Trauern mit Muslim*innen

In der Schweiz sind rund fünf Prozent der Bevölkerung muslimisch. Durch das Zusammenleben entstehen gemeinsame Lebensgeschichten zwischen Muslimen und Christen: nachbarschaftliche Beziehungen, Freundschaften, Arbeitsbeziehungen, Partnerschaften, Ehen und vieles mehr. Gerade bei Trauerfällen stehen heutige Seelsorgende vor der Herausforderung, Sterbende und Nahestehende einfühlsam zu begleiten und, wenn erwünscht, eine interreligiöse Trauerfeier zu gestalten.

Der Arbeitskreis Religion Migration, der sich aus Vertretern der drei grossen christlichen Kirchen zusammensetzt, hat nun eine Broschüre für die christliche Seelsorge bei christlich-muslimischen Trauerfällen herausgebracht. Sie ist auch in französisch erhältlich. Verfasser ist der Beauftragte für die Spezialseelsorge und Palliative Care der Reformierten Kirchen, Pascal Mösli.

Die Handreichung ermutigt christliche Seelsorgende bei christlich-muslimischen Trauerfällen dazu, mit den muslimischen Betroffenen ins Gespräch zu kommen und danach zu fragen, was ihnen in dieser Abschiedssituation rituell wichtig ist. Es wird daran erinnert, dass auch sie in dieser einschneidenden Situation in ihrer Einzigartigkeit wahrgenommen werden sollen. Die Broschüre bietet auch wichtige Informationen über das Verständnis von Sterben, Tod und Auferstehung im Islam.
Es ist beispielsweise wichtig zu wissen, dass die Totenwaschung eine zentrale Rolle spielt oder dass beim Totengebet die Frauen je nach Kulturkreis mitbeten oder absent sind.

Auch gibt die Broschüre liturgische Hinweise für eine interreligiöse Trauerfeier. So werden Texte aus der Bibel und aus dem Koran vorgeschlagen, wobei die zentralen Zitate aus dem Koran sogar abgedruckt sind. Ferner wird anhand konkreter Beispiele gezeigt, vor welchen Herausforderungen Muslim*innen in der Schweiz bei einem Sterbefall stehen – sei es in der Klinik, in der Frage nach dem Ort der Bestattung oder der Frage, wie die Trauerfeier hier in der Schweiz vollzogen werden kann.

Die Broschüre besticht dadurch, dass sie ausreichend Praxisbeispiele aufführt und dabei immer wieder darauf aufmerksam macht, dass bei christlich-muslimischen Trauerfällen nicht nur die Religion eine grosse Rolle spielt, sondern auch die unterschiedliche Kultur. Die Seelsorgenden können hier als eine überaus hilfreiche Brücke zwischen den Kulturen und Religionen fungieren, wenn der Mut und Bereitschaft mitgebracht wird, sich auf die fremde Lebenswelt einzulassen. Die Praxisbeispiele verdeutlichen, dass viel für die Betroffenen gewonnen ist, wenn zwischen ihnen und unseren Institutionen, die bei einem Trauerfall involviert sind, und christlichen Trauerritualen vermittelt wird.

Martina Bär

Broschüre bestellen: Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn, Bereich OeME-Migration, Altenbergstrasse 66, Postfach, 3000 Bern 22, Tel. 031 340 24 24

10. Januar 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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