Mit der Technik «crispr» wird die Gentherapie auf ein neues Level gehoben. Symbolfoto: fotolila, Gernot Krautberger

Das Forscherteam: Studienleiter Shoukhrat Mitalipov (Mitte), mit den Studien-Co-Autorinnen Hong Ma (links) und Nuria Marti-Gutierrez (rechts). Foto: OHSU/Kristyna Wentz-Graff

Gentechnik im Kampf gegen Erbkrankheiten

Einem Forscherteam in den USA ist es gelungen, mittels einer speziellen, gentechnischen Methode krankes Erbgut von künstlich erzeugten Embryonen zu verändern. Die Reaktionen sind vielfältig, wir haben die interessantesten Beiträge zusammengestellt.

Dem Forscherteam um Shoukhrat Mitalipov von der Oregon Health and Science University in Portland ist es offenbar gelungen, mittels der sogenannten Genschere «Crispr-Cas9» eine bestimmte genetische Veränderung in Embryonen so zu verändern, dass diese eine besondere Form einer Herzmuskelerkrankung nicht mehr bekommen würden. Es waren reine Laborversuche. Die genveränderten Embryonen sind nur unter dem Mikroskop zu sehen und bestehen lediglich aus ein paar Dutzend Zellen, vorerst würden keine Embryonen in Frauen eingesetzt.

Augenblicklich war von «Designer-Babys» und von einer Gesellschaft mit optimierten Menschen die Rede. Diese Befürchtungen scheinen durchaus nahe zu liegen. Den Forschern jedoch, so liessen sich diese verlauten, gehe es bei ihren Bemühungen nicht um die Optimierung des Menschen, sondern darum, «Krankheiten zu heilen und Leid zu verhindern». 

In der Medizin werden derzeit die Grenzen des technisch Machbaren beachtlich ausgeweitet. Ist das nun «aufregend» oder «unverantwortlich». Auf jeden Fall scheint das Verfahren Chancen und Risiken in sich zu bergen, längst sind nicht alle Fragen geklärt.

Lena Stallmach von der Neuen Zürcher Zeitung wartet mit einem exzellenten Beitrag auf. Sie liefert eine verständliche Gesamtdarstellung, inklusive Erklärvideo, Kommentar und ethische Stimmen.

Das Kölner Domradio interviewt den katholischen Moraltheologen Professor Franz-Josef Bormann. Das ist durchaus überraschend, argumentiert er doch überaus differenziert.

Pointierter und zugespitzer ist Alina Schadwinkel in er Onlineausgabe von «Die Zeit». Insgesamt aber auch hier ein ausgezeichneter Hintergrundbericht, mit Erklärvideo.

Hildegard Kaulen ist in der Frankfurter Allgmeinen Zeitung etwas ablehnender. Sie sieht in ihrem Kommentar Grenzen eingerissen, sie sieht die Gefahren überwiegen. Ethische Antworten müssten jetzt endlich die Debatte bereichern.

Einer der besten Kommentare zum Thema fanden wir schliesslich in der Süddeutschen Zeitung von Kathrin Zinkant. Ihre Kernaussage: «Das Problem mit dieser Debatte ist aber, dass sie sich im Kreise dreht. Das ist gerade in Deutschland der Fall, wo sich Wissenschaft und Ethik alles gesagt haben. Gleichzeitig zieht sich die Politik aus der Affäre, indem sie zum genetischen Eingriff am Embryo keine parteipolitischen Positionen definiert. So verhindert sie Entscheidungen. Und doch muss eine getroffen werden. Nicht über alles oder nichts, es geht um einen Kompromiss, der dem Stand der Wissenschaft gerecht wird und auf die ethischen Bedürfnisse aller Rücksicht nimmt, der Gesunden wie Kranken.»

Andreas Krummenacher

 

Die Medienmitteilung und die wissenschaftlichen Hintergründe zum Thema der Oregon Health and Science University in Portland finden Sie hier.

  

4. August 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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