Blick in die katholische Kleiderkammer. Foto: fotolia/joserpizarro

Liturgisches Gewand, das –

Die katholische Liturgie ist ohne ihre dekorativen Gewänder nicht zu denken. Zu unserem Bild eines Priesters gehört automatisch ein Messgewand, ein Talar, eine Stola – doch was hat es mit diesen schmucken und – zugegebenermassen – teilweise exzentrischen Kleidungsstücken auf sich?

Die Geschichte der sogenannten Paramente beginnt erst in der Spätantike. In frühchristlichen Gemeinden gab es keine spezifischen Kleidervorschriften. Es wurden festliche Gewänder getragen, aber diese unterschieden sich nicht essenziell von der alltäglichen römischen Tunika. Dies änderte sich mit der Völkerwanderung.

Die einfallenden Germanen brachten Raub, Plünderung, Mord und – Hosen. Diese barbarische Verrohung der Sitten setzte sich in der Liturgie nicht durch. Die römische Tunika blieb in Form der Alba erhalten, dem weissen Grundgewand aller Mitwirkenden am Altar.
Der Priester trägt zusätzlich die Kasel, meist Messgewand genannt, ebenfalls ein Relikt aus römischer Zeit: Der Überwurf erinnert an die Wettermäntel der römischen Bürger, der Paenula, und ist eigentlich nichts anderes als eine extravagante Pellerine.
Desgleichen der Chormantel, auch Pluviale (von lat. pluvia: «Regen») genannt: Er ist aufwendiger verziert, ist vorne offen und ersetzt zu besonderen Anlässen das Messgewand.

Zur Grundausstattung des Priesters und der Diakone gehört ausserdem die Stola. Der Stoffstreifen, je nach Anlass und Datum in der jeweiligen liturgischen Farbe gehalten, soll das Joch Christi symbolisieren, welches der Träger auf sich nimmt.
Die Stola ist eines der ersten wirklichen klerikalen Insignien: Schon 372 n. Chr. findet sie auf der Synode von Laodicea Erwähnung.

Das typischste Priestergewand übrigens, die Soutane oder Kasel, entstand erst im 16. Jhdt. in Italien. Sie wurde gleichermassen von Juristen, Ärzten und Priestern getragen und verschwand in den 1960ern grösstenteils – weil deren Träger oft angefeindet wurden. Es galt: «Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren» – aber da hat man sich um sechshundert Jahre vertan.

Sebastian Schafer


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4. April 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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