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News-Artikel

Foto: Christin Hume, unsplash.com

«Ausgezeichnetes» Zuhören

Leider gab es bisher noch nie einen Nobelpreis fürs Zuhören. Dabei könnte eine solche Auszeichnung im Sinn des Stifters Alfred Nobel sein, denn der Preis soll gemäss seinem Vermächtnis «denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den grössten Nutzen geleistet haben».

Die Verdienste des Zuhörens bestehen längst nicht nur darin, Missverständnissen vorzubeugen. Vielmehr wird Zuhören als Gestaltungskraft und kostbare Quelle weit unterschätzt. Wie oft würden wir weiterkommen, wenn wir Fragen stellten, anstatt selbst Antworten zu geben. Gutes Zuhören setzt Selbstwahrnehmung, Selbstreflexion und Achtsamkeit voraus, um mit der nötigen Offenheit und Unvoreingenommenheit beim Gegenüber zu sein. Eindrücklich sind für mich die Begegnungen mit einer guten älteren Bekannten, die spürbar mit ihrem eigenen Leben versöhnt ist. Die Art und Weise, wie sie mir zuhört, bewegt mich immer tief, denn ich fühle mich bis ins Innerste wohlwollend erkannt und verstanden. Und ich ziehe jeweils voller Lebendigkeit und Tatendrang von dannen.

Auch im beruflichen Umfeld kann durch aufmerksames Zuhören viel Potenzial ausgeschöpft werden. Wie nehmen Mitarbeitende die Bedürfnisse unseres Unternehmens wahr?

Mit welchen Herausforderungen sind sie konfrontiert? Welche Ideen haben sie für deren Lösung? Eine Änderung im Verständnis von Führung kann Wesentliches wenden. Führungspersonen sieht man oft in der Rolle als Sprechende, aber viele unterschätzen, dass sie mit sorgfältigem Zuhören nicht nur ihren eigenen Horizont erweitern und viel mehr erreichen, sondern zudem noch mehr Respekt ernten. Damit ist Zuhören ein zentraler Schlüssel zum Schaffen von Werten und zur Innovation. So gesehen, gäbe es mit den achtsam Zuhörenden ganz viele Nobelpreisanwärter, die einen grossen Nutzen für die Menschheit stiften.

 

 

Gabriela Scherer
… setzt sich als Leadership-Coach im Lassalle-Institut und mit ihrem eigenen Unternehmen für eine Führungskultur «mit Wert-Schöpfung» ein.

Illustration: schlorian

 

 

 

 

«Wir nehmen uns die Zeit» im Überblick

28. Mai 2019
erstellt von «pfarrblatt» Nr. 12
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