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Arbeit, die –

«Im Schweisse deines Angesichts sollst du dein Brot essen.» So straft Gott den Menschen, als er ihn aus dem Paradies vertreibt. Ihre Nahrung kann die Menschheit nicht mehr einfach von den herrlichen Bäumen des Gartens Eden pflücken, sie muss jetzt den Ackerboden bearbeiten, jäten und schuften, für ein paar lausige Rüben und ein wenig Getreide. Und am Ende wird jede*r sterben, unter die Erde geschafft und von den Würmern bearbeitet.

Das mit dem Schweiss im Angesicht hat sich mit der Digitalisierung teilweise erledigt – nichtsdestotrotz muss jede*r von uns arbeiten. Das ist (fast) notwendig und gesellschaftlich selbstverständlich, schon zu Zeiten Jesu: Dieser war Zimmermann, seine Gleichnisse drehen sich oft um Arbeit – ein universelles Thema. Wie damals definieren wir uns auch heute über unseren Job: «Erfüllung im Beruf» wird beschworen, und die Berufswahl nimmt einen enormen Stellenwert in der Schule ein.

Aber wieso ist Arbeit etwas so Menschliches? Der Mensch unterscheidet sich vom Tier in einem unsere Arbeit konstituierenden Punkt. Er ist ein Schöpfer und schafft aus freiem Willen, aus dem Wollen heraus. Nicht nur aus Instinkt oder zum Überleben, sondern weil er es will. Und er legt etwas von sich selbst in seine Schöpfung – wir schätzen, was wir tun, wir wollen etwas Nützliches erschaffen. Diese kreative Schaffenskraft macht uns gottähnlich.

In seiner Arbeitsenzyklika «Laborem exercens» kritisiert Johannes Paul II. die moderne Arbeitswelt aus genau dieser Überzeugung heraus. Der Kapitalismus mache den Menschen zum bedeutungslosen Rädchen in der Produktionsmaschinerie. Sinnvolle, fruchtbringende Tätigkeit wird ersetzt durch stupide Schufterei, mit nur einem Ziel – Gewinnmaximierung. Der Mensch verkauft das, was er eigentlich schöpferisch nutzen sollte, an den Meistbietenden, der es rücksichtslos ausbeutet: seine Arbeitskraft. Darum sei an dieser Stelle an unsere Schöpfernatur erinnert: für mehr Kunst und weniger Krampf.

Sebastian Schafer

Katholisch kompakt im Überblick

18. September 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 20
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