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Johannes der Täufer (Heiliger)

Den Tannenbaum haben Sie vielleicht schon weggepackt und die Weihnachtskekse sind wohl längst alle gegessen, die Weihnachtszeit aber geht erst diesen Sonntag offiziell zu Ende – mit der «Taufe des Herrn». Am Sonntag nach Dreikönigstag wird der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer gedacht.

Wer war dieser Mann, den Jesus selbst um die Taufe bat? Dass Johannes wirklich gelebt hatte, gilt als historisch einigermassen gesichert. Er waltete als selbst ernannter Prophet und Prediger an den Ufern des Jordan und hatte die Endzeitthematik zum Programm gemacht. In erster Linie rief er seine Jünger zur Umkehr auf, in Anbetracht einer bald nahenden Zeitenwende und der bevorstehenden Ankunft des Messias. Im Gegensatz zu Jesus tat er dies aber warnender: Er betonte das Gericht, wo Jesus Umkehr aus Liebe forderte.

Dass sich Jesus, der Sohn Gottes und Messias, selbst von einem ganz normalen Wanderprediger taufen liess, ja bei ihm Sündhaftigkeit bekannte, sorgte unter den frühen Christen für einigen Wirbel. Hätte sich Jesus denn nicht wenn schon … selbst taufen sollen? Die Theologie tat sich teilweise schwer, in Jesus sowohl den Messias als auch den Demütigen zu sehen, der Johannes um die Taufe bittet. Zudem nimmt man heute an, dass Jesus nicht nur für seine Taufe bei Johannes weilte, sondern sich ihm einige Zeit als Schüler anvertraute. Der Messias, der von einem exzentrischen Asketen lernt? Tatsächlich ist diese Annahme theologisch brisant, entkräftet sie doch das Bild von Jesus als durch und durch weisem, abgeklärtem, schon als Jugendlicher oder Kind «vollendetem» Messias. Auch Jesus hatte zu lernen.

Die Taufe ist ein Ritual zur Umkehr. Bei Johannes geht mit der Taufe eine Bitte um Vergebung einher, ein Bekenntnis von Schuld. Die Entscheidung Jesu, sich taufen zu lassen, geschieht aus Solidarität – mit den Menschen, die in dieser schwierigen Welt leben, die sich nach Gerechtigkeit sehnen. Jesus stellt sich nicht über, sondern neben uns – uns alle, die wir Schuld und Hoffnung mit uns herumtragen.

Sebastian Schafer

Katholisch kompakt im Überblick

9. Januar 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 2
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