Der Schmutzli und sein Samichlous. Foto: Françoise Alsaker

Im Schatten des Samichlous

Meist geht oder steht er ein paar Schritte hinter seinem Genossen. Draussen trägt er den schweren Sack und die alte Rute. Kein sehr dankbarer Job. Eine dunkle Kutte hat er an, und manchmal auch einen Bart, der die Hälfte seines schmutzigen Gesichts verdeckt. Seine Augen erscheinen dafür umso heller. Aufmerksam beobachtet er, was um ihn herum geschieht. Er sieht und hört viel. Wenn er draussen sprechen würde, könnte er viel erzählen. Früher kam er zum Drohen und Strafen mit. Die Jahre haben ihn wohlwollender, schon fast sympathisch gemacht.

Dennoch: ein 6. Dezember ohne Samichlous? Undenkbar! Und derselbe Tag ohne ihn, seinen Begleiter? Sein Kamerad würde ihn vermissen. Ohne ihn, seinen Freund und Helfer, wäre er wie Sherlock Holmes ohne Watson. Wie Harry Potter ohne Ron. Wie Kate Middleton ohne Prinz William. Wie Barack Obama ohne Michelle. Oder wie Maria ohne Josef.

Von den Besuchen draussen weiss er, dass sie alle, ob jung oder alt, froh sind um einen Gefährten. Um einen, der mitkommt, mitträgt oder einfach da ist. So wie er. «Ja», sagt der Samichlous, «merci, Schmutzli.»

Anouk Hiedl


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27. November 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 49-50
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