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Andreas (Apostel)

Der 30. November ist der Gedenktag des heiligen Andreas, seines Zeichens Apostel, Bruder des Petrus und – ehemaliger Fischer.Wie wir schon in der letzten Kolumne festgestellt haben, sind Metaphern mit beruflichen Tätigkeiten eine bevorzugte Form biblischer Didaktik. So auch beim ersten Treffen zwischen Andreas, Petrus und Jesus.

Menschenfischer würde er aus ihnen machen, sagt Jesus laut dem Matthäusevangelium zu den beiden Brüdern. Ein für heutige Ohren doch etwas polarisierendes Bild. Fischen oder Fangen sind nicht wirklich positiv konnotiert, fast zu stark scheint hier die Parallele zum Rattenfänger, der die Ahnungslosen lockt, ent- und vorführt.

Trotz der ambivalenten Auslegungsmöglichkeiten: Das Bild des Fischers hat sich im Christentum etabliert als Synonym für Evangelisierung und Verkündigung. Das hat Andreas am eigenen Leib erlebt: er, der als Erstes berufen wurde, als er gerade bei Johannes dem Täufer war, bevor Jesus vorüberging. Andreas erkannte in dem wildfremden Mann niemand Besonderen, Johannes aber schon. «Seht, das Lamm Gottes!», ruft dieser aus, und Andreas zieht los, seinen Bruder zu holen, um Jesus danach hinterherzulaufen. So aufdringlich, bis sich dieser bei ihnen erkundigt, was sie denn eigentlich von ihm wollten.

Interessant hier die Reaktion Jesu: Er fordert sie nicht auf, ihm zu folgen – beziehungsweise erst, als sie es sowieso schon tun. Vielleicht ist genau das gemeint mit «Menschenfischer». Nicht ein Fischen im Sinne von überdimensionierten Schleppnetzen, die alles an Bord holen, was da so rumschwimmt. Sondern das Auswerfen der Angel und dann – warten. Warten, bis jemand «anbeisst». Weil sich dieser Mensch für das interessiert, was man in die Welt hinaushängt, wie man lebt, wie man wirkt. Es geht beim Menschenfischen nicht um Quantität und fette Beute, nicht um Taktik und Methode, sondern einfach ums Zurücklehnen und Warten. Und dann, wenn einem jemand plötzlich folgt, zu fragen, was er oder sie eigentlich suche.

Sebastian Schafer

«Katholisch kompakt» im Überblick

27. November 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 25
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