Foto: Andreas Krummenacher

Valentin, Heiliger –

Die Liebe sei eine schwere Geisteskrankheit, schrieb Platon. Grund genug, dem Schutzheiligen dieser furcht- und wunderbaren Liebe eine Kolumne zu widmen. Denn auch wenn heute der Valentinstag im kollektiven Bewusstsein schon fast komplett von christlichen Konnotationen befreit ist – eigentlich hat der Tag der Liebe seine Wurzeln im Frühchristentum.

Also von Anfang an. Wie viele christliche Heilige der ersten Jahrhunderte hatte auch der hl. Valentin unter der Christenverfolgung zu leiden. Beziehungsweise die hl. Valentine: Welcher Valentin genau der hl. Valentin war, ist nicht ganz klar. Im Italien des 3. Jh. lebte und wirkte jedenfalls ein christlicher Bischof und der römische Kaiser, dem dessen Engagement gar nicht gefiel, liess ihn eines Tages enthaupten.

Denn dieser Bischof Valentin war nicht ein Märtyrer wie jeder andere. Sein Revoluzzertum bestand darin, christliche Liebespaare trotz Verbot zu trauen und im Geheimen für sie Gottesdienste abzuhalten. Andere Quellen sprechen davon, dass er Soldaten verheiratete, denen die Ehe ebenfalls verboten gewesen wäre. Jedenfalls setzte er sich über die sowohl gesellschaftlich-kulturell als auch religiös-dogmatisch begründeten Eheverbote hinweg.

Kommt uns das bekannt vor?

Heute werden Priester aus dem Priesterstand ausgeschlossen, weil sie gleichgeschlechtliche Paare verheiraten. Wunderbar kirchenrechtlich begründet, dogmatisch, biblisch, ja biologisch begründet wird die Ablehnung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Seit frühchristlichen Tagen sperrten sich konservative Strömungen, allen voran die Kirche, gegen alle Schritte hin zur Befreiung der Liebe und der Sexualität – und alle Schritte wurden trotzdem getan. Es ist das Nicht-Normative, das andere, das von der kollektiv beschlossenen Norm Abweichende, das die Ordnung Hinterfragende, das uns Angst macht, das der Kirche Angst macht.

Deshalb lässt sie die heiligen Valentine unserer Zeit sinnbildlich enthaupten und manche Arten von Liebe verbieten. So als sei eine Liebe richtig und alle anderen – eine Geisteskrankheit. 

Sebastian Schafer

katholisch kompakt im Überblick

6. Februar 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 4
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