Habe ich eine Seele? Foto: micharoth / photocase.de

Jugendtheologie, die –

Eine viel gestellte Frage, besonders von älteren Kirchgängern, Jugendverantwortlichen und langsam, angesichts des drohenden Aussterbens der katholischen Kirche in der Schweiz, auch der gesamten Kirchenhierarchie, lautet: Wieso interessieren sich Jugendliche nicht mehr für den Glauben?

Verschiedene Faktoren werden dafür verantwortlich gemacht. Zu klerikal, zu altbacken, zu theologisch seien die Kirche und ihre Inhalte zum Beispiel. Während ich den ersten beiden Punkten durchaus zustimme, werde ich beim letzten stutzig. Zu theologisch? Könnte es nicht eher sein, dass die Jugendarbeit der Kirche zu wenig theologisch ist? Aus eigener Religionsunterricht-Erfahrung muss ich sagen: Der kirchliche Religionsunterricht ist nicht zu wenig theologisch. Die Frage ist nur, was ich unter Theologie alles verstehe – beziehungsweise unter Jugendtheologie. Beim Gedanken an Arbeitsblätter für 16-Jährige mit Aufgaben wie «Allen geht’s manchmal schlecht. Beschreib eine Situation, in der dir Gott geholfen hat!» kräuseln sich mir die Zehennägel. Das kann doch keine bewegende Theologie sein, die Jugendliche ernst nimmt! Warum nicht tiefer schürfen? Friedrich Schweitzers Jugendtheologie schlägt so etwas vor. Er unterscheidet drei Stufen: Theologie von, mit und für Jugendliche. Dahinter steht der Wunsch, Jugendliche ernst zu nehmen, in den Fragen, die sich stellen – und zu denen sie angeregt werden sollten. Gerade Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren beschäftigen sich intensiv mit lebensphilosophischen und fundamentalen Fragen. Das Schlimmste, was die Jugendarbeit hier tun kann, ist, sie mit Sitzkreisen und Kerzenbasteln endgültig abzuschalten. Es soll an dieser Stelle keinesfalls für reaktionären Religionsunterricht plädiert werden, der aus Auswendiglernen des Katechismus besteht. Aber: Gelungene Jugendtheologie muss gehaltvolle, inhaltsreiche Fragen aufgreifen und reflektieren. Habe ich eine Seele? Was bedeutet es, dass mit Jesus der Tod besiegt wurde? Was bedeutet es, wirklich zu lieben?

Sebastian Schafer

katholisch kompakt im Überblick

 

 

3. Oktober 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 41-42
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