pfarrblatt:

Highlights und Schwieriges der Nigeriareise

Dr. theol. Ignatius Okoli, leitender Priester

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«Für mich war die ganze Reise von Erfahrungen, Freude und Interesse geprägt. Mein persönliches Highlight war, wann immer Schweizer*innen und Nigerianer*innen zusammentrafen – bei Gottesdiensten, Familien- und Schulbesuchen, medizinischen Tagen, Hochzeiten, Tanz und nigerianischer Musik. Diese Anlässe waren Gelegenheiten zum kulturellen Austausch.»

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«Da Nigeria kein touristisches Land ist, war ich besorgt, ob meine mitreisenden «Swiss Friends of Nigeria» die Reise trotz der einzigartigen Erfahrungen vor Ort schätzen würden. Ich war auch ein bisschen besorgt um die Sicherheit und habe dafür zu Gott gebetet.»

Dr. med. Helen Hochreutener, Kinderärztin

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«Sehr beeindruckt haben mich die Begegnungen, die herzliche Willkommenskultur und das Erkennen der starken sozialen Netze in den Grossfamilien und unter Berufsfreund*innen. Die Menschen strahlen oft eine überbordende Lebensfreude aus – mit bunten Kleidern, Tanz und festlicher Musik. Highlights waren auch die Medizin- und Erziehungsprojekte, wo wir helfen konnten und vertieft mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kamen.»

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«Viele Aufgaben, die bei uns der Staat übernimmt, fehlen im nigerianischen Alltag: sichere Strassen, flüssiger Verkehr, medizinische und soziale Versorgung oder eine verlässliche Strom- und Wasserversorgung. Die Gesellschaftsstruktur ist stark patriarchalisch geprägt. Akute Erkrankungen wie Malaria, Lungenentzündung, Pilz- und Wurmerkrankungen konnten wir gut behandeln. Ich mache mir aber Sorgen, wie die Behandlung chronischer Krankheiten wie Asthma, Epilepsie, angeborene Herzfehler oder der Unter- und Fehlernährung weitergehen soll.»

Adolf Schmitter, IT-Software-Ingenieur

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«Während wir durch die engen Marktgassen liefen und ich zufällig filmte, sah uns plötzlich eine Marktfrau, und sie begann zu tanzen und zu singen. Ihre Ausstrahlung war ergreifend, fröhlich und ehrlich. Sie hat es genossen und war geehrt, dass wir «Weisse» hierherkamen und hat das in aller Öffentlichkeit zum Ausdruck gebracht. Ich war tief beeindruckt. Das zeigt die spontane, fröhliche und offene Art der Nigerianer*innen.»

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«Nigerianer*innen sind so oft fröhlich, dass man das Gefühl bekommt, sie seien immer glücklich. Ihre Fröhlichkeit ist kein Schein. Sie haben gelernt, den Moment zu geniessen, um ihre grossen Probleme zu ertragen. Es geht ihnen wirklich nicht gut. Mal ist die Regierung korrupt, welche die Wirtschaft aussaugt, und zum anderen wird das ökologische System durch die rasant wachsende Bevölkerung sehr belastet.»

Dr. med. Sabine Kaufmann, Spitalärztin

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«Am besten haben mir die zwei «Medical Days» im Compound der Familie Okoli gefallen. Ich empfand die Atmosphäre als sehr friedlich und herzlich. Mich beeindruckte auch der Kontrast zum rauen Strassenverkehr.»

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«Schwierig fand ich den Strassenverkehr, der mir wie ein ständiger Kampf ums Überleben vorkam.»

Elizabeth Rosario Rivas, Sozialarbeiterin

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«In Nigeria waren wir vom Aussehen her ganz anders. Das war für die Einheimischen speziell. Wir wurden oft nach Fotos gefragt, fast wie Promis. Zudem waren wir überall herzlich willkommen. Wir haben zahlreiche Einladungen angenommen, und es gab immer eine vielfältige Auswahl an Essen, u. a. Fisch, Fleisch und Reis. Die lebendige nigerianische Musik hat uns überall begleitet, unterwegs im Bus mit unserem Chauffeur Chuka, bei Einladungen, in der Kirche, bei Hochzeiten, im Hotel, etc. Es war sehr schön. Ich habe mich sehr wohl gefühlt mit den Kindern und Leuten, sie haben uns viel gegeben, vor allem Liebe und Dankbarkeit.»

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«Am Anfang sah ich nur die Kinder und Familien, die wir aufgrund der grossen Anzahl Menschen und dem Anbrechen der Dunkelheit nicht behandeln konnten. Ich brauchte etwas Zeit, um zu verstehen, dass unser Beitrag an den medizinischen Tagen in Ezira trotzdem einen ganz positiven Einfluss auf die Menschen hatte. Dort ist die Not an medizinischer Behandlung sehr gross. Wir waren nur ein kleines Team. Heute bin ich zufrieden, wenn ich höre, dass die Menschen dort dankbar sind.»

Isabelle Pfister, Expertin für Intensivpflege

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«Das positivste Erlebnis durfte ich an jedem Tag unserer Nigeriareise erleben: Die Herzlichkeit, Gastfreundschaft, Offenheit und das Interesse uns weissen fremden Menschen gegenüber hat mich zutiefst beeindruckt. Wertvolle, sehr schöne Kontakte sind geblieben, und davon darf ich auch Monate nach dieser Reise noch profitieren.»

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«Schwierig war für mich, überall zu sehen, dass sich der Staat nicht für die Bevölkerung einsetzt und die Leute auf sich selber gestellt sind. Die Strassen sind in schlechtem Zustand und sehr gefährlich. Die Menschen haben teilweise kein Geld für einen Spitalaufenthalt oder Medikamente. Viele Invalide oder beeinträchtigte Menschen sind auf sich selber gestellt. Hilfsinstitutionen sind oft privat oder von den Kirchen finanziert, so auch Schulen. Das macht das Leben in Nigeria sehr schwierig.»

Naomi Igbinigie, Beraterin Mobile Computer

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«Mein Highlight in Nigeria waren unsere zwei «Medical Days». Diese Zeit war unbeschreiblich und verflog so schnell, da man immer etwas zu tun hatte. Ich durfte dabei viel lernen. Die Leute waren so dankbar, da hat mich sehr berührt.»

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«Schwierig zu sehen oder zu verstehen war, wie man hier bei manchen Sachen vorgeht, zum Beispiel bei der strengen Erziehung oder der Brutalität in diesem Land.»

Jörg Rentsch, Gymnasiallehrer Maturitätsschule Reussbühl, Luzern

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«Die beiden Schulbesuche waren für mich am interessantesten. Es war mir eine Freude, so viele motivierte und neugierige Schüler*innen zu sehen!»

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«Die sozialen Unterschiede, vor allem das Leben der Ärmsten, haben mich nachdenklich gemacht.»

Marie Louise Igbinigie, Tagesmutter und Kirchgemeinderätin

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«Mein Highlight auf unserer Nigeriareise war ganz klar der Gottesdienst in Ezira. Die lebendige Spiritualität sowie die Fröhlichkeit und Herzlichkeit der Menschen dort haben mich zutiefst berührt.»

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«Dass es in diesem Land mit so vielen Ressourcen an Naturgaben und Menschen an grundlegender Basis-Infrastruktur in allen Bereichen (Bildung, Gesundheit, Sozialwesen, Wasser- und Abfallbewirtschaftung etc.) fehlt und viele Menschen von der Willkür einiger weniger mächtigen Personen abhängig sind, hat mich sehr beschäftigt und traurig gestimmt.»