Unterwegs auf dem Jakobsweg im Norden Spaniens. Foto: fotolia, hanswichmann

Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Foto: fotolia, TIFFotos

Rekord! 300'000 Menschen auf dem Jakobsweg

Noch nie pilgerten so viele Menschen zum Grab des Apostels Jakobus nach Spanien. 2017 sind über 300'000 Pilger in Santiago de Compostela angekommen. Die meisten waren zu Fuss unterwegs, viele reisten auch per Velo oder Pferd und 43 Personen waren im Rollstuhl unterwegs.


Diese Zahlen und Informaionen lieferte am Wochenende die Schweizer Webseite pilgern.ch. Sie berufen sich auf das offizielle Pilgerbüro in Santiago. Mit den aktuellen Zahlen wurden die bisherigen Rekordankünfte von 2016 (277'854) und dem Heiligen Jakobusjahr 2010 (272'417) weit übertroffen.

Im Jahr 2017 sind laut dem offiziellen Pilgerbüro 301'036 Pilgerinnen und Pilger in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens angekommen. Die traditionelle Pilgerurkunde bekommen im Pilgerbüro von Santiago nur jene, die anhand der Stempelfolgen im Pilgerausweis nachweisen können, mindestens die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu Fuss beziehungsweise 200 Kilometer mit dem Velo zurückgelegt zu haben.

2017 wurde somit erstmals die 300'000-er Marke überschritten. Selbst in den «Heiligen Jahren» des Pilgerorts, das sind jene Jahre, an denen der Festtag des Heiligen Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag fällt, blieben die Pilgerzahlen unter derjenigen von 2017. Heilige Jahre fanden 1993, 1999, 2004 und 2010 statt, das nächste wird 2021 sein, wie der Pilgerplattform pilgern.ch zu entnehmen ist.

Auch zu Pferd und im Rollstuhl
Von den über 300'000 Pilgern waren letztes Jahr 49 Prozent Frauen gegenüber 51 Prozent Männern. 93 Prozent pilgerten zu Fuss, 7 Prozent mit dem Velo. 417 Personen (0,14 Prozent) legten den Weg zu Pferd zurück und 43 Personen (0,01 Prozent) pilgerten im Rollstuhl.

Etwas mehr als die Hälfte der Jakobspilger waren 2017 zwischen 30 und 60 Jahre alt (55 Prozent), knapp 28 Prozent unter 30 und 17 Prozent über 60 Jahre alt. Viele Pilger geben religiöse Gründe als Motivation an (43 Prozent ausschliesslich religiöse Gründe, 47 Prozent religiöse und kulturelle Gründe). Nur 9 Prozent pilgerten ausschliesslich aus kulturellen Gründen nach Santiago.

Schweiz auf Platz 21
Nahezu die Hälfte aller Jakobspilger kamen aus Spanien (44 Prozent), gefolgt von Italien (16), Deutschland (14), den USA (10), Portugal (8) und Frankreich (5). Die Schweiz ist in der jüngsten Statistik nicht aufgeführt. 2016 belegte sie mit 0,52 Prozent (1452 Personen) den 21. Platz.

Josef Schönauer, der das Portal pilgern.ch betreibt, beobachtet, dass die Zahlen sehr regelmässig ansteigen: Jedes Jahr kämen rund 5000 bis 6000 Pilger mehr in Santiago an. Er hält jedoch auch fest, dass die Zahlen nichts über die Häufigkeit von Pilgernden auf den Strecken quer durch Spanien und in anderen Ländern aussagten.

Jährlich rund 5000 Pilger mehr
In den letzten Jahren sind Pilgerschaften im Winter in Mode gekommen. Sie sind zwar aus Temperaturgründen nicht zu empfehlen. Doch mancher echte Jakobspilger finde dann Stille und Einsamkeit ohne Massenandrang.

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Strassen und Wegen. Seit dem neunten Jahrhundert führt er Pilger vom Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und schliesslich Frankreich zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus ins spanische Santiago de Compostela.

Im Mittelalter erstreckten sich die Tagesetappen meist von einem «heiligen Ort», an dem Reliquien verehrt wurden, zum nächsten. Neben den fast zahllosen Verästelungen und Zubringern gab es (je nach Zählung) vier bis sechs Hauptrouten durch Frankreich. Auch in der Schweiz gibt es zahlreiche offizielle und inofizielle Jakobsweg-Routen. Auch durch den Kanton Bern. Die beliebteste Route führt aber zweifellos nach Einsiedeln.

Seit 1982 Papst Johannes Paul II. und 1987 der Europarat zur Wiederbelebung der Jakobswege aufriefen, hat auf dem ganzen Kontinent eine Renaissance dieser «europäischen Kulturbewegung» eingesetzt, wie eine immer weiter steigende Zahl von Pilgern belegt. Allerdings spielen neben religiösen auch touristische und sportliche Motive eine zentrale Rolle.

kath.ch/sys/kann/kr

Tipp: Der deutsche Entertainer Hape Kerkeling löste mit seinem Reisebericht «Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg» 2006 quasi einen Pilger-Boom aus. Das Werk wurde mit Devid Striesow in der Hauptrolle 2015 verfilmt. HIER gibt es den Trailer.

 

 

 

8. Januar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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