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Wir Menschen sind Geschichtenerzähler*Innen

Menschen thematisieren im Krankenzimmer nicht nur den Spitalaufenthalt, sondern sind voller Geschichten mit wertvollen Erfahrungen. J. Schweizer hört zu

«Ja, ich habe schon viel erlebt ...» Die Seelsorgerin hält dem Blick des Patienten stand und gibt ihm zu verstehen, dass sie bereit ist, der Geschichte ihres Gegenübers mit Ernsthaftigkeit, Interesse und Empathie zu begegnen. Bereit, ihren Erfahrungsschatz und ihr professionelles Handwerkszeug einzusetzen, um das Gespräch zur Seelsorge werden zu lassen. Der Patient holt tief Luft und wird zum Erzähler seiner eigenen Geschichte. Endlich. Leiden lässt verstummen und sucht dennoch nach Deutung, erklärt die Theologie- und Philosophieprofessorin Hille Haker. Nach einem Widerfahrnis muss Sprache erst wiedergefunden und die eigene Geschichte neu komponiert werden. In der Geschichte des Patienten findet nicht nur der Spitalaufenthalt, sondern grössere Zusammenhänge, Widerfahrnisse und Glücksmomente seines Lebens ihren Platz. Seine Ausführungen werden von der Seelsorgerin behutsam begleitet. Das Leben von uns Menschen ist voller Geschichten, die bereit sind, erzählt zu werden. Geschichten, die geduldig auf ein offenes Ohr warten. Als Praktikantin darf ich zwei Monate die Geschichten, die hier im Inselspital Bern erzählt werden, mithören und meiner eigenen Geschichte wertvolle Erfahrungen hinzufügen.

J. Schweizer, reformiert, Praktikantin Seelsorge

Die Kolumnen der Soitalseelsorge im Überblick

11. Juli 2018
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 29-30
  • Pfarrblatt / Angelus
  • Spirituelles