Mariann Wenger-Schneiter, Bruder Klaus. Eine erstaunliche Geschichte aus dem Mittelalter. Comic, Canisiedition 2016, 64 Seiten, Fr. 24.50

3 Buchbesprechungen - Niklaus von Flüe

600 JAHRE BRUDER KLAUS

2017 jährt sich der 600. Geburtstag von Bruder Klaus. Verschiedene Publikationen erschienen in diesem Herbst zum grossen Gedenkjahr.

Mariann Wenger-Schneiter legt in der Canisiedition einen liebevoll gestalteten Comic-Band über das Leben des Heiligen im Ranft vor. Mit Frische und Witz entführt die Autorin und Zeichnerin ihre junge und junggebliebene Leserschaft durch das aussergewöhnliche Leben des Niklaus von Flüe, schildert das Leben des Mittelalters, lässt die Schrecken von Kriegen und Schlachten nicht aus, zeigt das Leben einfacher Bauern und regierender Fremder und führt in die Nöte und Suche des Familienvaters Klaus ein, mit seinen Visionen und Depressionen.
Schade ist, dass sich die Autorin nicht von neueren Erkenntnissen um die Geschichte Bruder Klaus’ leiten liess. Die Brunnenvision reduziert sie auf Spiritualität und Glaube. Aber gerade der sozialkritische Gehalt dieser berühmten Vision gäbe Kinder und Jugendlichen einen Eindruck vom Wandel, den Bruder Klaus vom Politiker zum friedenstiftenden Beter gemacht hat.
Dass zudem das Gespräch von Bruder Klaus mit den jungen Mann aus Burgdorf fehlt, das die Fragen von Jugendlichen auf der Suche nach ihren eigenen Wegen skizziert, ist eine verpasste Chance. Trotzdem, der Comic ist ein unkonventioneller Einstieg in eine wichtige Glaubensgeschichte.
Jürg Meienberg

Im Vier-Türme-Verlag erschien ein Sammelband zu Texten über Bruder Klaus. Angela Römer, David Steindl-Rast, Pierre Stutz, Peter Eicher und viele andere erzählen von ihrer Faszination für Bruder Klaus. Der Beitrag von Peter Eicher, Theologe, Paderborn, zeigt, wie auch der moderne Mensch mit dem Mythos Bruder Klaus umgehen kann. «Klaus von Flüe war so ziemlich alles nicht, was an ihm und mit ihm verehrt wird. Er war weder ein ‹Mann der Kirche›, noch ein ‹Mystiker› oder ‹Gottesgelehrter› und erst recht nicht der erste fröhlich ‹Geschiedene der Neuzeit›.»
Was Peter Eicher anstelle der traditionellen Überlieferung aufarbeitet, hilft im 21 Jh. Niklaus von Flüe neu zu verstehen. Auch als Leitfigur einer Geldnation, die sich neu hinterfragen muss.
Jürg Meienberg

Wer eine verständliche und knappe Einführung in das Leben des Eremiten im Ranft sucht, ist mit Barbara Beusch und ihrer Schrift «Niklaus von Flüe – Eine Begegnung mit dem Schweizer Heiligen» gut bedient. Barbara Beusch, Sozialarbeiterin und freischaffende Pfarrerin, bietet Einsichten in das Leben und Glauben von Niklaus von Flüe und seiner Frau Dorothea und versucht eine Deutung auf unsere Zeit hin.
Jürg Meienberg

 

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Mariann Wenger-Schneiter, Bruder Klaus. Eine erstaunliche Geschichte aus dem Mittelalter. Comic, Canisiedition 2016, 64 Seiten, Fr. 24.50

Schleicher/Hoeg (Hg). Niklaus von Flüe. Vier Türme Verlag 2016, 167 Seiten, Fr. 24.50

Barbara Beusch: Niklaus von Flüe. Blaukreuz Verlag Bern 2016, 112 Seiten, Fr. 19.80

16. November 2016
erstellt von «pfarrblatt»
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