Frühlingsboten? - die Schweizer Bischöfe verschärfen ihre Massnahmen gegen Missbrauch in der katholischen Kirche. Foto: flickr

„WIR STEHEN IN DER PFLICHT“

NACH DEM ANTI-MISSBRAUCHSGIPFEL IN ROM HABEN DIE SCHWEIZER BISCHÖFE DIE RICHTLINIEN „SEXUELLE ÜBERGRIFFE IM KIRCHLICHEN UMFELD“ VERSCHÄRFT.

Konkret verschärft die katholische Kirche die bestehende Anzeigepflicht bei Missbrauchsverdachtsfällen. Kirchliche Amtsträger sind auch bei erwachsenen Opfern verpflichtet, bei Verdacht auf ein Offizialdelikt den Fall der staatlichen Justiz zu melden. In Fällen mit minderjährigen Opfern galt die Meldepflicht bereits. Erwachsene Opfer hingegen konnten aber Einspruch gegen die Erstattung einer Anzeige durch kirchliche Amtsträger erheben. Die Praxis habe jedoch gezeigt, "dass wenn keine Anzeigepflicht existiert, die Vertuschungsgefahr bestehen bleibt sowie die Gefährdung von potenziellen künftigen Opfern", heisst es in der Erklärung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK).

Die Anpassungen betreffen auch mehrere Ergänzungen in den für den kirchlichen Bereich vorgeschriebenen Präventionsmassnahmen. Künftig müssen Angestellte, die für die katholische Kirche in der Schweiz arbeiten möchten, einen sogenannten Privatauszug und Sonderprivatauszug aus dem Strafregister vorlegen. Auch muss jede Diözese und jede Ordens über einen Präventionsbeauftragten und ein eigenes Präventionskonzept verfügen. Einzelne Diözesen und Ordensgemeinschaften haben dies bereits umgesetzt.

Die Abfolge der Massnahmen – Bestimmen eines Beauftragten, Verfassen eines Konzeptes, Festlegen von Verhaltensrichtlinien – ist aus Sicht der Bischöfe eine wichtige Voraussetzung für eine umfassende Herangehensweise in der Bewältigung sexueller Übergriffe. Die Sprecherin der Bischofskonferenz, Encarnación Berger-Lobato machte deutlich, dass die konkrete Umsetzung der beschlossenen Massnahmen nun Aufgabe der Bistümer und Orden sei. Die SBK werde hier eine Kontrollfunktion wahrnehmen.

Forderungen wie Prävention oder Strafregisterauszug – auch für bereits tätige Mitarbeitende – sowie obligatorische Fortbildungen oder Verpflichtungen auf Verhaltenskodizes können allerdings nur dort vertraglich festgelegt werden, wo die Kirche auch Arbeitgeber ist. Die meisten in der Seelsorge und Katechese tätigen Mitarbeitenden sind bei kirchlichen Körperschaften, Kirchgemeinden oder Landeskirchen, angestellt. Hier ist es Aufgabe der Bistümer, die Körperschaften dazu zu bewegen, konkrete Forderungen auch in deren Arbeitsverträgen festzuschreiben.

Im Rückblick auf den Anti-Missbrauchsgipfel in Rom teilt die SBK die Enttäuschung von Opferorganisationen, die sich konkrete Massnahmen weltweit erhofft hatten. Auch die Schweizer Bischöfe «hoffen, dass konkrete Massnahmen aus Rom folgen werden».

Martin Spilker

29. März 2019
erstellt von angelu
  • Pfarrblatt / Angelus