Die Haltung im heilpädagogischen Religionsunterricht ist neugierige Achtsamkeit und liebevolle Zuwendung. Foto: pixabay

GOTT WIRKEN LASSEN

WER HEILPÄDAGOGISCHEN UNTERRICHT ERTEILT, HAT IMMER ZUERST DIE KINDER VOR AUGEN.

„Jesus kam in die Nähe von Jericho, da sass ein Blinder an der Strasse und bettelte. (…) Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Die Leute, die vorausgingen, befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir! Jesus blieb stehen und liess ihn zu sich herführen. Als der Mann vor ihm stand, fragte ihn Jesus: Was willst du, dass ich dir tue?“ (Lukas 18, 35-41, Einheitsübersetzung)

Wer Heilpädagogischen Religionsunterricht erteilt, hat immer zuerst die Kinder vor Augen und holt sie so gewissermassen zu sich. Die Vorbereitung des Unterrichtes richtet sich in erster Linie nach dem Kind und erst in einem zweiten Schritt wird der Inhalt festgelegt. Sich die Kinder vor Augen führen, das heisst: haben die Kinder motorische Einschränkungen? Was können sie verstehen? Haben sie eine Sprache? Wie steht es um ihr Seh- oder Hörvermögen? Weitere Fragen sind: welche Stärken und Vorlieben hat das Kind? Was ist im Moment wichtig in seinem Alltag? Viele dieser Fragen lassen sich im Kontakt mit den Eltern und den Lehrpersonen beantworten. Die Stärken und Vorlieben des Kindes bestimmen dann die Umsetzung.

Ein wichtiger Teil bei der Planung ist die eigene spirituelle Auseinandersetzung mit einer biblischen Geschichte. Was bedeutet mir der gewählte biblische Text? Verstehe ich ihn? Erkenne ich in der Geschichte mehrere Botschaften? Bleiben Fragen offen? Erst wenn diese persönliche Arbeit geleistet ist, kann an die Umsetzung für die Kinder gedacht werden.

Bei der Feinplanung einer Lektion oder einer Feier ist darauf zu achten, dass Geschichten und Gebete in Leichte Sprache übertragen werden. Für die wichtigsten Wörter werden Gebärden gelernt, um die gesprochene Sprache zu unterstützen. Zudem wird die Geschichte durch Handlungen erlebbar und spürbar gemacht. Bei Kindern mit hohem Förderbedarf ist meistens nicht klar, was sie überhaupt aufnehmen und wahrnehmen können. In diesen Situationen müssen «basale Methoden» angewendet werden. Hier werden die Sinne ganz elementar angesprochen, indem zum Beispiel Düfte angeboten werden, oder eine Handmassage gemacht wird. Es ist oft ein Ausprobieren. Und immer wieder ist Präsenz gefordert, um die Reaktionen der Kinder wahrzunehmen. Und die Reaktionen kommen, mit einem Lächeln, aber auch mit Nase-Rümpfen.

Die Haltung im (Heilpädagogischen) Religionsunterricht ist neugierige Achtsamkeit und liebevolle Zuwendung, Beziehung wagen und Gott im Geschehen wirken lassen, damit heilsame Momente geschehen können.

Fernanda Vitello Hostettler, Fachstelle Religionspädagogik

9. Januar 2019
  • Pfarrblatt / Angelus