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Advent in Pandemiezeiten

Im Advent kann man unzählige Bräuche und Rituale pflegen: Kerzen ziehen, einen Adventskranz binden, Tannenschmuck basteln ... Hier ein paar weitere Ideen, die Licht und Dunkel, das Warten und die Hoffnung auf neues Leben in dieser speziellen Zeit zum Ausdruck bringen.


Text: Team der Fachstelle Religionspädagogik, Bern

Licht und Dunkel

Kaum vorstellbar, wie beängstigend die Nacht vor der Elektrifizierung gewesen sein musste. Die absolute Dunkelheit kennen wir vielleicht nur noch von Ausflügen in die Berge oder andere Gegenden fernab besiedelter Gebiete. Im Sommer mag die Nacht überschaubar sein und vielleicht sogar Entlastung von der Hitze des Tages bringen. Gegen das Jahresende aber werden die Nächte lang, es wird kalt, und auch die Natur zieht sich zurück. Da kann sich Hoffnungslosigkeit ausbreiten. In dieser dunkelsten und leblosesten Zeit im Jahr bricht ein Licht ein: Wir feiern die Geburt Jesu. Er ist unser «Sol invictus», das unbesiegbare Licht. Durch Jesus ist unser Leben nicht verloren. Schon vor seiner Zeit berichten alttestamentliche Texte davon, dass die Nacht, das Dunkel, nicht das letzte Wort haben. Das Licht wird kommen. In dieser Hoffnung sind wir gehalten.

Textstellen in der Bibel
Gen 1,1–5: Da sprach Gott: Es werde Licht!
Psalm 27: JHWH ist mein Licht und Heil
Jesaja 2,1–5: Haus Jakobs, wir wollen gehen im Licht JHWHs
Jesaja 9,1: Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht
Jesaja 58,10: dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag
Mt 4,12–16: Das Volk, das im Dunkel sass, hat ein helles Licht gesehen
Mt 5,14: Ihr seid das Licht der Welt
Joh 8,12: Ich bin das Licht der Welt
Joh 12,46: Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt.

Themen und Fragen
• Wie empfinde ich Licht und Dunkelheit? Welche Eigenschaften verbinde ich mit ihnen?
• Wo nehme ich Licht und Schattenseiten bei mir wahr?
• Welche Abschnitte auf meinem Lebensweg waren eher von Dunkelheit und Schatten geprägt, welche waren lichtvoll und hell?
• Wo und wie bringe ich «mein Licht» in die Welt?
• Was sind für mich Lichter in der Dunkelheit? Woher nehme ich meine Hoffnung und meine Zuversicht?
• Welche Orte in meiner Stadt, in meinem Dorf verbinde ich mit der Dunkelheit? Wo sind für mich Hoffnungsorte?

Kopf
• Am Barbaratag (4. Dezember) einen Kirschbaumzweig in die Stube holen und mit beschrifteten Anhängern schmücken. Was gibt mir Hoffnung?
• Spiegel mit Woody-Stiften oder Fensterfarben beschriften: Was sind meine Licht- und meine Schattenseiten?

Hand
• Adventslichter basteln und weiterschenken
• Steine mit Hoffnungsworten bemalen und zusammen mit einer Kerze an den dunklen Orten meines Wohnorts aufstellen

Herz
• Einen Spaziergang in dunkler Nacht unternehmen und ein Feuer entzünden
• Spirale aus Naturmaterialien in der Dämmerung legen und mit Kerzen bestücken
• Die eigene Musiksammlung durchforsten nach Hoffnungsstücken und nach Stücken, die eher die Dunkelheit ausdrücken

Erzählen
«Die vier Lichter des Hirten Simon» von Gerda Marie Scheidl
«Eine Weihnachtsgeschichte oder die drei Fragen: nach einer Erzählung von Leo N. Tolstoi» von A. Schneider und D. Kállay
Legende der heiligen Lucia
«Hoffnungsschimmer – Im Dunkel ein Licht» von Ava Innings und anderen

Musik
«Anthem», von Leonard Cohen
«Du bist das Licht», von Gregor Meyle
«Chumm mir wei äs Liecht aazünte», von Peter Reber
«Dans nos obscurités», Taizé-Lied
«Jesus le Christ», Taizé-Lied
«Candle in the wind», von Elton John

Warten

Kinder können manchmal ganz schön quengelig werden, wenn sie auf etwas warten müssen: Sind wir bald da? Wie lange dauert es noch? Ihnen wird die Zeit schnell lang und sie ersehnen Momente oft noch von ganzem Herzen. Im Erwachsenenalter kann dieses Gefühl von «Lange-Weile» haben, von kaum erwarten können, schon mal abhandenkommen. Wir hasten unseren Verpflichtungen hinterher und die Zeit scheint zu rassen. Auch Dinge, Momente, auf die wir uns freuen, sind oft viel zu schnell da und dann auch ebenso schnell wieder vorbei … Warten, er-warten hat mit Hoffnung zu tun und damit, sich vorzustellen, was sein könnte. In der Erwartung liegt die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten und wahrzunehmen, was ich mir noch wünsche. In Beziehungen gilt es zu sortierten, welche meiner Erwartungen mein Gegenüber mir erfüllen soll und wo ich selbst verantwortlich bin. Und unerfüllte Herzenswünsche können mitunter dazu führen, dass Menschen bitter werden oder zerbrechen, wenn sie die Versöhnung mit dem Leben nicht schaffen. Advent, die Zeit des Wartens – worauf?

