«Hebe deine Augen auf zu den Bergen»: das Weisshorn. Foto: Ariane Piller

Sehnsuchtsort Berge

Ein strahlender Sonntagnachmittag. Der wolkenlose Himmel und die frühlingshaften Temperaturen locken. Ich schnüre meine Wanderschuhe und marschiere los, das schneebedeckte Alpenpanorama immer vor Augen.

Im Rhythmus der Schritte und des Atems sortieren sich die Gedanken, weitet sich der Horizont. Die wohltuende Wärme der Sonnenstrahlen, das Singen der Vögel, die ersten Frühlingsblumen: Schneeglöckchen, Primeln und Krokusse.

Leise erklingt in mir die Melodie «Hebe deine Augen auf zu den Bergen». Ob wohl Felix Mendelssohn die Idee zu seiner berühmten Komposition auch bei einer Wanderung gekommen ist? Mendelssohn war ein begeisterter Wanderer. In der Frühzeit des Tourismus hat er zu Fuss die halbe Schweiz erkundet, teils auf waghalsigen Routen. «Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen – woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Erde und Himmel gemacht hat. Er lässt deinen Fuss nicht wanken.» Ja, wie oft habe ich in der Vergangenheit heikle Situationen am Berg überstanden! Dankbarkeit steigt in mir auf.

Plötzlich ein Rauschen, ein hohes Stimmengewirr: ein riesiger Starenschwarm, immer mehr kommen dazu. Auf Telefondrähten ruhen sie sich für die nächste Etappe aus. Sie finden Nahrung: Insekten, vereinzelte Beeren vom letzten Herbst. «Der Herr ist dein Hüter, er steht dir zur Seite.» Vertrauensvoll wie die Vögel meine Schwingen ausbreiten, mich vom Wind tragen lassen.

Ich blicke wieder zum strahlenden Alpenkranz. Und ich stimme in den Segenswunsch von Psalm 121 ein: «Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst, von nun an bis in Ewigkeit.»

 

 

Ariane Piller
… ist Pianistin, Organistin, Kantorin, Chorleiterin und Musiklehrerin in und um Bern. Auftritte führen sie quer durch Europa.
Illustration: schlorian

 

 

 

«Wir nehmen uns die Zeit» im Überblick

6. März 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 6
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