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Theologie, die –

Wer sich als Theologiestudent*in outet, ist nach der sichtbaren Überraschung des Gegenübers meist mit der Frage konfrontiert, was dort eigentlich gelehrt werde. Am meisten wird auf «Beten» getippt, vielleicht noch auf Philosophie, und damit hat sich’s dann.

Nun denn: Die Theologie gliedert sich in vier Hauptzweige. Die Biblische Theologie umfasst Auslegung und Erforschung von biblischen Texten. Dafür bedient sie sich literaturwissenschaftlicher Werkzeuge, wie sie etwa in der Germanistik vorkommen. Interdisziplinär ist auch die Historische Theologie. Sie hat die Geschichte des Christentums im Fokus und gliedert sich in Alte und Neue Kirchengeschichte und in Sonderbereiche wie Dogmengeschichte oder Patristik. Dabei hält sie sich strikt an die Methoden der Geschichtsforschung.

Tatsächlich über den Glauben geredet wird in der Systematischen Theologie. Dieser «theologischste» Pfeiler befasst sich mit dem Inhalt des Glaubens, und zwar auf drei Stufen: den Voraussetzungen dafür (Fundamentaltheologie), dem eigentlichen Inhalt (Dogmatik) und den Konsequenzen für das Handeln (Ethik). Den grösseren Teil nimmt hier die Dogmatik ein, die in verschiedenen Fächern diskutiert und reflektiert, was denn eigentlich geglaubt wird: Über Jesus spricht die Christologie, über den Menschen die Anthropologie, über die Erlösung die Eschatologie und so weiter. Den vierten Pfeiler bildet die Praktische Theologie. Diese umfasst sämtliche Praxis, die der christliche Glaube beinhaltet. Dazu gehören u.a. Seelsorge und Pastoraltheologie, also alles, was mit der Pfarrei zu tun hat, Liturgie, Religionspädagogik und Homiletik, also die Predigtwissenschaft.

Die Theologie ist wahrscheinlich das interdisziplinärste Studium, das man sich wünschen kann. Dass Theolog*innen noch Hebräisch, Latein und Altgriechisch lernen müssen, habe ich noch gar nicht erwähnt. Ein Gebet in der Vorlesung habe ich in vier Jahren übrigens erst einmal erlebt: im Rahmen einer Schöpfungstheologie-Vorlesung, zum Andenken an Stephen Hawking.

Sebastian Schafer

«katholisch kompakt» im Überblick

30. Mai 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 11
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