Textstellen in der Bibel
Lk 2,22–40: Hanna und Simeon im Tempel
Mt 11,3/Lk 7,19: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?

Themen und Fragen
• Worauf hoffe ich?
• Was wünsche ich mir (noch) von meinem Leben?
• Halte ich das Warten aus?
• Realisiere ich meine Träume aktiv oder lasse ich geschehen?
• Sind meine Erwartungen Richtungsweiser oder erdrückende Ansprüche, denen ich nicht gerecht werden kann? Oder zerbreche ich an meinen unerfüllten Wünschen?

Kopf
• Eine halbe Stunde zu früh auf den Bahnhof oder zum Treffpunkt einer Verabredung gehen, auf einer Bank sitzen und einfach warten. Halte ich das aus?
• Zeichen für Momente des Wartens in mein Lebenspanorama notieren: Wann habe ich etwas wirklich erwartet: eine Nachricht, einen Bescheid, einen Brief.
• Adventstee kochen, aufs Sofa sitzen und eine Liste schreiben mit dem Satz: Abwarten und Tee trinken – was hilft sonst noch beim Warten?
• Erwartungsorte in meiner Gemeinde, meiner Stadt aufsuchen und sich überlegen, wer hier wie warum auf wen wartet.

Hand
• Am 4. Dezember einige Körnchen, den sogenannten «Barbaraweizen», in einer Schale aussäen, sodass sie bis Weihnachten spriessen
• Einen Stein suchen, der gut in der Hand liegt und ihn mit meinen Vertrauensworten für die nächste «Wartezeit» beschriften

Herz
• Welche Menschen warten wohl auf Post? Menschen eine Postkarte schreiben, diese schmücken und auf die Post bringen.
• Welche Erwartungen lasten auf mir? Steine damit beschriften und sie in einen See, einen Fluss fallen lassen.
• Lege deine Lieblingsmusik auf und erlaube dir zu träumen: dich, dein Leben, deine Welt … Aber denke daran: Träume brauchen Zeit.

Erzählen
«Schuster Martin: nach einer Legende von Leo Tolstoi»
«Alle Zeit der Welt» von Antje Damm
Eine Geschichte erfinden mit dem Anfang: «Es war einmal die kleine lange Weile ...»

Musik
«Wait for the Lord», Taizé-Lied
«Waiting for a Angel», von Ben Harper
«Himmel auf», von Silbermond
«Geteilt durch zwei», von Carolin No

 

Hoffnung auf neues Leben

«Ach, hätte ich doch …» Es gibt wohl in jedem Leben Momente, in denen man am liebsten die Zeit zurückdrehen würde. Nochmal neu anfangen, Dinge anders machen, beim nächsten Mal wird bestimmt alles besser. An Weihnachten liegt das neugeborene Leben in Gestalt eines Babys in der Krippe im Stroh. Ganz Vieles ist noch möglich für dieses neue Menschlein. Es steht noch ganz am Anfang seines Weges. Sein Leben kann gelingen. Der erwachsene Jesus hat Kranke, Menschen am Rand, sogar Tote zurück ins Leben geführt. Es muss im Leben mehr als das alles geben. Darauf dürfen wir hoffen. Gerade auch jetzt, wo die Nächte lang und die Natur scheinbar tot sind, und wo Corona unseren Alltag erschwert und uns vielleicht an unsere Grenzen bringt.

Textstellen in der Bibel
Jes 11,1–9: Jesajas Friedensvision
Lk 1, 39–45: Maria besucht Elisabeth
Lk 2,1–18: Geburt Jesu
Mt 5,3–12: Seligpreisungen
Mt 9, 18–16: Erweckung der Tochter von Jairus

Themen und Fragen
• Wann fühle ich mich «wie neugeboren»?
• Wo möchte ich noch einmal neu anfangen können?
• Welchen Beitrag möchte ich leisten an ein «Mehr an Leben» für alle?
• Mit wem teile ich meine Hoffnungen?
• Wo bin ich hoffnungslos?
• Wo lähmt mich Angst?
• Vertraue ich darauf, dass mein Leben gut weitergeht?

Kopf
• Mein Fotoalbum anschauen: Wie war ich als Baby? Was ist aus mir geworden? Wann bin ich stolz auf mich? Was bedaure ich?
• Welche Menschen haben mich durch mein Leben begleitet? Möchte ich mich für etwas bedanken, mich versöhnen oder entschuldigen?
• Hoffnungsworte und -sätze aufschreiben und grosszügig in der Wohnung verteilen

Hand
• Papierblumen oder Blätter ausschneiden und mit Gedanken beschriften. Was ist in meinem Leben aufgeblüht?
• Jesajas Friedensvision malen und eigene Bilder dazu erfinden

Herz
• Zeit für mich nehmen, etwas tun, das mich belebt: ein duftendes Vollbad geniessen, durch den Regen rennen, ausschlafen, in der Nacht auf dem Spielplatz schaukeln …

Erzählen
«In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung» von Jean E. Pendziwol
«Leben» von Cynthia Rylant/Brendan Wenzel
«Lass dich fallen», Gedicht von Joseph Beuys

Musik
«Meine Hoffnung und meine Freude», Taizé-Lied
«Geboren», von Die Fantastischen Vier
«Wünsche», von Carolin No

 

 

 

24. November 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 25
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