Elisabeth Rosario Rivas musste sich selber hier in der Schweiz integrieren, sie versteht also viele ihrer Klient*innen sehr gut. Foto: Guido Lauper

Lebenserfahrung

Elizabeth Rosario Rivas führt seit einem Jahr die neue Fachstelle Diakonie im Pastoralraum Bern Oberland. Ihre eigene Lebenserfahrung erlebt sie als Schlüssel zu den Mitmenschen. Guido Lauper hat sie besucht.

In einer Grossfamilie in der Dominikanischen Republik aufgewachsen, hat die diplomierte Psychologin vor neun Jahren in der Schweiz neu angefangen. Sie weiss, was Menschen auf den Schattenseiten des Lebens empfinden und erleben.

«Mein Ziel war mir schon immer klar: Ich will mit Menschen arbeiten», erinnert sich Elizabeth Rosario Rivas an ihre Jugendzeit. «Das Familienkonzept zu Hause ist ganz anders», ergänzt sie. «Zur Grossfamilie gehören Grosseltern, Onkel, Tanten und nicht nur Blutsverwandte. Schon da gings nicht ohne gegenseitiges Verständnis und Mitgefühl.» So habe sie eine natürliche Empathie entwickelt, die sie befähige, «mich in andere Menschen hinein zu versetzen».

2009 versuchte Elizabeth ihr Glück in der Schweiz. Beruflich überqualifiziert, begann sie in Bern als Küchenhilfe. «Dabei erlebte ich, was es heisst, in einem fremden Land neu zu starten, am Tag zu arbeiten und am Abend eine fremde Sprache zu lernen.» Alltag, wie ihn die meisten Migranten erleben. «Diese Menschen merken, dass ich sie verstehe und mich selber integrieren musste.»
Das Wissen, eigene Fähigkeiten in der Schweiz nicht gebrauchen zu können, erfordere viel Durchhaltewille. Erst auf Anfrage verrät sie, sie beherrsche nebst der Muttersprache Spanisch auch Englisch, verstehe «sehr gut Portugiesisch und Schweizerdeutsch».

Durchhaltewille brauchte sie auch durchs Studium der Sozialarbeit und -politik an der Universität Fribourg, wo sie heute zum Master unterwegs ist. Seit 2006 im Sozialbereich tätig, arbeitete sie anfänglich mit Jugendlichen.
«Beim Einstieg wurde ich von Caritas Bern und der Fachstelle für Sozialarbeit FASA massgebend unterstützt», schaut sie dankbar zurück. Bei ihren Einsätzen für «ganz unterschiedliche Menschen» in der ersten vor einem Jahr geschaffenen Stelle für Diakonie im Pastoralraum – also für die Arbeit der Kirche im Dienst am Mitmenschen – mache sie multikulturelle Bekanntschaften.

«Unterwegs zum Büro in der kath. Kirchgemeinde Interlaken werde ich als vermeintliche Touristin oft englisch angesprochen», lacht sie und bestätigt, «meine sichtbare Herkunft und Sprachkenntnisse sind entscheidend, um bei Migranten Vertrauen zu schaffen.»

Diese zu beraten, dazu schuf der Pastoralraum Bern Oberland im Auftrag des Bistums Basel die Fachstelle Diakonie mit Sitz in Interlaken, mit dem Kirchgemeindeverband der röm.-kath. Kirchgemeinden als Trägerschaft. Das Pilotprojekt mit der 60-Prozent- Stelle ist vorerst auf drei Jahre befristet. Geschaffen wurde die Stelle nicht zuletzt im Hinblick auf die Kürzungen der öffentlichen Hand in den Sozialbereichen.

Elizabeth Rosario Rivas ist in allen sieben Pfarreien unterwegs, also von Meiringen bis Gstaad und Thun, wo sie sich mit Kollegin Stephanie Oldani austauscht. Mit Laptop und Handy ausgerüstet, arbeitet sie auch im Zug oder Bus. Menschen in finanziellen Notlagen verweist sie an zuständige Sozialdienste. «Erst wenn niemand mehr zuständig ist, helfen wir direkt», präzisiert sie.
Fragen nach den richtigen Stellen beantwortet sie auch für Pfarrämter und ihre Mitarbeitenden. Moralische und finanzielle Unterstützung suchen Menschen mit Suchtproblemen und kleinem Budget, Migranten beim Ausfüllen von Formularen und Gesuchen, Arbeitsuchende und Obdachlose.

Als konkretes Beispiel verweist Elizabeth Rivas auf ein betagtes ausländisches Ehepaar mit kleiner AHV-Rente, das keine Ahnung vom Anspruch auf Ergänzungsleistung gehabt habe. Die Fachstelle für Diakonie sei kein Selbstläufer, was Elizabeth mit der regen Zusammenarbeit mit allen Sozialdiensten der Region Berner Oberland begründet; unter anderem mit der Teilnahme am Sozialgrossrapport und der regionalen Schuldenberatungsstelle Hifidi in Spiez. «Damit ich sicher bin, dass eine Person nicht bereits anderweitig Geld bezieht.»

Zum Selbstschutz wohnt Elizabeth Rosario nicht in Interlaken und schaltet das «geschäftliche Handy» in der Freizeit aus. Diese verbringt die begeisterte Naturliebhaberin meist im Oberland und hält damit ihr Heimweh in Grenzen.

Guido Lauper

 

Elizabeth Rosario Rivas von der Fachstelle Diakonie erreichen Sie via Tel. 079 586 02 29 oder E-Mail: sozialarbeit.beo(at)kathbern.ch

Pastoralraum Oberland

4. April 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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