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News-Artikel

Pater Josef Wasensteiner arbeitet im brasilianischen Codó am Aufbau seiner Pfarrei und für die Menschenrechte. Das Berner Hilfswerk Cooperaxion hilft ihm dabei. Katholisch-Bern hat das Projekt 2014 mit einem Betrag von 35 000 Franken unterstützt. Foto: Cooperaxion

Begeben sich Ordenleute auch in Gefahr?

Aus dem Bayern Sepp Wasensteiner ist in 25 Jahren Arbeit im Nordosten Brasiliens Padre José geworden. Der Pallottiner engagiert sich für die indianisch-schwarze Bevölkerung. Wer sich für deren Rechte einsetzt, wird auch selber bedroht.

«Hier herrscht eine Situation von Gewalt, Ungleichheit und Ungerechtigkeit», beschreibt Pater José Wasensteiner seine weitläufige Pfarrei São Raimundo in der Region Codó im ärmsten brasilianischen Bundesstaat Maranhão. Einst gründeten hier entlaufene Sklaven ihre Siedlungen im Niemandsland. Doch heute beanspruchen Holzfäller und Palmöl-Firmen das Land. Illegale Landaneignungen, Rodungen, Korruption und Einschüchterungen sind an der Tagesordnung. Da werden Felder, Häuser und eine Kapelle abgebrannt. Und Sprecher der Kleinbauern müssen in kirchlichem Schutz leben, weil Pistoleros sie ermorden wollen. Auch auf Pater José ist offenbar ein Kopfgeld von ein paar hundert Dollar ausgesetzt. Fürchtet sich der Pallottiner? «In Krisen frage ich mich: Wofür bist du da? Gesandt, um Christus in den Armen zu dienen. Das hilft mir sehr, Angstsituationen durchzustehen», erklärt José. Die Kirche mit ihrer «Pastoral della Terra» sei die einzige Institution, der die Menschen vertrauen. Hier sei seine Aufgabe, er wisse nicht, wie lange, mache sich aber keine Gedanken darüber. Und er schmunzelt: «Jesus ist schliesslich auch nicht im Bett gestorben.»
Pater José stiess als junger Mann per Zufall in seiner Heimat in Oberbayern zu den Pallottinern. Es ist eine Gemeinschaft, die ohne strenge Ordensregeln auskommt und auf die Verantwortung der Einzelnen zählt. Pater José: «Die Idee von Vinzenz Pallotti fasziniert mich bis heute: Respekt vor der Würde aller Menschen und Einladung zum Apostolat, das heisst zur Mitarbeit an einer neuen Welt in Friede und Gerechtigkeit.»

28. Januar 2015