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News-Artikel

Feldnische mit liegender Statue von St.Ursanne und einer Bärenstatue. Foto: wikimedia.

1400 JAHRE ST.URSANNE

NACH DEM EREMIT URSICINUS (GESTORBEN 620) IST DIE STADT ST.URSANNE BENANNT. EIN RUNDGANG ZUM JUBILÄUMSJAHR.

Auf einem Rundgang erläutert Diakon Philippe Charmillot die spirituelle Dimension des Jubeljahres. «Es sind 190 Stufen bis zur Grotte», sagt Philippe Charmillot, Diakon in St. Ursanne, und steigt flink die steilen Treppen hinauf. Er ist Mitglied im Komitee für das 1400-Jahr-Jubiläum des Städtchens am Clos du Doubs. Die Stufen sind hoch, einzelne mit Moos überwachsen, auf den Zwischenabsätzen sammelt sich Wasser vom morgendlichen Regen. «Wir belassen das bewusst schlicht», erläutert Charmillot, «andernorts hätte man das vielleicht ausgebessert», sagt er und zeigt auf das Moos und die Wasserpfützen. In St. Ursanne wolle man nur sanft restaurieren.

Die Grotte, in der St. Ursanne gelebt haben soll, befindet sich in einem Felsen direkt über der Stadt. Bevor er sie betritt, hebt Charmillot eine Postkarte auf, die am Boden liegt. Es ist eine jener Karten, die zum Jubiläum erstellt wurden. Darauf aufgedruckt sind verschiedene Fragen, die zum Nachdenken anregen sollen. «Gibt es in St.-Ursanne noch Wunder?», lautet die vorliegende. «Ich bin der lebendige Beweis dafür – Michel», steht von Hand als Antwort darauf. Charmillot zeigt die Karte wie ein Beweisstück, als wollte er sagen: «Genau darum geht es bei diesem Jubiläum.»

In der Grotte befindet sich hinter einem Metallgitter ein Altar mit einer Marienstatue, davor steht die Skulptur eines offenen Buches – eine Bibel. Darunter in einer Felsnische eine Statue des liegenden Heiligen, der den Kopf auf die rechte Hand stützt. Rechts davor die Statue eines Bären, der auf den Hinterbeinen steht.

«Der Legende nach soll ein Bär den Esel gefressen haben, den der Heilige, der als Wandermönch hierher kam, mit sich führte», erläutert Charmillot. Daraufhin habe dieser zum Bären gesagt: «Jetzt musst du mir als Gehilfe dienen.» Aus dem lateinischen «ursus» (Bär) entstand der französische Name Ursanne, auf Deutsch Ursicinus.

«Ich komme ab und an zur Grotte hoch und bete zum heiligen Ursicinus, bitte ihn um Unterstützung bei den Vorbereitungen zum Jubiläum», so Charmillot. Für ihn steht die spirituelle Dimension des Jubiläums im Vordergrund. «Ursicinus hat sein Leben ganz auf Gott ausgerichtet.» In Zeiten der Verzettelung, wie wir sie heute kennen, könne die Beschäftigung mit dem Eremiten helfen, «Prioritäten zu setzen und das Puzzle unseres Lebens neu zu ordnen».

Charmillot geht davon aus, dass Evangelisierung nicht das Ziel von Ursicinus war. «Er suchte ein Leben in Einsamkeit und Innerlichkeit.» Hierin ist er also durchaus dem Eremiten aus der Zentralschweiz, Niklaus von Flüe (1417 bis 1487), verwandt. Anders als im Ranft sei jedoch nicht überliefert, dass Menschen zu dem Eremiten am Clos du Doubs gepilgert wären und ihn um Rat gefragt hätten.

Für das Jubiläumsjahr hatten sich die «Ursiniens» viel vorgenommen. Infolge der Corona-Pandemie mussten allerdings viele der insgesamt über 40 Veranstaltungen abgesagt oder verschoben werden. Bislang nicht abgesagt ist das Angebot, in der kleinen Kapelle, die direkt unterhalb der Grotte liegt, zu übernachten. Auf dem Weg zurück in die Stadt öffnet Charmillot diese und erzählt, dass auch er ab und zu eine Nacht hier verbringe. Wer das Eremitendasein für 14 Stunden erproben möchte, kann sich in den Sommermonaten für eine Nacht einschreiben. In der Kapelle werden ein Bett und ein kleiner Schreibtisch stehen. «Es gibt jedoch kein Wasser, keinen Strom, keine Toilette», warnt Charmillot.

Zurück in der Stadt, führt Charmillot die Besucher durch den eindrucksvollen Kreuzgang zum Lapidarium, wo die erste Kirche von St. Ursanne stand, die Peterskirche. In den Boden sind Gitter eingelassen, sodass die darunter liegenden Sarkophage aus der Merowinger- und Karolingerzeit sichtbar sind. Beim Verlassen des Lapidariums weist Charmillot auf das Tatzenkreuz über dem Eingang hin. «Es ist das  älteste christliche Zeichen, das man im Kanton Jura gefunden hat», erklärt er nicht ohne Stolz. «Man vermutet, dass es von einem Sarkophag stammt und später hier eingesetzt wurde.» Jura gefunden hat», erklärt er nicht ohne Stolz. «Man vermutet, dass es von einem Sarkophag stammt und später hier eingesetzt wurde.»

Auf dem Weg in die romanische Stiftskirche, die Collegiale, weist Charmillot auf das Tympanon über dem Südportal hin, ein eindrückliches Werk aus dem 12. Jahrhundert. Es zeigt den thronenden Christus, umgeben von den Aposteln Petrus und Paulus sowie sieben Engeln. Der Mönch links zu seinen Füssen, erkennbar an der Tonsur, sei Ursicinus.

Der kurze Rundgang endet in der Krypta unterhalb der Stiftskirche. Hier befand sich früher der Sakrophag, der dem heiligen Ursicinus zugeschrieben wird. Heute befindet sich dieser hinter dem Hauptaltar und ist für Besucher zugänglich. Er bleibt allerdings vorderhand verschlossen. «1507 wurde der Sarkophag letztmals geöffnet», erzählt Charmillot. Er hofft, dass der Sarkophag nach Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahr 2021 erneut geöffnet und einer Analyse unterzogen werden kann, um völlige Transparenz über das darin enthaltene Skelett zu erhalten. Für das Jubiläumsjahr, sagt er, «wollen wir das Geheimnis bewahren.»

Sylvia Stam

 

VORANZEIGE:PFARREIREISE

1400 Jahre Saint Ursanne Pfarreireise des Pastoralraumes Biel-Pieterlen Samstag, 17. Oktober 2020

Der Pastoralraum Biel-Pieterlen plant anlässlich des Jubiläums 1400 Jahre Saint Ursanne eine Pfarreireise in diesen schmucken Ort.. Nach der Carfahrt (Abfahrt Pieterlen: 08.30 Uhr; Abfahrt Biel: 08.45 Uhr) können wir zusammen mit Weihbischof Denis Theurillat in der Stiftungskirche St. Ursanne einen Gottesdienst feiern. Nach dem Mittagessen im Restaurant Couronne wird ein Stadtrundgang auf eigene Tour möglich sein. Die Rückkehr wird gegen 17.30 Uhr sein. Falls es möglich wird, diese Pfarreireise durchzuführen, gibt es weitere Informationen und Anmeldungsmöglichkeiten.

2. Juni 2020
erstellt von angelus
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