Beitrag zur Kommunion

Für Herrn Bischof Huonder «wäre ein Pfarrblatt als Instrument römisch-katholischer Verkündung zu verstehen» und sollte eine «mediengerechte Darlegung der Frohen Botschaft anbieten». 

Im Rahmen der Arbeitsgruppe, die sich mit der Entwicklung des Berner «pfarrblatt» auseinandersetzte (Projekt Redesign zwischen 2007 und 2010), haben wir uns die Frage intensiv gestellt: Was soll das «pfarrblatt», wer interessiert sich für welche Inhalte, wer sind überhaupt die Leserinnen und Leser, was erwarten sie? Die Frage kann eigentlich mit wenigen Worten beantwortet werden: Das Pfarrblatt ist eine «Mitglieder-Zeitschrift», Mitglied ist, wer Kirchensteuer für die römisch-katholische Kirche im Kanton Bern (alten Kantonsteil) bezahlt, weil er oder sie als Getaufte Mitglied der Gemeinschaft sind (bkeiben). Diese knappe Antwort bringt die Redaktoren kaum weiter wenn sie entscheiden müssen, was das «pfarrblatt» Woche für Woche anbieten soll, damit die Mehrheit der Mitglieder, egal wer sie sind oder was sie denken, etwas für sich findet. 

Soziologische Studien belegen, was viele Pfarreien aus ihren Alltag gut kennen: Die «Mitglieder der römisch-katholischen Gemeinschaft» in der Schweiz (und vermutlich in allen westlichen Ländern) sind zwar alle mit den gleichen Worten getauft worden, aber ihre kirchliche Sozialisation ist unterschiedlich verlaufen, sie haben – auch lokal, in der gleichen Pfarrei – ganz unterschiedliche Lebensgrundlagen, wirtschaftliche Ausgangslagen, kulturelle Gewohnheiten und Freizeitbeschäftigungen, Sprachen und Lebensführungen. All diese Elemente reissen tiefe Gräben auf! Die Pfarrei bleibt einer der wenigen und daher umso wichtigeren Orte, wo Menschen, die sich sonst kaum begegnen und kaum füreinander interessieren würden, sich treffen oder mindestens nebeneinander den einen Gott ehren. Ghettos von Gleichdenkenden oder Gleichlebenden bieten sicher keine attraktive Alternative oder? Grosskonzerte und -sportanlässe bieten sonst noch (mehr oder weniger) übergreifende Begegnungsmöglichkeiten, eine Art von bescheidener profaner Kommunion.

 Die Heterogenität der KatholikInnen/der Gesellschaft erschwert die Arbeit der heutigen Seelsorgeteams, wie sie die Ausgangslage aller Institutionen, die sich noch als Generalisten verstehen, komplexer macht. Man kann es so tief wie man will bedauern, es ist aber unsere Realität, die Welt, in der die Kirchen die Frohe Botschaft anzubieten haben. Wie es weiter geht, wissen wir nicht, wir können nur unseren Alltag – so gut es geht ohne Resignation und ohne Angst – so gut wie möglich gestalten und «fruchtbare Saat» für die Gegenwart und für eine unbekannte Zukunft säen.

 Ich bin Mitglied dieser Kirche, weil ich dankbar bin, dass sich die Kirche für Menschen, die sonst niemanden interessieren, sozial engagiert, dass sie das Erbe Jesu Christi pflegt und vermittelt, dass SeelsorgerInnen und Freiwillige suchende Menschen begleiten, dass die Kirche so einen unverzichtbaren Beitrag zur Kommunion leistet. Innerhalb der Kirchen gibt es eine Vielfalt von Möglichkeiten, die Frohe Botschaft darzulegen; es braucht aber auch ein Pfarrblatt, das die Beziehung mit allen pflegt, auch mit denjenigen, die mit der Kirche weniger eng vertraut sind. Und übrigens: Jeder und jede Getaufte ist auch Verkündigung! 

Anne Durrer Apothekerin, Mediensprecherin santésuisse, aufgewachsen in der Nähe von Genf, lebt in Bern. Autorenportraits

16. Mai 2012