Das «Glaubenssache-online-Team» (v.l.n.r.): André Flury, Angelina Güntensperger, Angela Büchel Sladkovic, Andreas Krummenacher und Nicole Arz Foto: Pia Neuenschwander

André Flury. Foto: Pia Neuenschwander

Angela Büchel Sladkovic. Foto: Pia Neuenschwander

Glaubenssache online: Es geht um Leben und Tod

Vor zehn Jahren leisteten Theologinnen und Theologen in Zusammenarbeit mit dem «pfarrblatt» Pionierarbeit. Sie entwickelten einen Online-Glaubenskurs. Die Entscheidung, konsequent auf einen Online-Kanal zu setzen, war damals tatsächlich neu. Heute ist es selbstverständlich und darum wird die Plattform wiederbelebt. Wir vom «pfarrblatt» unterstützen dieses Vorhaben erneut mit Überzeugung. Seit heute ist die Online-Plattform «Glaubenssache online» wieder am Start.

André Flury, Leiter der Fachstelle Kirche im Dialog, hat das Projekt reaktiviert. Er war schon vor zehn Jahren an «Glaubenssache online» beteiligt. Er will den Gedankenaustausch fördern. Auf «Glaubenssache online» sollen die Menschen über die grossen Themen via die Kommentarfunktion ins Gespräch kommen. Es geht also um Leben und Tod.

Angela Büchel Sladkovic bestätigt, dass vor zehn Jahren «diese kleinen Dialoge im Chat etwas Wunderbares» gewesen seien. Die Theologin war bei der ersten Ausgabe von «Glaubenssache online» ebenfalls beteiligt. Heute ist sie bei der Fachstelle Ehe-Partnerschaft-Familie engagiert. Gute Glaubensvermittlung gelingt für Angela Büchel Sladkovic dann, wenn diese nicht platt sei und Räume öffne. «Glaubenssache online» soll unaufdringlich und in einfacher, klarer Sprache Räume öffnen. Räume zur Beantwortung ethischer, religiöser, aber auch gesellschaftlich aktueller Fragen. Das «pfarrblatt» hat die beiden Fachpersonen um Antwort auf ein paar Fragen zum Projekt «Glaubensache online» gebeten. Machen Sie sich aber auf jeden Fall ein eigenes Bild. Ab heute ist www.glaubenssache-online.ch wieder genau das – online!

André Flury

Wieso wollen Sie das Projekt «Glaubenssache online» wiederbeleben?

Es geht mir darum, mit möglichst vielen Menschen über den christlichen Glauben ins Gespräch zu kommen. Die Online-Kommunikation ist eine sehr niederschwellige Möglichkeit dafür. Gerade auch Leute, die keinen Bezug zu Kirche und Glaube haben, können hier Informationen bekommen und einen Gedankenaustausch wagen.

Welche Inhalte werden präsentiert? Wer soll das lesen?

Bei «Glaubenssache-Online» sollen die grossen Themen des Glaubens zur Sprache kommen: die Frage nach einem sinnerfüllten Leben und nach dem Sterben, die Frage nach Gott und den Bildern, die wir uns von Gott machen, aber auch ethische und gesellschaftlich aktuelle Fragen.

Wie gelingt heute gute «Glaubensvermittlung»?

Es braucht aus meiner Sicht vielfältige Zugänge zu Glaubensinhalten und -erfahrungen: von Gesprächen über Kurse, Lektüre und Religionsunterricht bis hin zur Liturgie. Für alle Formen der «Glaubensvermittlung» ist wichtig, dass diese grundehrlich ist, dass sie das Gegenüber ernst nimmt und dass sie relevante Fragen des Lebens betrifft.

Welche Ziele verbinden Sie mit dieser Website?

Ich hoffe, dass hier eine gute Informations- und Austauschplattform entsteht. Es wird – anders als vor zehn Jahren – keine «Kursbriefe geben, es soll vielmehr intuitiv funktionieren: Ein Thema leitet zum andern über, mittels der Kommentar-Funktion kann diskutiert werden, ebenso durch das Verbreiten in Sozialen Medien.

Ihre Projekte sind sehr vielfältig, mit einem sehr breiten Spektrum an Themen und Formen. Woher kommt die Motivation dafür?

Wenn ich theologisch antworten darf, so ist es wohl das Angesprochensein: das Angesprochensein von Gott, der biblischen Botschaft, von diesem Rabbi Jesus von Nazareth, den wir als Christus bekennen. Ich erfahre im christlichen Glauben tiefen Lebenssinn und möchte daher diesen Glauben mit andern Menschen teilen.

Wenn Sie wüssten, dass sie noch genau eine Predigt schreiben könnten und dann ginge das Licht aus – welches Thema würden Sie behandeln?

Ich würde von der Dankbarkeit erzählen –, der Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens.

Angela Büchel Sladkovic

Welche Resonanz, welche Reaktionen hat das Projekt «Glaubenssache online» vor zehn Jahren ausgelöst?

Ja, ich erinnere mich gut. Es war ja mehr als «ein paar Lehrbriefe». Es gab Reaktionen auf die Texte, Kommentare, Fragen, die forderten – uns und die Teilnehmer*innen. Diese kleinen Dialoge im Chat waren etwas Wunderbares.

Haben Sie als Theologin ein Spezialgebiet, einen Fachbereich, der Ihnen besonders am Herzen liegt?

Ich bin in der kirchlichen Frauenbewegung – Frauenbund, Frauenkirche Bern, Weltgebetstag, Interreligiöses Frauenparlament – verankert und verdanke ihr und der feministischen Theologie viel. In meine Texte fliessen Frauen-erfahrungen und -perspektiven ein. Zudem interessiere ich mich für Sprache und Mystik.Als Fundamentaltheologin gehe ich Themen eher «philosophisch» (systematisch) an. André Flury, der von der biblischen Forschung her kommt, und ich ergänzen uns da gut.

Wie gelingt heute gute «Glaubensvermittlung»?

Glaubensvermittlung gelingt, wenn sie nicht platt ist, sondern Räume eröffnet. Mal anders daherkommt und nicht einfach in alten Bahnen denkt und spricht.Es scheint mir wichtig, bei Erfahrungen anzusetzen; sich nicht davor zu drücken, ich zu sagen, und Widersprüchliches und Zweideutiges zuzulassen. Der Glaube birgt Ressourcen für ein gutes Leben, hat kritisches Potenzial in Bezug auf Eigenes wie Gesellschaftliches.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit der Website?

«Glaubenssache online» ist ein niederschwelliges Angebot. Wenn uns heute etwas beschäftigt, suchen wir Informationen im Netz. Es geht darum, präsent zu sein mit einer guten Theologie, in einer Unaufdringlichkeit und einer einfachen, klaren Sprache. Ich hoffe, dass es uns gelingt zu zeigen, dass Glaube und Theologie für Menschen heute anregende und intelligente Gesprächspartner sein können.

Wenn Sie wüssten, dass sie noch genau eine Predigt schreiben könnten und dann ginge das Licht aus – welches Thema würden Sie behandeln?

Ich hoffe, dass ich noch ein bisschen Zeit habe. Und dann schreibe ich gerne über die zunehmende Kinderfreundlichkeit, Bischöfin Franziska und andere Hoffnungszeichen.

Text, Interview: Andreas Krummenacher

«glaubenssache-online.ch» - fundierte Informationen zu Glaube und Theologie.
Ein Engagement von «Kirche im Dialog», in Kooperation mit dem «pfarrblatt» Bern

11. März 2018
erstellt von «pfarrblatt»
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