10. Aktionswoche gegen Rassismus: verschiedene Aktivitäten zum Slogan «Luege – Lose – Handle! Bild: zVg

Auch auf Einzelfälle reagieren

«Luege – Lose – Handle!» ist nicht nur im Strassenverkehr angesagt, sondern hilft auch beim Diskriminierungsschutz. Denn Rassismus ist nicht etwas, was nur einzelnen Personen passiert – auch wenn es sich für Betroffene oft genau so anfühlt.


von Andrea Meier und Eveline Sagna


Ali, Tashi, Reza und Mohammed: Unabhängig voneinander haben sie sich beim «gggfon – Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» gemeldet. Sie berichten davon, dass ihnen regelmässig und ohne einsichtige Gründe der Zutritt zu Berner Ausgehlokalen verwehrt wird. «Sie lassen eine Gruppe Männer vor dir rein und sagen dann: ‹Sorry, wir lassen nur noch Frauen rein› – da weisst du genau, worum es geht», erzählen die drei. «Mit einem N-Ausweis ist es schwer, in einen Club zu kommen, dabei sollten sie nur das Alter kontrollieren!»

Verletzung spricht aus den Berichten der jungen Männer, denen aufgrund ihres Aussehens und ihrer Herkunft der Zugang zu einem wichtigen Teil ihres Soziallebens verwehrt wird. Beweisen lassen sich ihre Aussagen aber kaum. Das «gggfon» konnte deshalb nicht zu einer Anzeige gegen die Clubbetreiber*innen raten.
Handeln wollte die Beratungsstelle trotzdem: Durch die konsequente Dokumentation aller Meldungen in Bern initiierte das «gggfon» eine öffentliche Diskussion zum Thema. Folge davon waren Massnahmen gegen Einlassverweigerung in der Stadt Bern. Giorgio Andreaoli von «gggfon» nimmt Stellung:

Wann wurde euch klar, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt?

Als die Anzahl Meldungen zu dieser Thematik sprunghaft anstieg, wurde uns bewusst, dass nicht nur einzelne Menschen betroffen sind. Als 2004 zum ersten Mal ein Vorfall in den Medien aufgegriffen wurde, löste dies eine weitere Zunahme der Meldungen aus.

Wie zeigte sich, dass die Vorfälle rassistisch begründet waren?

In den meisten Fällen kam es aufgrund der Hautfarbe, des Aufenthaltsstatus oder der Religion zu einer Einlassverweigerung.

Wie lange dauerte es von den ersten Meldungen bis zu den ersten Erfolgen?

Im Jahr 2005 konnten wir erstmals durch die Medien schweizweit auf die Thematik der Einlassverweigerung aufmerksam machen. Von der ersten Meldung bis zum Erfolg dauerte es ca. fünf Jahre – obschon einzelne kleinere Erfolge bereits früher erreicht werden konnten. Schliesslich hatte eine Motion des Grünen Bündnisses im Stadtrat zur Folge, dass das «gggfon» gemeinsam mit der Berner Gewerbepolizei und der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus ein Merkblatt und eine Checkliste für Lokalbesitzer*innen erarbeiten konnte. Dies hat zu einer Beruhigung der Situation beigetragen.

Auf der individuellen Ebene kann strafrechtlich oft nichts erreicht werden. Ist das für die Betroffenen nicht sehr frustrierend?

Ja und nein. Wir sind immer darum bemüht – wenn die Betroffenen damit einverstanden sind – mit der beschuldigten Seite Kontakt aufzunehmen. So machen wir oftmals positive Erfahrungen: Vielfach entsteht Einsicht und es kommt zu einer Veränderung der Situation.

Was kann ich tun, wenn ich von einem rassistischen Vorfall höre? Ist es angemessen, wenn ich mich einmische, auch wenn ich nicht direkt betroffen bin?

Wir sind sogar darauf angewiesen, dass sich die Bevölkerung bei Ungerechtigkeiten einmischt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Zum Beispiel klar mittteilen, dass man nicht einverstanden ist. Oder den Vorfall beim «gggfon» melden. Auf jeden Fall ist Zivilcourage gefragt.

 

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Aktionswoche gegen Rassismus

Im Rahmen der 10. Aktionswoche gegen Rassismus der Stadt Bern organisieren die Kirchen in Bern zusammen mit «gggfon – Gemeinsam gegen Gewalt und Rassismus» verschiedene Aktivitäten zum Slogan «Luege – Lose – Handle! Gemeinsam gegen Rassismus». Das «gggfon» ist ein Informations- und Beratungsangebot von Gemeinden aus dem Raum Bern und Burgdorf zu den Themen Rassismus und rassistische Diskriminierung, Gewalt im öffentlichen Raum und Rechtsextremismus. Das «gggfon» ist die offizielle Meldestelle des Kantons Bern für rassistische Diskriminierung und Übergriffe.

www.gggfon.ch
www.kathbern.ch/aktionswoche

 

 

 

18. März 2020
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 7
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