Papst Johannes Paul II. 2004 in Bern. Franziskus wird das Papamobil in Genf am 21. Juni nicht benutzen. Foto: Archiv

Von 268 Päpsten besuch(t)en 6 die Schweiz

Papst Franziskus wird am 21. Juni Genf besuchen. Er wird dort eine Messe lesen, eine Delegation des Bundesrates sowie den Präsidenten der Schweizerischen Bischofskonferenz treffen und das Ökumenische Zentrum besuchen. Franziskus ist der 6. Papst, der die Schweiz besucht. Ein Rückblick

Der Besuch des Papstes sei eine gute Gelegenheit für die Mitglieder des ökumenischen Rates der Kirchen wie auch für die gesamte ökumenische Bewegung, neue Wege der Zusammenarbeit zu finden, sagte der aus Luzern stammende Kardinal Kurt Koch im Vorfeld. Franziskus ist nicht der erste Papst, der das Ökumenische Zentrum besucht.

Papst Paul VI. und Johannes Paul II. in der Schweiz
Es war Papst Paul VI., der auf Einladung der internationalen Organisationen 1969 erstmals Genf und hier auch das Ökumenische Zentrum besucht hat. Er wollte so bewusst den von seinem Vorgänger Johannes XXIII. begonnenen Dialog mit anderen Kirchen fortsetzen. Ja, sogar der eher als konservativ geltende Papst Johannes Paul II. besuchte 1984 auf seiner Schweizer Reise ebenfalls das ökumenische Zentrum. Und nun wird Papst Franziskus zum 75. Jubiläum des Weltkirchenrates die Calvinstadt besuchen und den Spuren von Papst Paul VI. folgen (der dieses Jahr heiliggesprochen wird).  

Paul VI. (1963-1978) war übrigens der erste Papst seit längerer Zeit, der den Vatikan verliess. 1964 besuchte er das Heilige Land, 1969 Genf, wo er am 10. Juni 1969 von Bundespräsident Ludwig von Moos willkommen geheissen wurde. Ein von der Libreria Editrice Vaticana herausgegebener Band dokumentiert diesen ersten Papstbesuch in der Schweiz seit mehr als fünf Jahrhunderten (mit Fotos und allen gehaltenen Ansprachen).    

Ein Papstbesuch ist jeweils ein Ereignis. Von besonderer Art waren die drei Besuche von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) in der Schweiz. Noch in der Erinnerung vieler lebt der Berner Besuch des gesundheitlich stark angeschlagenen Papstes im Juni 2004, wo er anlässlich eines Jugendtreffens wie ein Popstar gefeiert wurde.  

Papstbesuche im Mittelalter
Der Besuch von Papst Paul VI. in Genf 1969 war der erste Papstbesuch in der Schweiz seit mehr als fünfhundertfünfzig Jahren. Im Jahre 1418 durchreiste nämlich der am Konzil von Konstanz (1414-1418) gewählte Papst Martin V. (1417-1431) im Juni von Konstanz aus die Schweiz und wurde in den Städten Schaffhausen, Bern, Freiburg, Genf und anderen Orten feierlich empfangen. Nach Aufenthalten in Brescia, Mantua und Florenz konnte er erst zwei Jahre später, im September 1420, in Rom Einzug halten. Papst Martin war es auch, der das Konzil von Basel (1431-1449) als ein weiteres Reformkonzil einberufen hatte.  

Ebenfalls eng mit der Schweizer Geschichte verbunden ist Papst Gregor X. (1271-1276). Er weilte am 20. Oktober 1275 in Lausanne, wo er die Kathedrale einweiht – in Anwesenheit des aus der Schweizer Geschichte bekannten König Rudolfs von Habsburg. Es war übrigens auch Papst Gregor X., der auf dem zweiten Konzil von Lyon 1274 eine strengere Ordnung für die Papstwahl einführte (ein Dekretale, das heute noch gilt), wonach ein Konklave zehn Tage nach dem Tod eines Papstes einzuberufen sei.

Leo IX.: Der erste Papstbesuch
Der erste (nachgewiesene) Papst, der die Schweiz besucht hatte, war Papst Leo IX. (1049-1054), ein Grafensohn aus dem Elsass. Er wurde gegen seinen Willen von König Heinrich III. auf einem Hoftag in Worms als Papst vorgeschlagen. Er nahm nur an unter der Bedingung, dass er durch das Volk und den Klerus von Rom gewählt würde – was dann 1049 in Rom geschah. Eine interessante Tatsache: Damals wählte noch das Kirchenvolk den Papst. Diese Tatsache wird sogar noch in Dokumenten zu Bischofswahlen in der Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt. Offenbar hat man inzwischen vergessen, dass in früheren Zeiten Bischofs- und sogar Papstwahlen vom Volk vorgenommen wurden.  

Leo IX. war ein mutiger Reformpapst, der gegen die Simonie, den Ämterkauf, auftrat. Er versuchte auch eine Einigung mit der griechischen Kirche, was ihm nicht gelang (Schisma 1054). Als Papst verliess er öfters Rom, um seine Anliegen zu vertreten; so reiste er, als Verwandter des deutschen Königs Heinrich III., öfters in die Länder nördlich der Alpen und durchquerte dabei auch die spätere Schweiz.  

Nur fünf Päpste – Leo IX., Gregor X., Martin V., Paul VI. und Johannes Paul II. – besuchten bisher die Schweiz. Papst Franziskus wird nun der sechste Papst in der langen Papstgeschichte – mit 268 Päpsten nach vatikanischer Zählung – sein, der unser Land besuchen wird.

Angelo Garovi

Hinweis:
Fotogalerien der beiden Bern-Besuche von Papst Johannes Paul II.
Die Papstmesse vom 21. Juni in Genf ist ausverkauft
 

8. Juni 2018
erstellt von «pfarrblatt» online
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