Ein Stein als Urne: Nathalie Heid gestaltet auch Urnen in Steinform. Sie fügen sich ins Bachbett ein - und verschwinden dann. Foto: Sebastian Schafer

Fast unsichtbar: Steinförmige Urne von Nathalie Heid. Foto:Sebastian Schafer

Die Wasserurnen von Nathalie Heid: Jede ist ein Unikat. Foto: Sebastian Schafer

Floristische Wunderwerke. Blumen-Assortiment von Beatrix Chopard. Foto: Sebastian Schafer

Federn und Blumen, schwebend vereint. Foto: Sebastian Schafer

Bei einigen Urnen mischte Nathalie Heid dem Ton grauen Mergel aus dem Münstersteinbruch bei. Foto: Sebastian Schafer

Nathalie Heid, Keramikerin (l.) und Beatrix Chopard, Floristin. Foto: Sebastian Schafer

Von schöner und schlichter Vergänglichkeit

Trauer verarbeiten. Diese Grundidee zog sich durch die gesamte Veranstaltungswoche «Passion in Ins».

Die katholische und die reformierte Pfarrei organisieren jedes Jahr gemeinsam eine Aktionswoche – passend zu den Kar- und Ostertagen. Da geht es um Tod, um Vergehen, aber auch um Neuanfang und Hoffnung. Werden und Vergehen standen auch dieses Jahr im Zentrum.

Mit Konzerten, Lesungen und Gottesdienst wurde ein Raum geschaffen, wo Besucher mit Trauer umgehen konnten. Jeder auf seine Art, in seinem Tempo. Und danach, vielleicht, die erlernte «Trauerarbeit» nach aussen trugen, wie Organisator und Theologe Eberhard Jost hoffte.

Nirgendwo ist Werden und Vergehen deutlicher, natürlicher und unmittelbarer sichtbar als in der Blüte einer Blume. Der Kreislauf von Knospen und Verwelken ist zutiefst symbolträchtig und im kollektiven Denken verankert. Bei der «Passion in Ins» wurde er sichtbar gemacht. Die Assoziation der keimenden und schwindenden Blüte mit unserem eigenen Werden und Vergehen wurde von der Floristin Beatrix Chopard umgesetzt, in Zusammenarbeit mit der Keramikerin Nathalie Heid.

In einer Ausstellung im reformierten Pfarrhaus ergänzten sich floristisches Kunstwerk und Keramik-Objekt. Statisch, zum verweilen einladend, fix installiert sind die Ausstellungsstücke – und doch strahlen sie Vergänglichkeit aus, sie scheint ihnen innezuwohnen. Denn die Töpfereien von Nathalie Heid sind nicht gewöhnliches Geschirr. Das produziert sie zwar auch, spezialisiert hat sie sich aber auf ein anderes Gefäss: die Urne. Spezielle Urnen sogar.

Heid brennt die Gefässe nicht. Der Ton wird so nicht hart, sondern bleibt wasserauflöslich, brüchig – vergänglich. Die Urnen sind deswegen in erster Linie für Naturbestattungen in Flüssen oder Seen gedacht. Innerhalb von einer Stunde lösen sie sich auf, zerfallen, und setzen die Asche der Verstorbenen Person frei. Das gibt den Angehörigen Zeit, Abschied zu nehmen, ein letztes Mal. «In der Schweiz sind Naturbestattungen glücklicherweise erlaubt», so Heid. «Vielen Menschen hilft es, diesen letzten Prozess des Vergehens in der freien Natur mitzuerleben. Es ist ein letztes, vollständiges Abschiednehmen – und dann ist der Mensch wirklich fort, und nicht einmal die Urne bleibt zurück. Dieser endgültige Abschluss kann sehr befreiend wirken.»

Die Urnen von Nathalie Heid sind meist in pastellweiss gehalten, schlicht, in runden, weichen Formen. In der Ausstellung in Ins ergänzen sie sich ausgezeichnet mit den Blumenkreationen von Beatrix Chopard. Wenn sie Trauergebinde oder Blumendekorationen für Abschieds- und Begräbnisfeiern gestalten müsse, sei der Kontakt zu den Trauernden enorm wichtig. Und gleichzeitig müsse sie selbst fühlen, umsetzen, was für Gedanken und Stimmungen im Blumenschmuck enthalten sein sollen.

Vergänglichkeit wurde sichtbar in Ins. Sowohl in Keramik als auch in Blumen. Und obwohl das dem Betrachter im Hinterkopf bleibt, bleibt auch die schlichte Schönheit der Kreationen. Bei einem Blumengesteck ist das Ende schon sichtbar: Die orange-braunen und dunkelvioletten Blumen werden eingerahmt von braunem, vertrocknetem Farn. Eine Lehrtochter habe das gestaltet, erklärt Chopard, anhand des Fotos eines Sonnenaufgangs, das sie gemacht habe. Über den braunen Farnwedeln leuchten die satten Blüten, scheinen die ersten Sonnenstrahlen durch die violetten Ausläufer der Nacht. Schönheit wäre nichts wert, wenn sie nicht vergänglich wäre.

Sebastian Schafer


Lesen Sie dazu:
Keine schnelle Antwort. «pfarrblatt»-Artikle zur Passion in Ins vom 21. März 2018

Website von Nathalie Heid. Die Keramikerin kann auch in ihrem Geschäft in der Länggasse an der Muesmattstrasse 41 in Bern besucht werden.

Website von Beatrix Chopard. Meisterfloristin Beatrix Chopard und ihr Team gestalten Festschmuck, Trauergestecke und alles, was floristisch schmückt. Die Gärtnerei befindet sich an der Bahnhofstrasse 73 in Ins.

 

 

4. April 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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