Putzen als spirituelle und partnerschaftliche Übung. Foto: PeopleImages

Sind sie selbstreinigend?

Obwohl wir beide erwerbstätig sind, haben wir keine Putzfrau. Wir sind selbstreinigend. Vielleicht denken Sie: «Selber schuld» oder finden es ökonomisch absurd, dass hochqualifizierte Berufsleute ihre Zeit mit Staubsaugen und Wäschefalten verbringen. Ja, klar gibt es viele Immigrierte, die sich über eine Anstellung freuen würden. Und wahrscheinlich würde eine Facility-Managerin unsere Wohnung auch sauberer halten als wir selber.

Wie auch immer: Wir greifen selber zu Besen, Eimer und Mopp, um Krümel, Schlamm und Haare aufzuwischen. Vielleicht aus Respekt – den eigenen Dreck soll jeder selber in Ordnung bringen. Aber nicht nur: Einfache körperliche Arbeit zu tun, hat für mich und meinen Partner spirituelle Bedeutung. Sie macht uns bescheiden, holt uns auf den Boden und macht uns weniger privilegierten Menschen gleich.

Wer zu Hause putzt, ist eine fast intime Frage. Sie berührt das Selbstverständnis, die Rollen in der Partnerschaft, aber auch die Einstellung zu gesellschaftlichen Hierarchien und Einkommensunterschieden. Wenn wir die Unterschiede als gegeben annehmen und sie ökonomisch nutzen, so verstärken wir vielleicht die Unterschiede.

Dem wirken einige vorbildliche Initiativen wie «proper job» oder «ETCETERA» entgegen. Die Vermittlungsstellen geben der Beziehung zwischen dem Dreckverursacher und dem Dreckentferner einen sicheren, fairen Rahmen und tragen zur Wertschätzung für die Arbeit Letzterer bei. Das ist gut so – und gibt auch mir einen Impuls: Wenn ich jetzt zu Hause den Besen schwinge, so verbinde ich mich mit allen Besenschwingenden auf der Welt, verrechne mir Wertschätzung statt Lohn und bringe meine Gedanken in Ordnung.

 

«Wir nehmen uns die Zeit» im Überblick

 

 

  

 

Susan Glättli

38, die Geografin hat sich der Nachhaltigkeit und der Kommunikation verschrieben. Sie liebt Worte, nicht festgehaltene Musik, Wildnis und integre Menschen.

 

 

7. März 2018
erstellt von «pfarrblatt»
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Soziales