Das Hungertuch 2019 wurde vom Künstler Uwe Appold gestaltet und trägt den Titel “Mensch, wo bist du?" Foto: zVg

FASTENZEIT – EIN WEG ZUM GLÜCK

MIT DEM ZEICHEN DES ASCHENKREUZES AM ASCHERMITTWOCH BEGINNEN WIR AUCH DIESES JAHR AM 6. MÄRZ DIE FASTENZEIT, DIE 40-TÄGIGE VORBEREITUNGSZEIT AUF OSTERN.

In den Weltreligionen ist das Fasten ein bekanntes und angewandtes Mittel, um sich selbst und das, was einem wichtig ist, wieder mehr zu spüren und Impulse für eine Neuorientierung und Neugestaltung des eigenen Lebens und des konkreten Alltags zu finden. In der heutigen Zeit ist das Fasten auch in der Medizin und in der Psychologie sehr hoch im Kurs und viele Menschen nutzen die Fastenzeit für Schlankheitskuren, indem sie weniger essen, auf Alkohol oder Süssigkeiten verzichten.

Im Christentum ist die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern seit Ende des 4. Jahrhunderts bezeugt. Die liturgischen Texte des ersten Fastensonntags passen sehr gut zu dieser Zeit. Am ersten Fastensonntag werden wir im Evangelium nach Lukas von der Versuchung Jesu in der Wüste hören. Er verbrachte auch 40 Tage in der Wüste nach seiner Taufe am Fluss Jordan. Diese Bibelstelle kann uns wie eine Einleitung zur Fastenzeit dienen. Jesus als Vorbild für den Verzicht und das Widersagen von Verlockungen stehen. Denn die kirchliche Fastenzeit ist nicht nur eine Zeit, in der wir weniger essen und auf Alkohol oder Süssigkeiten verzichten und eine Schlankheitskur machen. Die kirchliche Fastenzeit ist eine Einladung zur einen 40-tägigen Entdeckungsreise zu uns selbst, in unser Inneres.

Auf dieser Entdeckungsreise versuchen wir uns von all dem zu befreien, was wir im Leben nicht unbedingt brauchen, was uns wie Ballast nach unten zieht und das Leben schwer macht, was uns im Leben hindert glücklich und frei zu sein. Vielleicht werden wir am Ende dieser Entdeckungsreise so eine Einstellung zum Leben haben, wie Sokrates in der kurzen Geschichte: »Der Philosoph Sokrates ging jeden Tag mit seinen Schülern auf den Markt. Doch er kaufte nie etwas. Das ärgerte die Händler: Sie hielten dieses Verhalten für geschäftsschädigend. Eines Tages fragten sie ihn: „Warum kommst du täglich hierher und kaufst nie etwas?“ Da antwortete Sokrates: „Ich freue mich, dass es so viele Dinge gibt, die ich alle nicht brauche. “Aus Willi Hoffsümmer, Kurzgeschichten 6."

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Entdeckungsreise durch die Fastenzeit, auf der Sie freier und glücklicher werden. Eine Entdeckungsreise in Liebe und Achtung zu Ihnen selbst. Eine Entdeckungsreise in Liebe und Achtung zum Mitmenschen, dem Sie im Alltag begegnen werden. Eine Entdeckungsreise in Liebe und Achtung zur Schöpfung, die uns allen anvertraut ist. Eine Entdeckungsreise, auf der Sie liebevoll von Gott begleitet werden.

Gheorghe Zdrinia, Pastoralassistent

 

 

25. Februar 2019
erstellt von angelus
  • Pfarrblatt / Angelus