Gottfried Locher (links) und Bischof Felix Gmür. Foto: Andreas Krummenacher

Die Preisträger gaben an der Feier im Berner Rathaus die Essenz ihrer Predigten zum Besten. Foto: Andreas Krummenacher

Auf ein Wort

Am Montag, 6. November, wurde im Berner Rathaus der Schweizer Predigtpreis 2017 verliehen.

Eingeladen hatte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK). Es konnten Predigten aus allen Kirchen, unabhängig von der Konfession des Predigers, der Predigerin, eingereicht werden. Insgesamt wurden von zwei sprachlich unterschiedlichen Jurys 172 Predigten beurteilt.

30 Predigten kamen von katholischer Seite, ausserdem mehrere aus den Reihen der Freikirchen. Drei Predigten wurden schliesslich prämiert, zehn weitere nominiert und lobend erwähnt. Der Preis ist mit insgesamt 3000 Franken dotiert. Die Gewinner des Predigtpreises sind Erich Häring, römisch-katholischer Priester aus dem Thurgau, Philipp Roth, evangelisch-reformierter Pfarrer aus Basel und Alessandro Esposito von der italienischsprachigen Waldenserkirche.

Pfarrerin Caroline Schröder Field präsentierte die Preisträger und erklärte als Co-Präsidentin die monatelange Arbeit der Jury. Predigten mussten ausgewählt, anonymisiert und sortiert werden. Sie mussten gelesen und beurteilt werden. Kriterien wurden festgelegt.
Beispielsweise: Wurde der biblische Text ernst genommen. Gibt es einen zeitgenössischen Bezug, eine zeitgemässe Interpretation. Befreit mich der Text von einer Last, kann ich eine bekannte Geschichte neu entdecken? Umgang mit Sprache oder Originalität.

Die Preisträger gaben an der Feier in Bern schliesslich die Essenz ihrer Predigten zum Besten. Erich Häring war dabei in der Tat sehr knapp, witzig und tiefsinnig. In seinem Text legt er einem Zapfenzieher und einem Schaf die Lektion über das «Sich-finden-lassen vom Verlorenen» in den Mund (Lukas 15,3–10).
Für den Thurgauer Theologen ist die Auszeichnung ein «schönes Zeichen dafür, dass es um die katholischen Predigten doch nicht so schlecht steht». Und er erinnerte daran, dass der Basler Bischof Felix Gmür die Predigtkompetenz der Seelsorgerinnen und Seelsorger seiner Diözese stärken will, indem er sie zum Besuch eines Predigtkurses verpflichtete.

Der Bischof ermunterte die Seelsorgenden im April auch, am Wettbewerb um den Schweizer Predigtpreis teilzunehmen. Felix Gmür nahm an der Feier im Berner Rathaus teil. Er setzte damit, zusammen mit dem SEK-Ratspräsidenten Gottfried Locher, ein ökumenisches Zeichen. Für diesen ist die Predigt eine Chance für Kirche und Gesellschaft, «heute vielleicht mehr denn je. Eine Gelegenheit, von dem zu sprechen, was uns leben, hoffen und lieben lässt, sich von Gott ansprechen und transformieren zu lassen, um seinem Ruf in der Welt besser folgen zu können».

Die Schirmherrin der Veranstaltung war die Thurgauer SVP-Nationalrätin Verena Herzog. Sie lud nach dem Besuch der Lichtshow «Rendez-vous Bundesplatz» zum reichhaltigen Apéro ins Grand Café «Galerie des Alpes» im Bundeshaus. Zum Abschluss bemerkte Caroline Schröder Field: «Auch wenn es die breite Öffentlichkeit vielleicht nicht merkt, die Welt wäre ärmer, wenn es in ihr keine guten Predigten mehr gäbe!»

Andreas Krummenacher

 

Hinweise:

Die drei prämierten und die zehn nominierten Predigten sind in Buchform erhältlich:
Ausgesprochen reformatorisch. Predigten. Gottfried Wilhelm Locher, Jean-Luc Blondel, Otto Schäfer, Caroline Schröder Field (Hrsg.), SEK 2017.

Hier gibt es die Predigten als PDF

Die Webseite der Veranstaltung

Katholischer Theologe bekommt reformierten Predigtpreis, Artikel auf kath.ch

8. November 2017
erstellt von «pfarrblatt»
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