten aus den Kirchgemeinden des Kantons. Sie umfasst Vertreterinnen und Vertreter aus den vier Regionen Bern, Berner Jura, Mittelland und Oberland sowie 4 Missions- und 4 Dekanatsabgeordnete. Mit der neuen Kirchenverfassung, die in der Frühjahrssynode am 8. Juni in die erste Lesung gehen wird, werden die vier Missionsabgeordneten keinen Sitz mehr im Parlament haben. Dies ist erstaunlich, denn dadurch wird ein grosser Teil der römisch-katholischen Gläubigen in Zukunft nicht mehr in der Synode vertreten sein. Mit der neuen Verfassung hätten wir die die Chance alle Gemeinschaften einzubinden und die Verantwortung innerhalb der röm.-kath. Kirche zu teilen. Eine ausgewogene Vertretung der anderssprachigen Gemeinschaften im Parlament gem. Art. 15.3 ist mit der neuen Kirchenverfassung nicht mehr gegeben. Es scheint, dass die Mitglieder der Missionen nicht als vollwertige Mitglieder wahrgenommen werden - sonst müssten wir nicht für solche Anliegen innerhalb unserer Kirche kämpfen.

Warum genügt ihnen die Bildung einer Kommission für die Missionen und Anderssprachigen nicht?

Die vorgeschlagene Kommission der Anderssprachigen Gemeinschaften kann eine gute Ergänzung zur Mitarbeit der Anderssprachigen in der Synode sein. Sie kann aber keineswegs als Ersatz für stimmberechtigte Abgeordnete in der Synode dienen, da die Kommission nur Antragsrecht hat und die Anträge nur von den Mitgliedern der Synode vorgetragen werden dürfen. Diese Mitglieder wären höchstwahrscheinlich Menschen ohne Migrationshintergrund, die u.U. mehrheitlich darüber bestimmen, ob und was für Anliegen der Anderssprachigen der Synode vorgelegt werden. Damit verfügen sie über eine Blockierungsmöglichkeit, welche die Schlechterstellung der Anderssprachigen noch verstärkt. Die übrigen Mitglieder der Kommission könnten in der Synode weder mitdiskutieren noch mitentscheiden.

Wie aktiv waren bisher die vier Vertreter*innen der Missionen im Parlament?

Im Dezember 2016 startete der Synodalrat das Projekt «Perspektiven 2020». Aufgeteilt in zwei Teilprojekte Grundlagen und Inhalte arbeiteten die verschiedenen Arbeitsgruppen an den unterschiedlichsten Themen. Während sich die anderssprachigen Missionen mit inhaltlichen Fragen zum Thema «Missionen» befassten, wurde in der Gruppe «Struktur und Rechtsgrundlagen» die neue Kirchenverfassung und in der Gruppe «Personal» das neue Personalreglement erarbeitet. Die Mitarbeit wurde von drei der vier im Parlament vertretenen Missionen aktiv wahrgenommen. Wir wissen um die Wichtigkeit der Themen im Parlament. Mit der neuen Verfassung werden die Grundlagen für die nächsten 20 bis 30 Jahre geschaffen.

50% der römisch-katholischen Gläubigen in der Region Bern sind anderssprachig und haben einen Migrationshintergrund. Wie bringen sich diese den jeweiligen Pfarreien und Missionen ein? Was für Anliegen haben sie?

Anhand der italienischsprachigen Mission versuche ich Ihnen dieses Engagement näher zu bringen. Dadurch, dass die Missionen nicht nach dem Territorialprinzip im Kanton verankert sind, müssen unsere Missionare und Freiwilligen jeden Tag eine enorme Leistung in einem grossen Einzugsgebiet erbringen. Ohne freiwillige und gemeinnützige Mithilfe aus der eigenen Gemeinschaft wäre das alles nicht möglich. Der Weg in die Synode soll in Zukunft nur noch über die territorialen Pfarreien führen. Dadurch müsste sich eine Vertreterin oder ein Vertreter der italienischsprachigen Mission zusätzlich auch noch in der territorialen Pfarrei engagieren, damit sie oder er gewählt werden kann. Ein Ding der Unmöglichkeit für neuzugezogene Menschen, die meistens mitten in der Arbeitswelt stehen.

In der Vernehmlassung haben sich verschiedene Pfarreien mit ihnen solidarisiert. Arbeiten Sie nun enger mit diesen zusammen?

Es stimmt, dass einige Pfarreien sensibler auf dieses Thema reagiert haben als andere. Die Solidarität anderer Missionen und Pfarreien gibt uns die Kraft mit diesen Themen an die Öffentlichkeit zu gelangen und für diese Anliegen einzustehen. Alle sprechen von Integration und warten, dass der andere den ersten Schritt wagt. Damit dies geschehen kann, müssen wir lernen loszulassen und gemeinsam aufeinander zuzugehen. Die Verhandlungen an der nächsten Synode werden entscheidend sein. Wie bereiten Sie sich vor? Mit was für Gefühlen gehen Sie an die Synode? Wir feierten Pfingsten! Als Fest des Heiligen Geistes ist es auch ein Fest der Hoffnung und der Freude. Ich hoffe sehr, dass wir uns durch ihn auf dem richtigen Weg leiten lassen und die richtigen Entscheidungen treffen werden.

Interview: Jürg Meienberg


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30. Mai 2018
erstellt von «pfarrblatt»