«Wir haben uns als Brüder ausgegeben», erklärt Sayed. Wie Brüder sind sie auch den Weg in die Schweiz zusammengegangen. Foto: zVg

Frühstücken, aufräumen, Schule, Hausaufgaben, Fussballtraining - feste Tagesstrukturen. Foto: zVg

Die Flüchtlingskinder brauchen besonderen Schutz und Bildung - auch Kopfrechnen. Foto: zVg

Allein geflüchtet: Sayed (13)

 

 von Sabine Schaller/ Caritas Schweiz


Als Sayed auf der Flucht von seiner Familie getrennt wurde, war er elfjährig. Der Junge aus Afghanistan setzte die beschwerliche Reise alleine fort bis in die Schweiz.

Heute lebt er im von Caritas Schweiz geführten Haus der Jugend in Immensee (SZ) und arbeitet jeden Tag hart für seinen Traum von einem ganz normalen Leben.
Sayed ist einer von 5000 unbegleiteten Kinderflüchtlingen, die heute in der Schweiz leben. Vor eineinhalb Jahren flüchtete er mit seiner Familie vor den Taliban. Von Afghanistan reisten sie zuerst nach Pakistan dann in den Iran und in die Türkei, wo sie auf dem Seeweg weiter nach Griechenland wollten. Hier verlieren sich Sayed und seine Familie aus den Augen.
Im Gedränge des Hafens werden sie auseinandergerissen. Sayed schafft die Überfahrt und setzt seine Odyssee in Griechenland gemeinsam mit einem anderen Jungen aus Afghanistan fort. Tag und Nacht sind sie unterwegs. Sie gehen zu Fuss, quetschen sich in überfüllte Autos, fahren im Zug. Die beiden schlagen sich auf der Balkanroute durch und geben aufeinander Acht. «Wir haben uns als Brüder ausgegeben», erklärt Sayed. Wie Brüder sind sie auch den Weg in die Schweiz zusammengegangen, und seit August 2016 teilen sie sich ein Zimmer im Haus der Jugend in Immensee, das von Caritas Schweiz im Auftrag des Kantons Schwyz geführt wird.

Zwischen 13 und 18 Jahre
Die Weggefährten leben zusammen mit 32 Knaben und vier Mädchen, die aus Eritrea, Afghanistan, Somalia, Mali, Guinea und Syrien stammen und zwischen 13 und 18 Jahre alt sind. Im Fachjargon heissen sie UMA – Unbegleitete Minderjährige Asylsuchende. Es sind Kinderflüchtlinge, die alleine Tausende von Kilometern zurückgelegt haben in der Hoffnung auf ein Leben ohne Krieg und Armut.

Endlich ankommen
Um 6 Uhr klingelt der Wecker. Aufstehen, frühstücken, aufräumen, Schule, Hausaufgaben, Fussballtraining. Der 13-Jährige hat feste Tagesstrukturen und wird sieben Tage in der Woche von einem Team der Caritas betreut. Neben der sozialpädagogischen Unterstützung, die er erhält, sind eine Beiständin und eine Bezugsperson für den jungen Afghanen da, wenn er Probleme und Fragen hat – soweit das eben möglich ist. «Die Liebe eines Vaters oder einer Mutter kann niemand ersetzen», sagt er. Die Beiständin Eleonora Meier schenkt Sayed einen tröstenden Blick und meint: «Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.»
Und es gibt Grund zur Hoffnung. Der Suchdienst des Roten Kreuzes unterstützt Sayed und versucht, seine Eltern und seine Geschwister zu finden.

Lieblingsfach Mathe
Die Sorge um seine Familie lässt sich nicht wegreden. Trotzdem blickt er vorwärts. Sayed lernt schnell. In nur kurzer Zeit hat er den Sprung von der Integrations- in die Regelklasse geschafft. Heute drückt er in Küssnacht zusammen mit Schweizer Kindern die Schulbank. Sein Lieblingsfach ist Mathe. Sayed möchte einmal bei einer Bank arbeiten und sagt voller Zuversicht: «Ich bin jung, ich lerne viel und habe gute Noten. Ich muss es einfach schaffen.»

Kinderflüchtlinge brauchen unsere Unterstützung

Der Flüchtlingssonntag vom 18. Juni ist all jenen Menschen gewidmet, die ihre Heimat verlassen mussten und Schutz vor Gewalt und Verfolgung suchen. Eine Gruppe der Flüchtlinge, die besonderen Schutz braucht, sind die Minderjährigen, die ohne Begleitung ihrer Eltern aufbrechen und zu uns kommen. Minderjährige sind Kinder, das gilt auch für Flüchtlinge. In der Schweiz gibt es rund 5000 unbegleitete Kinderflüchtlinge. Ihre Zahl ist stark angestiegen. Dass sie sich ohne Schutz und Begleitung den lebensgefährlichen Wegen zu uns aussetzen müssen, zeigt, wie gross die Not und Verzweiflung ist.
Caritas Schweiz engagiert sich auf vielfältige Weise für Asylsuchende und Flüchtlinge. Sie setzt sich ein für faire Asylverfahren, eine humane Unterbringung, fachkundige rechtliche Beratung sowie die Integration in Gesellschaft und Arbeitswelt.
Dabei nimmt sie sich auch Kindern unter den Flüchtlingen speziell an. Die Bischöfe rufen am Flüchtlingssonntag dazu auf, die Arbeit der Caritas zu unterstützen. Die Kollekte an diesem Sonntag hilft, dass Caritas ihre Aufgaben in der Flüchtlingshilfe und besonders auch für Kinderflüchtlinge erfüllen kann.

Caritas dankt für Ihre Spende auf das Konto 60-7000-4.
Weitere Informationen unter:
www.caritas.ch/kinderfluechtlinge.

Caritas Schweiz
Caritas Bern

14. Juni 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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