Die Teilnehmerinnen des Ikonenmalkurses mit ihren Werken. Rechts Kursleiterin Lilian Koller Foto: Niklaus Baschung

Ikonen als Kraftquelle

Im Pfarreizentrum Christkönig lernten sieben Frauen die alte Technik der Ikonenmalerei kennen und staunten über ihre beeindruckenden Ergebnisse.

Der Ikonenmalkurs, während einem Wochenende durchgeführt, ist ein aussergewöhlicher Kurs. Er beginnt mit einem Gebet: „Wir bitten Dich, steh uns bei in unserem Bemühen, durch das Malen Werkzeug der Verkündigung im Bild zu sein. Mach uns durchlässig und offen für Dich, dass von diesen Ikonen Kraft ausgehen möge für die, die sie anschauen.“

Lilian Koller, die Kursleiterin, betreibt seit sieben Jahren in Schwarzsee ein Atelier für Ikonenmalerei. In ihrem Kurs sollen alle Teilnehmenden das Handwerk erlernen, um später selbständig auf Holz eine Ikone malen zu können. Die wichtigsten Materialien, wie die vorgrundierten Ikonenbretter und das Gold, hat sie mitgebracht. Bei der Einführung betont sie, dass niemand sich stressen lassen und stattdessen die Ruhe finden solle. „Alle Fehler können korrigiert werden.“

Auf die Kursteilnehmerin Silvia Kreienbühl haben diese Worte beruhigend gewirkt. Zu Kursbeginn noch unsicher, ob sie die Ikonenmalerei schafft, fühlte sie sich von den anderen Teilnehmenden bald getragen. Den Malprozess erfuhr sie harmonisch, sie konnte sich führen lassen und habe gedacht, es kommt sicher gut. Die Ikone erhält einen Ehrenplatz in ihrer Wohnung. „Ich werde sie bei meinem täglichen Rosenkranzgebet verwenden.“

Ikonen sind Kult- und Heiligenbilder, besonders der orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus. Die Ikonen sollen Ehrfurcht erwecken und eine existenzielle Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Dargestellten ermöglichen. Wer eine Ikone herstellt, kopiert ein bestehendes Abbild einer früheren Ikone. Variationen gebe es, so Lilian Koller, bei den Details der Gesichtsgeometrie, bei den Händen oder der Stellung des Finger nicht; höchstens bei der Farbtongebung. Bei der Ikonenmalerei wird im Gegensatz zum üblichen Vorgehen vom Dunkeln ins Helle gemalt. Mit bis zu zwanzig Schichten wird die Ikone in einem Prozess des „In-sich-Gehens“ aufgehellt – dies kann 120 Stunden dauern.

Der Kurs in Christkönig dauerte 14 Stunden, doch die Teilnehmenden können stolz auf „ihre“ Ikonen sein. Rita Gruber, auch sie Anfängerin und ohne Malerfahrung, führt die erstaunlichen Ergebnisse auf die Kursleiterin zurück, die Schritt für Schritt erklärte und dadurch Sicherheit auslöste. Zum Kursabschluss segnete Kaplan Jean-Marc Chanton die Ikonen, gemeinsamen singen sie ein Marienlied und runden so zwei bewegende Tage ab.

Niklaus Baschung

28. November 2017
erstellt von angelus
  • Pfarrblatt / Angelus