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Passion Christi, die –

Die «Feier vom Leiden und Sterben Christi» steht am Karfreitag im Zentrum, zur dritten Stunde, als Jesus am Kreuz verstarb.

«Leiden und Sterben»: Solche Schwerpunkte müssen für Nichtkatholik*innen manchmal schon schwer zu verstehen sein. Überhaupt: Was ist das für ein Gott, der seinen eigenen Sohn derartigen Qualen überlässt? Als hätte es keinen einfacheren Weg gegeben, den Menschen zu zeigen, wer denn nun der wahre Gott sei. Überspitzt ausgedrückt: dieser Sadist von einem Gott lässt seinen Sohn hinrichten – um die Menschen zu erlösen, denen er ja selbst die Erbsünde auferlegt hat.Unangenehme Fragen tauchen da auf. Es stimmt ja eigentlich auch. Wieso muss bei uns Christ*innen immer alles mit Schmerzen, mit Leid zu tun haben? Zumindest scheint es vielen Leuten so. Wenn vom Glauben die Rede ist, von Jesus oder von Gott überhaupt, dann steht schnell irgendwie das Negative im Zentrum – das Vergehen, die Strafe, das ehrfürchtige Schweigen und Sich-Beugen vor dem Opfer. Im Sinne von: Ich habe mich klein zu fühlen in Anbetracht dessen, was der Herr für mich getan hat.

Diese Haltung ist eigentlich völlig verkehrt. Es stimmt, der Tod Christi war grauenhaft. Es ist etwas, was Menschen anderen Menschen antun. Was tagtäglich geschieht, jeden Tag sterben Tausende Menschen am Kreuz, auch zweitausend Jahre nach der Erlösung durch Jesus. Es ist da, dieses böse Nichts, existiert immer noch, macht uns sprach- und hilflos. Romano Guardini beschreibt es so: das Gefühl, wenn wir realisieren, dass wir etwas getan haben, was Schmerz bedeutet – für mich, für andere. Wir wissen: ich muss hinaus aus dieser Hilflosigkeit und Schuld. Ich kann es nicht ungeschehen machen, nicht selbst jedenfalls. Ich müsste ganz tief an mein Ich, irgendwie an den letzten Grund gelangen, wo ich ans Nichts grenze. Aber der Mensch kann seine Schuld nie vollständig verstehen, sie nicht durchblicken und auflösen. Er kann daran verstören, verzweifeln.

Jesus durchging genau das – ein Mensch, der fähig war, in die tiefste Tiefe zu stürzen. Dort entstand die Neue Schöpfung. Die Sicherheit, dass wir geliebt sind. Weil jemand dort war, wo wir nicht hinkommen.

Sebastian Schafer

«katholisch kompakt» im Überblick

3. April 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 8
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