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Lichte Momente

Es ist eine enorme Herausforderung, in den Spitalzimmern individuellen Trost auszusäen, wie Barbara Moser schreibt

Es geht mir heute gar nicht gut, meint die Patientin, die regungslos auf dem Rücken liegt. Arme und Beine sind dick einbandagiert. Die blau schwarzen Fingerkuppen heben sich deutlich vom weissen Verband ab und sind nicht zu übersehen. Die Frau erzählt mir von ihrer Krankheit, von ihren Ängsten und ihren Sorgen. Wenn das allerschlimmste eintreten sollte, nämlich die totale Abhängigkeit, dann möchte sie nicht mehr leben, fügt sie an. Und Morgen werde sie in eine Spezialklinik nach Genf verlegt. Weit entfernt von zu Hause.

Gibt es in all dem etwas Leichtes, Helles oder sogar Heilsames, will ich wissen? «Ja klar», sagt die Patientin bestimmt, «dann wenn mein Mann kommt oder meine Schwester. Das tut mir gut.» Betrübt folgert sie: «Leider können meine Katzen, meine zwei Tigerkatzen, nicht hier sein. Ich vermisse sie so sehr».

Folglich versuchen wir sie gedanklich ins Spital zu holen und lassen sie auf das Krankenbett springen. Die eine schmiegt sich eng an die rechte Flanke der total ausgelieferten Frau und die andere macht es sich auf ihrem Bauch bequem. Die Katze schnurrt. Und sie wärmt die Eingeweide, die heute besonders viel Mühe bereiten und deshalb viel Zuwendung brauchen.

Barbara Moser, reformierte Seelsorgerin

Die Kolumnen der Spitalseelsorge im Überblick

5. Juni 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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