«Seelsorgerin sein für und mit allen und trotz allem»: Gabriele Berz-Albert.

Wir leben nicht für die Kirche

Gabriele Berz, die neue Gemeindeleiterin von Bruder Klaus Spiez, war in ihrer Heimatkirche in Deutschland die erste Ministrantin der Pfarrei. Mehr als vierzig Jahre ist das her. Allerdings – die Ministranten, die Jungs, wollten sie nicht im Team. Da liess sie sich was einfallen. Das macht sie als Frau in der Kirche bis heute. Unverzagt.

Vor ihrem Aufbruch nach Spiez treffen wir uns in Luzern. Gabriele Berz trägt einen Rucksack. Sie hat für neue Erfahrungen gepackt. Sie erzählt Episoden aus ihrer Jugend. Sie sind beispielhaft für die Entwicklung der Frauen im kirchlichen Dienst. Der katholische Pfarrer in ihrer Heimatstadt war ein Konzilstheologe. Er lud sie, die Tochter von Pfarreiratsmitgliedern, zum Ministrieren ein. Die Jungs im Team aber wollten kein Mädchen. «Dann aber hatten sie für ein Fussballspiel zu wenig Mitspieler», erzählt Gabriele Berz und lacht. «Ich meldete mich und machte meine Sache nicht schlecht. Jedenfalls brach damit ihr Widerstand. Ich durfte ministrieren. Allerdings nur in den Werktagsmessen und ohne Ministrantengewand.»

Nach der Firmung fragte sie der Weihbischof, was sie beruflich machen wolle: «Ich will Medizin studieren, antwortete ich. Der Weihbischof meinte, dass sei wohl nicht einfach, wegen dem Numerus clausus. Könnte man als Frau denn auch Theologie studieren, fragte ich. ‹Studieren schon›, antwortete der Weihbischof. ‹Aber bei der Anstellung nehmen wir dann doch lieber Männer.›» Gabriele Berz liess sich nicht einschüchtern. Sie zog in die Schweiz und begann in Luzern Theologie zu studieren. Sie arbeitete als Pastoralassistentin in Zug und Luzern, über 18 Jahre in Horw. An ihrer ersten Stelle war sie die erste Frau und dazu eine Deutsche. «Das brauchte einiges an Durchstehvermögen», lacht sie. Eine ältere Frau habe ihr nach einer der ersten Predigten gesagt, «so schlimm war das gar nicht, wie wir gemeint haben».

Und jetzt, am Abschiedsgottesdienst in Horw, hörte sie: «Wir können uns einen Gottesdienst ohne Frau im Altarraum gar nicht mehr vorstellen » «Dreissig Jahre liegen zwischen diesen Aussagen», sinniert Gabriele Berz mit ihren 58 Jahren: «Eigentlich nicht viel für den Kulturwandel, den sie ausdrücken.» Sie ist mit Fabian Berz verheiratet, der aktuell im Personalamt im Ordinariat des Bistums Basel arbeitet. Vorher teilten sich die beiden die Aufgabe der diözesanen Fortbildung der Seelsorgenden. Vier Kinder haben sie grossgezogen. Zwei sind ausgezogen, die beiden jüngeren sind noch am Studieren.

«Jetzt», sagt sie, «beginnt für uns eine neue Phase. Die Kinder sind flügge, mein Mann arbeitet durch die Woche in Solothurn. Da habe ich nun Zeit, auch einen weiteren Schritt zu versuchen. Ich hätte hier in Luzern als Pastoralassistentin oder Gemeindeleiterin arbeiten können, entschied mich dann aber für Spiez. Die Diaspora reizt mich.» Der Lebensmittelpunkt für die Familie bleibt Horw: «Wir haben das mit den Kindern so abgesprochen. Ich werde als Gemeindeleiterin in Spiez die Wohnung beziehen. Rückzugsort unserer Familie wird Horw bleiben.»

Warum zieht es sie in die Diaspora? «Die Gefahr in katholischen Gebieten ist, dass die Kirche zum Service-Betrieb verkommt. Man überlegt sich, was kann man noch anbieten, um die Gläubigen in der Kirche zu halten, und gerät in Gefahr, sich und die Botschaft zu verkaufen. Es geht doch um eine innere Haltung, um den Geist Gottes. Ich stelle mir vor, dass in der Diaspora diejenigen, die mitmachen, mehr aus innerer Überzeugung dabei sind als in volkskirchlich geprägten Gebieten. So jedenfalls sind meine ersten Eindrücke, die ich in Spiez gewonnen habe.»

Gibt es schon Ziele, die sie sich für Spiez und mit den Spiezern vorgenommen hat? «Ich freue mich, den Menschen in Spiez zu begegnen und mit ihnen herauszufinden, was der da oben mit uns allen vorhat», antwortet Gabriele Berz lachend, «mein inneres Motto stammt aus dem Johannes-Evangelium: Ich will, dass sie das Leben haben, das Leben in Fülle. Und ich sage dazu: für alle.» Was aber brauchen die Menschen heute von der Kirche, die sich so oft selbst im Weg steht? «Sie soll ein Ort sein, wo sie aufatmen und sich mit Fähigkeiten einbringen können, die sonst nicht so gefragt sind. Zudem braucht es ein gemeinsames Feuer. Dann ist man in Gott gehalten und kann sich gegenseitig bestärken.» Gabriele Berz hält einen Moment inne und ergänzt: «Wir leben aber nicht für die Kirche, sondern für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit. Dafür will ich Seelsorgerin sein, für und mit allen und trotz allem.»

Text und Foto: Jürg Meienberg

 

Feier der Installation
Am Sonntag, 15. Oktober, 09.30 wird Gabriele Berz-Albert als neue Gemeindeleiterin in Bruder Klaus Spiez von Pastoralraumpfarrer Kurt Schweiss feierlich in ihr Amt eingesetzt. In der Kirche Bruder Klaus, Belvédèrestrasse 6, 3700 Spiez.


Pfarrei Bruder Klaus Spiez

4. Oktober 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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